Praxis-Tipp: Umrechnung Windstärke, Windgeschwindigkeit – so einfach geht das!

Von Sönke Roever

Sönke hat 80.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von BLAUWASSER.DE und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

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Die Wetterquelle gibt die Einheit vor

Früher gab es da so eine Art ungeschriebenes Gesetz. Wer ein echter Blauwassersegler ist, der redet bei Windgeschwindigkeiten in der Einheit Knoten. Und alle jene Segler, die viel in Dänemark unterwegs sind, reden von Metern pro Sekunde. Je nachdem, was in der jeweiligen Szene so an Wetterinformationen verbreitet wurde. Sei es im Radio oder per Funk.

Das Gros der deutschen Segler ist allerdings mit Windstärken nach der Beaufort-Skala aufgewachsen, die seit Jahrzehnten vom Deutschen Wetterdienst verbreitet wird – „Deutsche Bucht Oooooooooooooooooost 4 -5“ knisterte es in meiner Kindheit aus dem Grenzwellenempfänger auf dem elterlichen Schiff, als der Wetterbericht noch zu festen Zeiten ausgesendet wurde. Das war früher …

Heute gelten Knoten als Standardeinheit

In Zeiten von Apps und Gribfiles, die die Windgeschwindigkeit in der Standard-Einstellung in Knoten angeben, haben viele Segler angefangen, mit den Knoten „klar zu kommen“, und zu Beginn irgendwo im Hinterkopf heimlich in Beaufort umgerechnet – gleichwohl das in der App/den meisten Programmen umgestellt werden kann.

Viele Apps (hier Squid) geben die Windgeschwindigkeit in Knoten an (unten links).

Zumindest am Anfang rechnen Segler von der Windgeschwindigkeit in Knoten nach Windstärken in Beaufort um. Irgendwann ist das Knoten-Schema schließlich in den Kopf übergangen. Und spätestens dann, wenn man mit einem 30-Fuß-Schiff mal 30 Knoten Wind erlebt hat, weiß man, dass weniger Wind besser – oder sagen wir mal angenehmer – zum Segeln ist; auch wenn die ganz Hartgesottenen unter uns das eventuell anders sehen 🙂 Solche Werte wie die 30-Knoten-Schwelle brennen sich dann im Gehirn ein.

Mit dieser Formel ist die Umrechnung simpel

Vordergründig fällt es etlichen Seglern schwer, zwischen den verschiedenen Skalen umzurechnen, weil das eben nicht linear verläuft. 8 Knoten Windgeschwindigkeit sind beispielsweise 3 Beaufort. 26 Knoten Windgeschwindigkeit hingegen 6 Beaufort. Im ersten Fall ist der Teiler 2,7 – im letzteren 4,3. Heißt das nun im Umkehrschluss, dass wir die Umrechnung auswendig lernen sollten? Nein, das müssen wir ganz sicher nicht. Es gibt eine wunderbare Formel, die relativ gut bei der Umrechnung funktioniert. Sie lautet: Die Windstärke in Beaufort ist Windgeschwindigkeit in Knoten plus fünf geteilt durch fünf. In der Kurzform kann man sich auch einfach das hier merken:

Plus fünf, durch fünf!

Bei 15 Knoten Windgeschwindigkeit hätten wir demnach: 15 + 5 = 20 : 5 = 4 Beaufort. Oder bei den angesprochenen 26 Knoten Windgeschwindigkeit: 26 + 5 = 31 : 5 = 6,2 Beaufort.

Tipp: Bei „krummen“ Zahlen wie der gerade erwähnten „31“ kann das Teilen durch 5 etwas nerven. Dann fällt es einigen Menschen leichter, stattdessen den Ausgangswert zu verdoppeln und ihn anschließend durch 10 zu teilen. Also 2 x 31 = 62 : 10 = 6,2 🙂

Für gewöhnlich muss man da aber gar nicht mit Nachkommastellen rechnen (wir wollen ja eine einfache Formel haben). Vielmehr reicht es auf- oder abzurunden. Der Wind ist ja ein dynamischer Prozess und in erster Linie will ich ja wissen, ob es beispielsweise 5 oder 7 Beaufort sind. Bei den angesprochenen „26 Knoten“ kann ich daher auch getrost auf 25 Knoten abrunden und damit rechnen. Und dann gilt eben: 25 Knoten Windgeschwindigkeit + 5 = 30 : 5 = 6 Beaufort.

Wenn der Wind stimmt: entspanntes Segeln!

Wie bei so vielen Tricks im Leben ist diese Berechnung nicht hundertprozentig korrekt, aber doch ein erstaunlich guter Anhaltspunkt. Insbesondere für den Bereich 1 bis 7 Beaufort. Da beträgt die Abweichung unter 1 Beaufort (maximal 0,8).

In der folgenden Grafik kann ganz gut nachvollzogen werden, wie erstaunlich gut das funktioniert. Ich habe alle Werte, die auf- oder abgerundet dieselbe Windstärke ergeben, grün eingefärbt. Gelb ist eine Abweichung von 1 Beaufort. Orange zeigt eine Abweichung von 2 Beaufort und der rötliche Farbton eine Abweichung von drei Beaufort.

Nur der Form halber: Manche Segler kennen die Formel so ähnlich und rechnen stattdessen:

Durch fünf, plus eins

Das ist das gleiche. Die Formel wurde lediglich mathematisch umgeformt. Ergo: 25 Knoten Windgeschwindigkeit : 5 = 5 +1 = 6 Beaufort.

Wer es etwas genauer mag, kann alternativ die folgende Formel benutzen:

Plus zehn, durch sechs

Fairerweise muss ich anmerken, dass diese Formel noch genauer ist, aber ich finde sie beim Rechnen etwas sperrig – wegen der „6“. Die „5“ ist leichter zu rechnen. Nichtdestotrotz ist diese Varianten noch genauer, wie die folgende Tabelle zeigt.

Meter/Sekunde in Knoten umzurechnen, ist noch einfacher!

Wer in dieser Gedankenreihe nun auch noch Meter pro Sekunde umrechnen möchte, hat es noch einfacher.

Meter/Sekunde = Knoten durch zwei

Das ist simpel. Demnach sind 20 Knoten etwa 10 Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit. Das liegt daran, dass sich hier zwei Dinge mathematisch glücklich verketten. Zum einen müssen wir Meter in Seemeilen umrechnen. Da eine Seemeile aus 1.852 Metern besteht, ist der Teiler 1.852. Zum anderen gelten Knoten als Seemeilen pro Stunde und wir müssen die Stunde in die Sekunden runterbrechen. Da eine Minute 60 Sekunden und eine Stunde 60 Minuten hat, ist der Teiler 3.600 (60 x 60). Wir haben also 1.852 Meter pro 3.600 Sekunden und das ergibt eben 0,51444 … – also ungefähr die Hälfte.

Wer also die Angabe 10 Meter pro Sekunde hört, weiß dann schnell, dass das etwa 20 Knoten sind und das wiederum sind dann ja etwa 5 Beaufort (plus fünf durch fünf!). So einfach ist das – zumindest als schnelle Annäherung im Kopf!

Auch hier habe ich mal eine Tabelle nach dem gleichen Schema erstellt, die zeigt, dass mit dieser kleinen Ungenauigkeit gut an Bord gelebt werden kann. Die Abweichung beträgt aber auch nur 2,9 Prozent [ ((1.852/3.600)/(1/2)) – 1 ].

Fazit

Ich persönlich finde die Umrechnung von Knoten nach Beaufort oder von Knoten in Meter/Sekunde mit diesen Formeln recht simpel und hilfreich. Für den schnellen Praxisgebrauch sind sie völlig ausreichend. Insbesondere im Bereich 1 bis 7 Beaufort. So kann auch der knotenunversierte Segler schnell umrechnen. In diesem Sinne wünsche ich frohes Rechnen und vor allen Dingen immer den richtigen Wind!

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ManfredKarlJens Borner Recent comment authors
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Jens Borner
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Jens Borner

Hallo Sönke,
danke für die Rechenkunststückchen. Der Gedankenverlauf ist so genau beschrieben, dass es sich auf alle Fälle einprägt und das provisorische Umrechnen im Kopf gelingt.

Damit werden die Unterschiede zwischen den Dänemark- und Blauwasserseglern zumindest beim Schnack um Windgeschwindigkeiten kleiner.

Übrigens: Preise in Dänischen Kronen lassen sich in Euro mit dieser Faustformel im Kopf umrechnen:
Preis in Dkr durch zehn plus ein Drittel ergibt Euro
(Durch 10 + 30%)
Beispiel:
200 Kronen durch 10 = 20.
20/3= ca. 7
20+7 = ca. 26-27 €

Klappt beim recht stabilen Wechselkurs seit einigen Jahren.

Grüße
Jens

Karl
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Karl

Bei der Umrechnung finde ich es einfacher durch 7 zu teilen…

Manfred
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Manfred

Hallo Sönke.

Verblüffend einfach – danke für diesen Text.

Danke und herzliche Grüße von Bord der Rüm Hart

Manfred