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Michael ist seit über 25 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser unterwegs. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Michael ist ein gefragter Referent auf Bootsmessen und in Seminaren.
Was genau ist Yacht-Sharing – und für wen lohnt es sich?
Segeln steht für Freiheit – doch der Besitz einer eigenen Yacht bringt auch Verpflichtungen mit sich: Liegeplatz, Wartung, Winterlager und Organisation kosten Zeit und Geld. Gleichzeitig nutzen viele Eigner ihre Yacht nur wenige Wochen im Jahr.
Yacht-Sharing bietet einen anderen Ansatz: Mehrere Eigner teilen sich ein Schiff, die Nutzung wird organisiert, Betrieb und Wartung übernimmt ein professioneller Anbieter. Doch ist das nur ein Trend – oder eine echte Alternative zum klassischen Alleinbesitz?
Wir sprechen mit Marko Zacherl, Geschäftsführer von Yachten Meltl, über Funktionsweise, Zielgruppen und Perspektiven. Die Firma ist ein Yachthandels-Unternehmen innerhalb der international tätigen Nautic Alliance, einem Zusammenschluss führender Unternehmen aus den Bereichen Yachtcharter, Yachtverkauf und Yachtservice, zu dem neben Yachten Meltl und Pitter Yachtcharter weitere etablierte Partner der internationalen Yachting-Branche gehören.

1. Was genau versteht man unter Yacht-Sharing?
Marko Zacherl: Beim Yacht-Sharing erwerben mehrere Personen Anteile an einer Yacht. Jeder Miteigner ist im Schifftitel eingetragen und erhält fest definierte Nutzungszeiten. Sowohl die Anschaffungskosten als auch die laufenden Ausgaben wie Liegeplatz, Wartung oder Versicherung werden anteilig aufgeteilt.
2. Welche Yacht-Sharing-Modelle gibt es – und wo liegt der Unterschied?
Marko Zacherl: Grundsätzlich lassen sich drei Varianten unterscheiden: klassische Fractional Ownership mit festen Anteilen, Club- oder Membership-Modelle sowie private Eigner-Gemeinschaften.
Der entscheidende Unterschied liegt im Eigentum: Während Clubmodelle eher einer Mitgliedschaft gleichen, geht es bei den anderen Modellen um echtes Miteigentum. Die Interessenten wollen nicht nur nutzen, sondern tatsächlich Anteilseigner sein. Dieses Modell des Miteigentums ist keineswegs neu: Bei Motor- und Superyachten ist es seit Jahren etabliert und wird dort häufig als „Co-Ownership“ bezeichnet. Neu im Markt ist jetzt die von uns geschaffene Möglichkeit, auch Segelyachten, Katamarane und Motorboote zwischen zehn und 18 Metern als Miteigner zu erwerben und zu nutzen.

3. Wie genau sieht so ein Sharing-Modell für Yachten aus?
Marko Zacherl: In der Regel erwerben zwei bis vier Miteigner eine Yacht und alle Investment- und Servicegebühren werden geteilt. Wir übernehmen dann die komplette Organisation: Schiffskauf, Inbetriebnahme, Liegeplatz, Versicherung, Wartung, Reparatur und Winterarbeit. Dazu kommt das Management des Nutzungsplans und des Schiffsbetriebs während der Saison. Jede Nutzung des Schiffes wird von uns durch einen Check-in und einen Check-out begleitet – inklusive Reinigung, frischer Bettwäsche und aktueller Reparatur- oder Servicearbeiten.
Bei diesem Konzept berechnen wir jedem Eigner für das Management, die Versicherung und den Liegeplatz einen monatlichen Pauschalbetrag, der alles abdeckt. Nur Reparaturarbeiten und Ersatzteile werden den Eignern nach tatsächlichem Aufwand anteilig berechnet. Das Gute an dieser Art der Co-Ownership ist, dass sich die Anteilseigner nicht untereinander kennen und abstimmen müssen und sicher sein können, dass das Boot immer einsatzbereit und in sehr gutem Zustand ist.

4. Welche Yachten und welche Reviere bieten sich für Yacht-Sharing an?
Marko Zacherl: Wir von der Nautic Alliance haben den Vorteil, dass unter unserem Dach Experten aus den Bereichen Yachtcharter, Agenturen und Yachthandel zu Hause sind. Wir betreiben im gesamten Mittelmeerraum Charterbasen mit über 350 Yachten sowie Servicebetriebe für die Betreuung von Privatyachten.
Hier kommen auch die Schiffe aus dem Yacht-Sharing-Programm zum Einsatz – insbesondere in Kroatien, Mallorca und Griechenland. In Zukunft soll es auch Möglichkeiten geben, Nutzungswochen mit anderen Eignern in unterschiedlichen Revieren zu tauschen. Aufgrund von rechtlichen Vorgaben befinden wir uns hier aber noch in Prüfung.

Bei uns kommen aktuell bei Einrumpfyachten bevorzugt Modelle von Bavaria oder Dufour zum Einsatz, bei Katamaranen Nautitech und Fountaine Pajot. Im Prinzip sind wir da aber flexibel und können ein Programm auch mit anderen Marken realisieren, sofern dies ein Eignerkreis wünscht. Anders als bei einem klassischen Charter-Investment handelt es sich hier aber ausschließlich um Yachten in der Eignerversion mit hochwertiger Ausstattung – ein wichtiger Faktor auch für den langfristigen Werterhalt und für den Wiederverkauf, da gebrauchte Schiffe überwiegend an Privatpersonen weiterverkauft werden.

5. Für wen ist Yacht-Sharing besonders interessant?
Marko Zacherl: Vor allem für Segler, die wenig Zeit haben oder sich nicht selbst um Wartung und Organisation kümmern möchten. Ebenso für diejenigen, die die hohen Kosten eines Alleinbesitzes scheuen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Modell senkt die Einstiegshürde erheblich und ermöglicht vielen Seglern Zugang zu größeren oder besser ausgestatteten Yachten, als sie sie alleine finanzieren würden. Ganz nebenbei lässt sich ein solches Modell oft auch leichter im Familienumfeld vermitteln. Da weniger Kapital und Zeit gebunden sind, bleibt mehr Spielraum für andere Urlaubsformen neben dem Segeln.

6. Warum gewinnt Yacht-Sharing gerade jetzt an Bedeutung?
Marko Zacherl: Yachten sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden, oft um bis zu 40 Prozent. Zu der hohen Anfangsinvestition kommen die laufenden Kosten – jährlich fallen rund zehn Prozent des Schiffswertes an. Bei einer 14-Meter-Yacht können so schnell 35.000 Euro und mehr pro Jahr zusammenkommen.
Gleichzeitig hat sich das Nutzungsverhalten verändert. Viele Menschen wollen flexibel bleiben und ihr Kapital nicht langfristig binden. Dazu kommt der Wunsch, die Urlaubszeit nicht mit organisatorischen Aufgaben verbringen zu müssen – insbesondere bei hoher beruflicher Belastung. Zumal viele Eigner den Aufwand für Themen wie Winterlager, Wartung, Versicherungen, Genehmigungen und Reparaturen unterschätzen.
Hinzu kommen gesellschaftliche Trends: Modelle wie „teilen statt besitzen“ oder eine effizientere Nutzung von Ressourcen spielen dem Yacht-Sharing zusätzlich in die Karten.

7. Welche Vorteile bietet Yacht-Sharing dem Eigner?
Marko Zacherl: Der größte Vorteil ist die Kombination aus Kostenteilung und professionellem Management. Der Anbieter übernimmt Organisation, Wartung und alle administrativen Aufgaben. Dadurch bleibt die Yacht in einem besseren Zustand, da Pflege und Werterhalt systematisch organisiert werden. Auch wirtschaftlich entstehen Vorteile – etwa durch günstigere Einkaufskonditionen bei Versicherungen oder Ersatzteilen innerhalb eines größeren Netzwerks wie der Nautic Alliance mit mehr als 350 Yachten.

8. Wie wird die Nutzung unter den Eignern organisiert?
Marko Zacherl: Die Nutzung erfolgt über ein festes, rotierendes System. Die Eigner erhalten gleichwertige Zeitfenster, meist in zwei- bis dreiwöchigen Blöcken, die sich über die Saison verschieben. Ein zentral verwalteter Kalender sorgt dabei für Planungssicherheit. Tauschwünsche oder freigegebene Zeiträume lassen sich über uns als Anbieter so organisieren, dass sich die Eigner untereinander nicht abstimmen müssen.
Zudem stellen wir sicher, dass beim Check-out verursachte Schäden eindeutig dokumentiert werden. Der Selbstbehalt wird klar dem Verursacher zugeordnet – ohne Konflikte zwischen den Eignern. Auch bieten wir zum Beispiel die Möglichkeit, persönliche Gegenstände vor Ort einzulagern und zu Beginn der eigenen Nutzungszeit wieder an Bord zu bringen.

9. Wie funktioniert der Einstieg – und wie flexibel ist ein Ausstieg möglich?
Marko Zacherl: Der Einstieg ist vergleichsweise einfach: Nach Vertragsabschluss steht die Yacht direkt zur Nutzung bereit. Wartung und Betrieb laufen im Hintergrund – so einfach, günstig und komfortabel lässt sich eigener Yachtbesitz kaum anders organisieren.
Auch der Ausstieg ist klar geregelt: Anteile können jederzeit verkauft werden, zunächst mit Vorkaufsrecht für bestehende Miteigner. Alternativ erfolgt der Verkauf unterstützend durch uns oder am freien Markt – begleitet durch ein Gutachten zur realistischen Preisermittlung.

10. Wo liegen die Grenzen und wo die Zukunft des Yacht-Sharing-Modells?
Marko Zacherl: Yacht-Sharing setzt ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft voraus. Wer ausreichend Zeit und Budget hat und seine Yacht ausschließlich selbst nutzen möchte oder großen Wert auf maximale Spontanität legt, wird sich mit dem Modell eher schwertun. Selbstverständlich bieten wir auch für Privateigner, die ihre Yacht unabhängig vom Sharing-Modell betreiben, einen ganzjährigen professionellen Service an unseren Basen durch unser Fachpersonal.
Für viele ist Yacht-Sharing jedoch ein logischer Schritt weg vom klassischen Besitzdenken. Angesichts der Einsparungen bei Investition und Betrieb gehen wir davon aus, dass Yacht-Sharing-Modelle künftig bis zu 20 Prozent des Neubootmarktes ausmachen könnten. Wichtig war für uns dabei auch die konsequente Erweiterung unseres Produktportfolios, da wir im Yacht-Sharing ein klares Zukunftspotenzial sehen und dieses als sinnvolle Ergänzung zum klassischen Privatyachtverkauf sowie zum etablierten Yachtinvestment im Charterbereich verstehen.
Herr Zacherl, wir danken für das Gespräch.

Fazit: Yachten teilen statt besitzen?
Yacht-Sharing ist kein Ersatz für den klassischen Eigner – aber eine ernstzunehmende Alternative für viele Fahrtensegler. Besonders für diejenigen, die ihre Zeit auf dem Wasser maximieren wollen, ohne sich dauerhaft an Kosten und Organisation zu binden. Oder anders gesagt: Wer segeln will, braucht nicht zwingend eine eigene Yacht – sondern vor allem Zugang zu einer gut betreuten.























