Ausprobiert: Garmin OnBoard System (Mensch-über-Bord)

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Sönke hat 100.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von BLAUWASSER.DE und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

Kabelloses Mann-über-Bord-System mit Motorabschaltung

Das Garmin OnBoard System ist ein kabelloses Mann-über-Bord-System mit Motorabschaltung. Es besteht aus einem zentralen Hub und tragbaren MOB-Sendern. Es können bis zu acht MOB-Sender gleichzeitig eingebunden werden.

Erkennt das System, dass ein gekoppelter Sender über Bord gegangen ist, beziehungsweise die Verbindung verliert, kann es einen MOB-Alarm auslösen und einen Wegpunkt auf einem kompatiblen Garmin-Kartenplotter setzen.

Die Sender lassen sich über Rollen als Kapitän oder Mitsegler definieren. Beim Kapitän-Sender kann, wenn gewünscht, eine automatische Motorabschaltung konfiguriert werden; bei Mitsegler-Sendern wird ein Alarm ausgelöst, aber der Motor nicht abgeschaltet.

Hinweis: Ich fand das Konzept spannend und wollte wissen, wie gut es sich im ganz normalen Bordalltag tatsächlich bewährt. Also habe ich mir ein Testsystem besorgt und es während einer achtwöchigen Segeltour durch Schweden ausgiebig ausprobiert. Dabei waren unterschiedliche Mitsegler an Bord, sodass sich auch gut beobachten ließ, wie unkompliziert das System von wechselnden Crewmitgliedern angenommen und genutzt wird. Das Ergebnis unseres ausführlichen Praxistests fällt positiv aus – so viel sei vorweg verraten.

Der Lieferumfang des Garmin OnBoard Systems ©Sönke Roever

Lieferumfang des Garmin OnBoard Systems

Zum Lieferumfang des Garmin OnBoard Systems gehören:

  • GOS 10 Hub
  • MOB-Sender mit 20-mm-Schnellwechselarmband
  • Karabiner für den MOB-Sender
  • schwimmfähiger Schlüsselanhänger
  • externe Antenne
  • 12-Pin-Kabelbaum
  • NMEA-2000-T-Stück
  • 2-Meter-NMEA-2000-Backbone-Kabel
  • Installationsmaterial
  • Anleitung

Separat erhältlich sind unter anderem der einzelne GOS 10 Hub und einzelne MOB-Sender in Weiß oder Schwarz. Ein einzelner MOB-Sender wird mit Schnellwechselarmband, Karabiner, schwimmfähigem Schlüsselanhänger und Dokumentation geliefert.

Technische Daten des Garmin OnBoard Systems

GOS 10 Hub

  • Abmessungen: 155 × 92 × 60 Millimeter
  • Gewicht: 171 Gramm
  • Wasserdichtigkeit: IPX7
  • Temperaturbereich: -15 bis +55 Grad Celsius
  • Eingangsspannung: 10 bis 35 Volt Gleichspannung
  • Maximale Leistungsaufnahme: 1 Watt
  • Typische Stromaufnahme: 50 Milliampere bei 12 Volt, 25 Milliampere bei 24 Volt
  • Sicherung: 1 Ampere, 125 Volt, flink, leitungsintern
  • Funk: Bluetooth, 2,4 GigaHertz
  • Sicherheitsabstand zum Kompass: 20 Zentimeter
  • Optionale externe Antenne: Monopol, 0,96 dBi, 50 Ohm
Das GOS 10 Hub von Garmin ©Sönke Roever

MOB-Sender

  • Abmessungen: 44 × 39 × 12 Millimeter
  • Gewicht: 21,5 Gramm
  • Wasserdichtigkeit: IPX8 / 5 ATM
  • Temperaturbereich: -15 bis +55 Grad Celsius
  • Batterie: CR2032-Knopfzelle, 3 Volt
  • Funk: Bluetooth, 2,4 GigaHertz
  • Batterielaufzeit laut Datenblatt: bis zu 1.200 Stunden

Funktionsweise des Garmin OnBoard Systems

Der MOB-Sender wird von einer Person an Bord getragen, idealerweise an einer Stelle, die beim Überbordgehen sicher unter Wasser gerät, etwa am Handgelenk, am Gürtel oder im unteren Bereich der Rettungsweste – andernfalls kann es passieren, dass das System nicht verlässlich auslöst.

Bis zu acht MOB-Tags können mit dem Hub gekoppelt werden. ©Sönke Roever

Das Garmin Onbaord System unterscheidet zwischen zwei Rollen: Kapitän und Mitsegler. Geht ein Mitsegler über Bord, erzeugt das System einen Alarm und setzt einen MOB-Wegpunkt auf dem Kartenplotter. Geht der Kapitän über Bord, wird zusätzlich der Motor abgeschaltet – sofern dies so konfiguriert wurde, da es sich um ein wählbares Feature handelt.

Die Sender können ein- und ausgeschaltet sowie scharf beziehungsweise unscharf geschaltet und manuell für eine MOB-Prozedur genutzt werden. Am Sender gibt es eine MOB-Taste; bei einem Kapitän-Sender kann ein längerer Tastendruck auch eine MOB-Funktion mit Motorabschaltung auslösen. Der aktuelle Status und der Ladezustand der Batterie werden über LEDs angezeigt.

Über LEDs wird der Status des MOB-Tags angezeigt. ©Sönke Roever

Die Verwaltung der Tags erfolgt über kompatible Garmin-Kartenplotter. Dort lassen sich Sender koppeln, Rollen ändern, Namen vergeben, Sender entfernen und Statusinformationen wie Batteriestand, Signalstärke und Schutzstatus anzeigen. Wir haben für den Test einen Plotter von Garmin der Serie 723 benutzt. Da hat das einwandfrei funktioniert.

Installation des Garmin OnBoard Systems

Installation des GOS 10 HUBs

Der GOS 10 Hub wird an Stromversorgung, NMEA-2000-Netzwerk und – für die Motorabschaltung – an die passenden Motorleitungen angeschlossen. Wichtig ist zudem ein gut belüfteter Montageort ohne extreme Temperaturen.

Grundsätzlich sollte der Hub so positioniert werden, dass eine zuverlässige Funkverbindung zu den MOB-Sendern gewährleistet ist. Ist dies am vorgesehenen Montageort nicht möglich, kann die mitgelieferte externe Antenne an einer günstigeren Position montiert werden, um die Funkverbindung zu verbessern. Gut geeignet sind bei Segelyachten Orte im Bereich des Niedergangs oder des Cockpits.

Für den Test haben wir das Hub fliegend beim Niedergang installiert. ©Sönke Roever

Außerdem muss der Hub leicht zugänglich bleiben. So kann das System bei einer Fehlfunktion oder nach einer unerwünschten Motorabschaltung direkt am Hub physisch überbrückt und die Stromversorgung des Motors wiederhergestellt werden.

Der Montageort sollte vor direkter und starker Wassereinwirkung geschützt sein. Garmin empfiehlt zudem eine möglichst vertikale Montage an einer Schottwand, wobei die angeschlossenen Kabel nach unten weisen. Dadurch wird das Risiko reduziert, dass Wasser über die Anschlüsse in das Gerät eindringt.

Installation der Motorabschaltung

Das Garmin OnBoard System setzt für die automatische Motorabschaltung einen elektrischen Stoppschalter voraus. Bei älteren Motoren, die ausschließlich über einen mechanischen Stoppzug abgestellt werden, lässt sich diese Funktion folglich nicht nutzen. Moderne Motoren mit elektrischer Motorabschaltung können hingegen in das System eingebunden werden.

Moderne Motoren, wie dieser Volvo Penta D2-50F Einbaumotor, können mit dem System abgeschaltet werden. ©Sönke Roever

Für die Kommunikation des Garmin OnBoard Systems mit dem Motor ist entscheidend, wie die elektrische Motorabschaltung arbeitet. Garmin unterscheidet dabei zwei Varianten. Bei der ersten und häufigsten Variante ist der Stromkreis des Schalters im normalen Betrieb geöffnet. Zum Abstellen des Motors wird der Stromkreis geschlossen. Dieses Prinzip gibt es vor allem bei Außenbordmotoren. Bei der zweiten Variante verhält es sich genau umgekehrt: Der Stromkreis ist während des normalen Motorbetriebs geschlossen und wird zum Abstellen des Motors unterbrochen. Diese Ausführung kommt häufiger bei Einbaumotoren zum Einsatz.

Das Garmin OnBoard System unterstützt beide Varianten. Bei der Installation muss lediglich darauf geachtet werden, die jeweils dafür vorgesehenen Leitungen des Kabelbaums des GOS 10 Hubs mit dem vorhandenen Notausschaltkreis des Motors zu verbinden. Dadurch kann der Hub im MOB-Fall elektrisch genau das gleiche Signal erzeugen, das ansonsten durch das Betätigen des herkömmlichen Notausschalters (Außenborder) oder Stopp-Schalters (Einbaumotor) ausgelöst wird.

Außenborder und Einbaumotoren können gleichermaßen in das System eingebunden werden. ©Sönke Roever

Garmin ermöglicht die Anbindung von bis zu vier Motoren. Dafür stehen vier voneinander unabhängige Relaiskontakte zur Verfügung, die je nach vorhandener Motorinstallation beim Auslösen des Systems einen Stromkreis öffnen oder schließen können. Damit eignet sich das OnBoard System nicht nur für Einrumpfyachten, sondern beispielsweise auch für Katamarane mit zwei Maschinen.

Als zusätzliche Sicherheit liefert Garmin eine mechanische Notfallumgehung für die Motorabschaltung mit dem GOS 10 Hub aus. Es handelt sich um ein kleines Umgehungsmodul (Dongle). Sollte sich die Motorabschaltung beispielsweise aufgrund einer Störung nicht über den Kartenplotter aufheben lassen, wird der Kabelbaum vom GOS 10 Hub abgezogen und stattdessen der Dongle auf den Kabelbaumanschluss gesteckt und mit einem Sicherungsring fixiert. Damit wird das Garmin OnBoard System vollständig umgangen und die ursprüngliche Funktion der Motorsteuerung wiederhergestellt – der Motor lässt sich also unabhängig vom MOB-System wieder betreiben. Für den normalen Betrieb wird der Dongle einfach wieder entfernt und der Kabelbaum erneut mit dem GOS 10 Hub verbunden.

Der Kabelbaum mit Dongle (links im Bild) und Alarmsummer (oben im Bild) ©Sönke Roever

Installation des Alarmsummers

Der zum System gehörende Alarmsummer sollte so platziert werden, dass er während der Fahrt deutlich zu hören ist. Zum Lieferumfang gehört ein vier Meter langes Anschlusskabel. Reicht diese Länge nicht aus, um den gewünschten Installationsort zu erreichen, darf die Leitung verlängert werden. Dazu kann das vorhandene Kabel durchtrennt und mit einer Leitung vom Typ 22 AWG (0,34 Quadratmillimeter) verlängert werden. Für die Verbindungen sollten wasserdichte Quetschverbinder verwendet werden.

Installation der Antenne

Für eine zuverlässige Funkverbindung sollte die externe Antenne möglichst zentral an Bord positioniert werden. Bei einer Segelyacht bietet sich beispielsweise eine Montage im Bereich des Niedergangs unter der Sprayhood an. Von dort lassen sich in der Regel sowohl das Vorschiff als auch das Cockpit und der Bereich unter Deck abdecken. Das ist insbesondere beim Gang zur Toilette oder bei anderen kurzen Wegen unter Deck praktisch, da der MOB-Sender dann nicht jedes Mal vorher unscharf geschaltet werden muss.

Die externe Antenne ©Sönke Roever

Die Konfiguration des Garmin OnBoard Systems

Die eigentliche Konfiguration des Garmin OnBoard Systems erfolgt über einen kompatiblen Garmin Kartenplotter. Unter dem Menüpunkt „Kommunikation“ lassen sich die einzelnen Sender verwalten, umbenennen und bestimmten Personen an Bord zuordnen.

Das Garmin OnBoard System unterscheidet zwischen Kapitän- und Mitsegler-Sendern. Insgesamt lassen sich bis zu acht MOB-Sender mit dem System verbinden, wobei mindestens einer als Kapitän konfiguriert sein muss. Weitere Sender können separat erworben und wahlweise einer der beiden Rollen zugewiesen werden.

Auf dem Plotter werden die Sender konfiguriert. ©BLAUWASSER.DE/Garmin

Die jeweilige Rolle bestimmt, wie das System reagiert, wenn ein Sender außer Reichweite gerät. Beim Kapitän wird nach einer entsprechenden Warnung automatisch die Motorabschaltung ausgelöst. Bei einem Mitsegler erfolgt hingegen lediglich ein MOB-Alarm, während die Motoren weiterlaufen und das Boot für das Rettungsmanöver manövrierfähig bleibt.

Praktisch ist außerdem die Möglichkeit, die Sender nach den Namen der jeweiligen Crewmitglieder zu benennen. So ist auf dem Kartenplotter unmittelbar erkennbar, welcher Sender beziehungsweise welche Person einen Alarm ausgelöst hat.

Neue Sender können unkompliziert hinzugefügt werden. ©Sönke Roever

Weitere MOB-Sender lassen sich ebenfalls über den Kartenplotter mit dem GOS 10 Hub koppeln. Dazu wird im MOB-Sender-Menü „Neue Verbindung“ gewählt. Alternativ lässt sich der Kopplungsmodus direkt am GOS 10 Hub starten, indem dessen Taste dreimal kurz hintereinander gedrückt wird. Die Statusanzeige beginnt daraufhin blau zu blinken. Anschließend wird auch die Taste am neuen MOB-Sender dreimal kurz gedrückt. Sobald die Kopplung erfolgreich abgeschlossen ist, blinkt die Statusleuchte des Senders grün und auf dem Kartenplotter erscheint eine entsprechende Bestätigung.

Zum Lieferumfang des MOB-Senders gehören eine Karabinerschlaufe, ein Armband und ein schwimmfähiger Schlüsselanhänger. Damit lässt sich der Sender je nach persönlicher Vorliebe an der Kleidung befestigen oder am Handgelenk tragen. Der schwimmfähige Schlüsselanhänger kann zusätzlich mit dem Karabiner oder dem Armband verbunden werden und verhindert, dass der MOB-Sender untergeht, sollte er versehentlich ins Wasser fallen.

Der MOB-Tag kann auch wie eine Armbanduhr getragen werden. ©Sönke Roever

Die Systemzustände der MOB-Tags

Der MOB-Tag hat zwei verschiedene LED-Anzeigen: eine LED in Form eines Schutzschildes für den Verbindungs-/Schutzstatus und eine LED in Form eines Batteriesymbols für den Batteriestatus. Die Anzeige wird durch kurzes Drücken und Loslassen der Einschalttaste abgerufen.

Zustände der Schutzschild-LED (Verbindungsstatus)

  • Grün: Mit dem OnBoard System verbunden und geschützt/aktiv
  • Gelb: Verbunden, aber nicht geschützt
  • Rot: Nicht mit dem OnBoard System verbunden
  • Weißes Blinken: Folgt auf die Statusfarbe und zeigt an, dass der Sender als Kapitän zugewiesen ist

Zustände der Batterie-LED (Batteriestatus)

  • Grün: Batterie voll oder weitgehend voll
  • Gelb: Batterie wird schwach und sollte bald gewechselt werden
  • Rot: Batteriestand kritisch – Batterie umgehend wechseln

Zusätzlich gibt es LED-Signale beim Ein- und Ausschalten: Beim Einschalten blinken Schild- und Batteriesymbol zweimal grün; beim Ausschalten zweimal rot.

Das Garmin OnBoard System in der Praxis

Verliert ein geschützter MOB-Sender die Verbindung zum GOS 10 Hub, weil sich der Träger zu weit vom Boot entfernt, beispielsweise weil er über Bord gefallen ist, wertet Garmin dies automatisch als MOB-Ereignis. Was anschließend passiert, hängt davon ab, ob der Sender dem Kapitän oder einem Mitsegler zugeordnet ist. Wir haben das mehrfach getestet und den MOB-Sender dafür an einem Fender über Bord gelassen. Der Alarm wurde jedes Mal innerhalb weniger Sekunden ausgelöst.

Für den Test haben wir die verschiedenen Sender immer mal wieder an einem Fender über Bord fallen lassen. ©Sönke Roever

Bei einem Kapitän-Sender läuft der Vorgang folgendermaßen ab: Zunächst erscheint auf allen verbundenen Kartenplottern eine Meldung, dass die Verbindung zum Sender verloren gegangen ist. Gleichzeitig ertönt der am GOS 10 Hub angeschlossene Alarmsummer. Anschließend startet auf den Kartenplottern ein Countdown von drei Sekunden. Während dieser Zeit kann der Alarm noch abgebrochen werden, falls er versehentlich ausgelöst wurde. Wird der Countdown nicht abgebrochen, unterbricht das System nach drei Sekunden die Stromversorgung des Motors beziehungsweise der Motoren, um das Boot anzuhalten. Parallel setzt der Kartenplotter an der Position, an der die Verbindung zum MOB-Sender verloren ging, automatisch einen MOB-Wegpunkt und zeigt die Meldung „Motorabschaltung initiiert“ an.

An der MOB-Position wird automatisch ein Wegpunkt gesetzt (Flaggensymbol). ©BLAUWASSER.DE/Garmin

Hinweis: Sind mehrere Kapitän-Sender angemeldet, erfolgt die Motorabschaltung allerdings erst, wenn alle Kapitän-Sender die Verbindung verloren haben.

Bei einem Mitsegler-Sender ist der Ablauf ähnlich, mit einem entscheidenden Unterschied: Nach dem Verbindungsverlust ertönen ebenfalls Alarm und Warnmeldung, anschließend läuft jedoch ein längerer, 15-sekündiger Countdown. Wird dieser nicht abgebrochen, setzt das System einen MOB-Wegpunkt. Der Motor wird dabei nicht abgeschaltet.

In diesem Beispiel wird in 2 Sekunden der MOB-Alarm ausgelöst. ©BLAUWASSER.DE/Garmin

Danach fordert der Kartenplotter in beiden Fällen dazu auf, die Navigation zum MOB-Wegpunkt zu starten. Ist ein kompatibler Autopilot in das Netzwerk eingebunden, kann direkt im Plotter eine Route zum MOB-Wegpunkt aktiviert werden.

Dieser kompatible Garmin-Autopilot wurde aktiviert und steuert zur MOB-Position. ©Sönke Roever

Zusätzlich zeigt Garmin den Mayday-Text für einen UKW-Seefunk-Notruf an. Dabei wird auch die Position des MOB-Wegpunkts auf der Karte dargestellt. Einen Notruf setzt Garmin OnBoard allerdings nicht automatisch ab – dieser muss von der Crew selbst über Funk oder auf anderem Wege erfolgen.

Die Funkvorlage kann auf dem Bildschirm des Plotters abgerufen werden. ©BLAUWASSER.DE/Garmin

Kam es zu einer Motorabschaltung, ist interessant, was die automatische Motorabschaltung in der Praxis tatsächlich bewirkt. Wir haben das mit einer Fahrtenyacht bei Flaute ausprobiert. Zum Zeitpunkt der Auslösung fuhr das Boot unter Motor mit etwa fünf Knoten Fahrt. Nach der automatischen Abschaltung des Motors dauerte es ungefähr zwei Minuten, bis die Geschwindigkeit auf rund einen halben Knoten gesunken war. Nach etwa drei Minuten war die Yacht nahezu vollständig zum Stillstand gekommen.

In dieser Zeit legte das Boot noch etwa 180 bis 200 Meter zurück – also ungefähr eine Kabellänge beziehungsweise rund 0,1 Seemeilen. Für einen normalen Schwimmer ist diese Entfernung grundsätzlich zu bewältigen. Zur Einordnung: 200 Meter entsprechen acht Bahnen in einem 25-Meter-Schwimmbecken.

Eine Einschränkung bleibt allerdings: Unter Segeln hilft die reine Motorabschaltung naturgemäß nicht weiter. Wünschenswert wäre deshalb eine zusätzliche Funktion, bei der das OnBoard System mit einem kompatiblen elektrischen Autopiloten zusammenarbeitet und die Yacht nach einem MOB-Alarm automatisch in ein geeignetes Manöver zwingt, beispielsweise zum Beidrehen. Damit könnte das System auch auf einer unter Segeln fahrenden Yacht einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bieten. Diesen Verbesserungsvorschlag haben wir bereits mit Garmin diskutiert. Die Umsetzung ist jedoch schwierig, da beim Segeln zu viele Faktoren eine Rolle spielen. Unter Groß und Fock ist dieser Ansatz nachvollziehbar – unter Spinnaker hingegen gar nicht.

Fazit: Cooles System für mehr Sicherheit an Bord. ©Sönke Roever

Fazit zum Garmin OnBoard System

Das Garmin OnBoard System macht insgesamt einen äußerst durchdachten Eindruck. Gerade bei wechselnden Mitseglern oder einer größeren Crew ist es eine unkomplizierte und vergleichsweise bezahlbare Lösung im Vergleich zu AIS-MOB-Sendern oder Personal Locator Beacons (PLBs). Selbige möchte ich damit keinesfalls in Abrede stellen – insbesondere beim Offshore-Segeln haben sie zweifellos ihre Berechtigung. Für viele Crews, die überwiegend küstennah unterwegs sind, kann jedoch auch eine einfachere Lösung vollkommen ausreichend sein. Und genau hier spielt das Garmin-System seine Stärken aus.

Ein wesentlicher Pluspunkt ist dabei die automatische Motorabschaltung. Für Motorbootfahrer ist diese Funktion naturgemäß besonders relevant, sie kann aber ebenso auf einer Segelyacht einen wichtigen Sicherheitsgewinn darstellen.

Sehr smart ist zudem die konsequente Integration in die Garmin-Welt. Über NMEA 2000 und die Verbindung zum Kartenplotter stehen zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten zur Verfügung. Im MOB-Fall wird die Position automatisch erfasst und unmittelbar auf der Seekarte dargestellt. Hinzu kommen die mögliche Einbindung des Autopiloten sowie eine vorbereitete Vorlage für den Seenotfunkverkehr. Auch an praktische Details wurde gedacht, beispielsweise daran, einen einzelnen Sender vorübergehend unscharf zu schalten, ohne ihn aus dem System entfernen zu müssen.

Unterm Strich wurde hier an erstaunlich viele Details gedacht. Das System bleibt dabei überschaubar, einfach zu bedienen und lässt sich flexibel an unterschiedliche Crewkonstellationen anpassen.

Weitere Infos zum Produkt gibt es auf der Webseite von Garmin.

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Garmin ist weltweit führend in der Marineelektronik und bietet hochmoderne Lösungen für Navigation, Audio und Bootstechnologie.

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3 Kommentare
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Klaus Schulze
Klaus Schulze
15 Tagen her

Ein ähnliches System gibt es auch günstig von olas marine.
Habe ich auf meinem Boot im Einsatz.
Schaltet Motor und Autopilot aus und Alarmsirene ein.
Bei Amwind Kursen dreht das Boot dann durch den Wind und bleibt recht zuverlässig stehen.
Ist sicher nicht optimal aber besser als nix.
Mit etwas Glück kommt man dann zurück aufs Boot.
Idee: bei MOB könnte der AP doch hart Ruder legen. Würde auch vor dem Wind das Boot stoppen?

Gerhard Witten
Gerhard Witten
9 Tagen her

Hallo Sönke,
was hältst Du von dem (angeblich) wasserdichten GPS-Spot-Tracker? Ich denke an eine sehr günstige Lösung für das Einhand segeln mit meiner Etap 22. Den SOS-Knopf muss man natürlich aktiv drücken.