Ein Beitrag von
Dr. Robert Möckel ist Ingenieur der Fachrichtung Schiffsmaschinenbau und im “zweiten Leben” Psychologe (M.Sc.). Nach einer Tätigkeit in einem Motoreninstandsetzungebetrieb hat er in diversen Lehrtätigkeiten Erfahrung in der Wissensvermittlung gesammelt und bietet Seminare zu technischen Themen auf Yachten an. Zusammen mit seiner Frau segelt er eine Dehler 35 SV, die in Flensburg beheimatet ist.
Der Saildrive – vom Exoten zum Standard
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Saildrive als Standard für Segelboote bis etwa 12 Meter Länge etabliert. Trotz verschiedener Vorteile haftet ihm der Ruf eines erhöhten Wartungsaufwands an, insbesondere wegen der Gummimembran, die den Antrieb zum Rumpf hin abdichtet. Im Folgenden werfen wir daher einen genaueren Blick auf die Besonderheiten dieses Antriebs.

Die Propellerwelle einer Yacht sollte idealerweise genau in Fahrtrichtung verlaufen, also horizontal. Die Kraft, die der Propeller in axialer Richtung entwickelt und die das Boot vorwärtsbewegen soll, wird dann am effektivsten genutzt, wenn sie genau in Fahrtrichtung des Bootes wirkt. Ist der Schraubenstrahl hingegen schräg nach unten gerichtet, so wird ein Teil der Kraft darauf verwendet, das Boot anzuheben, was keinen Nutzen darstellt (und in der Praxis bei einem Segelboot nicht bemerkbar sein dürfte). Bei einer nicht horizontalen Montage ist der Verlust an Vortrieb auch nicht dramatisch.

Leider gibt es noch einen zweiten Effekt: Durch die schräge Anströmung der Propellerebene verändert sich während eines Umlaufs die tatsächlich wirksame Steigung jedes Propellerblatts. Nur an zwei Punkten entspricht sie dem ursprünglichen Berechnungswert. Während der einen Hälfte der Umdrehung ist die effektive Steigung größer, während der anderen Hälfte entsprechend kleiner.
Es überrascht daher kaum, dass Schiffbauer seit jeher bemüht sind, die Propellerwelle so horizontal wie möglich zu halten. Optimal wäre es, wenn sich der Propeller eher hinter als unter dem Schiff platzieren lässt – etwas, das bei Rümpfen mit größerem Tiefgang leichter gelingt. Als Segler kennen wir das von Langkielern oder traditionellen Fischkuttern.

Der Schiffbauer sieht sich bei der Auslegung der Antriebsanlage aber bald in einem zweiten Zielkonflikt. Ein kleiner Propeller lässt sich leichter einbauen und ist zudem günstiger – doch ein hoher Wirkungsgrad erfordert nun einmal einen möglichst großen Durchmesser. Muss der Propeller aufgrund der Rumpfform oder anderer Vorgaben unter dem Schiff montiert werden, entsteht ein klassisches Dilemma: Der große Propeller verlangt nach einer stark geneigten Welle, und genau diese Neigung mindert wiederum den Wirkungsgrad.

Warum sich der Saildrive durchgesetzt hat
Für dieses Problem gibt es verschiedene Lösungsansätze. Eine Möglichkeit besteht darin, die Vortriebskraft auf mehrere Propeller zu verteilen – technisch aufwendig, teuer und zudem mit systembedingten Wirkungsgradverlusten verbunden. Ein deutlich eleganterer Weg ist die Trennung von Antrieb und Propellerwelle. Damit kann die Propellerwelle genau horizontal ausgerichtet werden, während Motor und Getriebe an günstiger Stelle im Schiff montiert bleiben.

Vor allem bei gleitfähigen Motorbooten nutzt man dieses Prinzip in Form des sogenannten Z-Antriebs. Hier ist der Motor relativ weit achtern im Schiff angeordnet, was der Raumausnutzung im Schiffsinneren zugutekommt. Der eigentliche Antrieb sitzt hinter dem Spiegel und enthält eine zweifache Umlenkung mittels spezieller Zahnräder und einer senkrecht angeordneten Antriebswelle. Die Propellerwelle selbst befindet sich dann schräg hinter dem Schiff. Die Freiheit bei der Wahl des Propellerdurchmessers ist durch den Tiefgang des Bootsrumpfs begrenzt. Da gleitfähige Motorboote oft hohe Antriebsleistungen benötigen, kommen hier zusätzlich Maßnahmen wie gegenläufige Doppelpropeller oder gleich mehrere Motoren zum Einsatz, um den Propellerdurchmesser im vernünftigen Rahmen zu halten.

Bei Segelbooten mit Flossenkiel sind die Verhältnisse deutlich günstiger. Der Tiefgang wird nicht vom Rumpf, sondern von der Kielflosse bestimmt, und unter Motor bewegen sich Segelboote ausschließlich in Verdrängerfahrt – die benötigten Antriebsleistungen sind also vergleichsweise gering. Nimmt man nun die vom Z-Antrieb bekannte doppelte Umlenkung in Kauf, so lässt sich mit dem Saildrive ein sehr großer Propeller an nahezu optimaler Stelle mit genau horizontaler Welle unter dem Rumpf positionieren, der dazu von der davorliegenden Kielflosse noch sehr geschützt wird. Für den Hilfsantrieb eines Segelbootes mit Verbrennungsmotor bietet der Saildrive damit die strömungstechnisch beste Lösung. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Motor und Saildrive auf einem gemeinsamen Fundament montiert.

Dass ist deutlich günstiger als die Montage und Ausrichtung einer konventionellen Wellenanlage, welche in der Werft viele teure Arbeitsstunden kostet, ohne einen Mehrwert für den Kunden zu bieten. Weiter sind die Antriebsgeräusche durch die Montage des Saildrives mittels Gummimembran gut gedämpft, Drehzahlbereiche mit starken Vibrationen bei dieser Antriebsart kein Thema.
Kritik am Saildrive: Bauchgefühl vs. Technik
Angesichts dieser Vorteile überrascht es kaum, dass sich der Saildrive in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt hat. Doch wie steht es um seine Nachteile?
Auf diese Frage gibt es sowohl sachliche als auch emotionale Antworten. Beginnen wir mit Letzterem: Ein Saildrive benötigt eine Öffnung von erheblicher Größe im Rumpf – und zwar deutlich unterhalb der Wasserlinie. Ohne Saildrive und Membran würde ein Boot durch diese Öffnung binnen Sekunden volllaufen und sinken.

Rumpföffnungen sind bei Seefahrern traditionell unbeliebt – und das nicht ohne Grund. Schon ein abgebrochenes Seeventil von zwei Zoll Durchmesser lässt so viel Wasser ins Schiff, dass eine Yacht innerhalb von Minuten sinken kann. Solche Seeventile bestehen meist aus Metall, was trotz möglicher Entzinkungsprobleme zumindest ein gewisses Vertrauen vermittelt. Dass moderne Kunststoffventile oft sogar sicherer sind, steht auf einem anderen Blatt – hier geht es um die emotionale Wahrnehmung.
Die Vorstellung, mit einem so großen „Loch im Rumpf“ zu fahren, das lediglich von einem „Stück Gummi“ dichtgehalten wird, löst bei vielen Seglern Unbehagen aus. Weiterhin wird der Saildrive als „zu teuer“ bezeichnet, weil der Wechsel der Membran ja bekanntlich alle sieben Jahre zu erfolgen hat – eine Arbeit, die schnell einen vierstelligen Betrag verschlingen kann.
Wie gefährlich ist die Membran wirklich?
In der Praxis werden Saildrivemembranen selten nach sieben Jahren gewechselt – oft nicht einmal nach 14 Jahren. Viele erreichen problemlos ihren 21. Geburtstag, und vereinzelt hört man sogar von Membranen, die seit über 30 Jahren im Einsatz sind. Doch eines sei ausdrücklich betont: Aus dem Umstand, dass eine Membran nach 20 oder 30 Jahren noch nicht versagt hat, kann keineswegs geschlossen werden, dass ein solches Überschreiten des Wartungsintervalls richtig oder auch nur vertretbar wäre.

Korrosion, Ölverlust und typische Schwachstellen
Umso bemerkenswerter ist, wie selten ernsthafte Schäden an Saildrivemembranen tatsächlich auftreten – obwohl die vom Hersteller empfohlenen Wechselintervalle in der Praxis häufig deutlich überschritten werden. Noch deutlicher formuliert: Dem Autor dieser Zeilen ist weltweit kein einziger Fall bekannt, bei dem eine Yacht aufgrund des plötzlichen Versagens der Gummimembran verloren gegangen wäre.
Natürlich ist eine Saildrivemembran nicht unzerstörbar. Bei einer Strandung auf einem Riff kann ein Saildrive ebenso aus dem Rumpf gerissen werden wie eine konventionelle Propellerwelle. In solchen Fällen ist jedoch nicht die Membran die Ursache des Untergangs, sondern das vorausgehende Schadensereignis.

In der Praxis bereitet jedoch häufiger der stählerne Ring Probleme, mit dem die Membran am Rumpf befestigt wird. Je nach Umgebungsbedingungen kann er unterschiedlich schnell rosten. Ignoriert man diesen Rost über Jahre oder gar Jahrzehnte, besteht die Gefahr, dass der Ring versagt – mit der Folge, dass Wasser ins Boot eindringt. Auch die Abdichtungen von konventionellen Wellenanlagen altern und können, wenn sie lange unbeaufsichtigt bleiben, ebenfalls zum Verlust des Schiffes führen.
Aus maschinenbaulicher Sicht weniger ideal ist zudem, dass sich im Unterteil des Saildrive ein ölgefülltes Getriebe befindet, dessen Wartung oder Reparatur nur möglich ist, wenn das Schiff an Land steht. Versagt die Abdichtung zum Seewasser, können Lager und Zahnräder im Unterteil schnell Schaden nehmen – ein Punkt, bei dem ein vollständig im Schiffsrumpf montiertes Getriebe konstruktive Vorteile hat.

Aber nicht nur die inneren Bauteile des Saildrive-Unterteils sind durch Seewasser gefährdet – auch das Gehäuse selbst. Es besteht in der Regel aus Aluminium und ist daher zwingend auf eine Opferanode angewiesen. Ebenso wichtig ist die Verwendung eines Antifoulings, das für Aluminium geeignet ist, um galvanische Schäden zu vermeiden. Zudem eignet sich ein Saildrive nur bedingt für flachbodige Boote, die regelmäßig trockenfallen, da das Unterteil dabei ungeschützt aufsetzen und beschädigt werden kann.

Aufbau und Komponenten des Saildrives
Ein Saildrive besteht aus einem Ober- und einem Unterteil, die durch die im Rumpf montierte Membran voneinander getrennt sind. Das Oberteil beherbergt die erste Umlenkung sowie die Kupplungen für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt. Im Unterteil befinden sich die senkrechte Antriebswelle, eine weitere Umlenkung mittels Zahnräder, die Lager sowie die Abdichtung zur Propellerseite hin.

Vom Bootsinneren aus sind das Oberteil und die Oberseite der Membran sichtbar, während von außen nur das Unterteil, nicht aber die Membran zu sehen ist. Von der Membran zu unterscheiden ist noch eine auf die Rumpfaußenhaut aufgeklebte Abdeckung, die gelegentlich mit der eigentlichen Membran verwechselt wird. Diese Abdeckung ist für die Dichtigkeit des Saildrives ohne Belang und dient nur der Vermeidung von Wasserwirbeln, also der Verringerung des Strömungswiderstandes.

Das Oberteil im Detail
Das Oberteil des Saildrive ist direkt mit dem Motor verschraubt. Die Eingangswelle steckt dabei über ihre Verzahnung in einer Dämpferscheibe im Schwungrad des Motors. Werden die Schrauben am Schwungradgehäuse gelöst, so lassen sich Motor und Saildrive voneinander trennen.
Im Oberteil des Saildrive sitzen – wie bei jedem anderen Bootsgetriebe – getrennte Kupplungen für die Vorwärts- und Rückwärtsfahrt. Damit unterscheidet sich ein Schiffsgetriebe grundsätzlich vom Automobil, wo eine einzige, fremdbetätigte Kupplung alle Gangstufen bedient. Je nach Hersteller und Modell kommen unterschiedliche Bauarten zum Einsatz: Klauen- und Kegelkupplungen ebenso wie hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Lamellenkupplungen. Diese Kupplungen gelten als robust und benötigen in der Regel keine besondere Wartung. Die Schaltmechanik sorgt zudem dafür, dass immer nur eine Kupplung gleichzeitig einrücken kann – im Leerlauf sind beide vollständig gelöst.

Das Unterteil im Detail
Das Unterteil, gerne auch als Saildrive-Arm oder -Bein bezeichnet, ragt ins Wasser und ist somit nur an Land (oder beim Tauchen) zu sehen. Üblicherweise ist auch die Ansaugung des Seewassers für die Kühlung des Motors in das Saildrive-Unterteil integriert. Am tiefsten Punkt des Saildrive befindet sich die Ablassschraube für das Getriebeöl.
Die Membran als sicherheitsrelevantes Bauteil
Zwischen Ober- und Unterteil des Saildrives sitzt die Membran – ein zentrales, sicherheitskritisches Bauteil. Sie wird über einen Klemmring mit ihrem äußeren Rand am Schiffsrumpf fixiert. Im Rumpf befindet sich dafür ein speziell geformter Sockel, in den die Schrauben des Klemmrings greifen und so für eine gleichmäßige, sichere Abdichtung sorgen.
Die Ausführung der Membran ist je nach Hersteller unterschiedlich. Yanmar setzt beispielsweise sogar auf eine doppelte Membran, wobei der Zwischenraum mit einem elektrischen Geber überwacht wird.
Wartung und Service
Die Grundlage für die regelmäßige Wartung bleibt – wie immer – die Herstellervorgabe. Als regelmäßige Arbeiten stehen üblicherweise ein Wechsel des Schmiermittels und in größeren Abständen die Erneuerung der Membran an.
Nicht als klassischer Wartungspunkt geführt, aber dennoch relevant, ist die Erneuerung der Radialwellendichtringe an der Propellerwelle, die je nach Einsatzbedingungen sehr unterschiedlich schnell verschleißen und dann erneuert werden müssen.

Ölwechsel leicht erklärt
Wie die meisten Getriebe ist auch ein Saildrive mit einem Schmieröl gefüllt – doch welches hineingehört, hängt vom jeweiligen Modell ab. Da sich Herstellervorgaben im Laufe der Jahre ändern können, lohnt ein Blick in die originalen Unterlagen und ein anschließender Abgleich beim Fachhändler oder online. Während manche Saildrives mit ATF (Automatikgetriebeöl) betrieben werden, benötigen andere typisches Getriebeöl, wie man es aus Achsantrieben von PKW kennt. In jüngerer Zeit setzt sich die Verwendung von normalem Motoröl durch, wie es auch im Dieselmotor zum Einsatz kommt.
Von eigenmächtigen Experimenten ist nachdrücklich abzuraten. Während Lager und Zahnräder vermutlich auch mit dem falschen Öl funktionieren würden, sind die Kupplungen (je nach Bauart) darauf angewiesen, dass das Öl genau der Spezifikation entspricht. Für die Funktion der Kupplungen ist es auch wichtig, dass der korrekte Ölstand eingehalten wird: Zu viel Öl ist ebenso ungünstig wie zu wenig Öl.
Im Vergleich zum Motor genießt das Öl im Saildrive ein recht entspanntes Leben, denn es wird weder sehr heiß noch mit Verbrennungsrückständen belastet. Der einzige Schmutz, also der Abrieb im Saildrive, besteht ausschließlich aus Eisenwerkstoffen (Zahnräder und Lager). Da sie magnetisch sind, können sie ganz einfach mit einem Magneten aus dem Öl entfernt werden.
Der Magnet befindet sich üblicherweise direkt an der Ablassschraube. Der „Ölfilterwechsel“ beim Saildrive besteht daher im Wesentlichen darin, beim Ölwechsel diese Ablassschraube sorgfältig zu reinigen. Diese Bauweise ist übrigens keineswegs eine Besonderheit des Saildrives, sondern im Maschinenbau für kleinere, ölgefüllte Getriebe weit verbreitet.

Bevor das Öl abgelassen wird, empfiehlt es sich, am Oberteil des Saildrive den Einfülldeckel zu öffnen. So kann beim Ablaufen des Öls Luft nachströmen und der Ölwechsel geht deutlich zügiger und sauberer von der Hand.

Bevor das Öl tatsächlich abgelassen wird, sollte ein ausreichend großes Auffanggefäß bereitstehen. Wie viel Öl zu erwarten ist, verraten – wenig überraschend – die Herstellerunterlagen; die Füllmengen unterscheiden sich je nach Saildrive-Typ zum Teil deutlich.

Die Ablassschraube selbst ist üblicherweise mit einem Schlitz für einen großen Schraubendreher versehen.

In der Praxis sind Ablassschrauben häufig deutlich zu fest angezogen – wohl aus Sorge vor einem Verlust unter Wasser. Das führt jedoch dazu, dass sie sich beim Ölwechsel oft nur schwer wieder lösen lassen. Umso wichtiger ist es, zunächst den Schlitz (oder den Innensechskant) gründlich zu säubern und anschließend das exakt passende Werkzeug zu wählen.
Ist der Schlitz erst einmal durch einen zu kleinen oder zu dicken Schraubendreher beschädigt, so sieht es für die nachfolgenden Versuche schon deutlich schlechter aus. Ein Schlitzschraubendreher ist dann unpassend, wenn die Klinge entweder nicht breit genug ist und damit die zur Verfügung stehende Länge des Schlitzes nicht ausnutzt, oder aber wenn die Klinge so dick ist, dass sie nicht sauber bis in den Grund des Schlitzes passt.

Ist die Schraube gelöst, so lässt sie sich von Hand herausdrehen. Nun gilt es einerseits, die Schraube nicht in den Auffangbehälter fallen zu lassen, und andererseits, das austretende Öl genau zu beobachten.

Im Idealfall läuft das Öl klar und gelblich aus – genauso, wie man es von frischem Motoröl kennt. Ist es jedoch milchig-weiß, hat sich Wasser mit dem Öl vermischt. In der Praxis bedeutet das fast immer: Die Dichtringe an der Propellerwelle sind undicht geworden.
Dieser Befund ist unangenehm, aber eindeutig. Die Propellerwelle muss ausgebaut und sorgfältig auf Verschleiß und Beschädigungen untersucht werden. Dabei lohnt sich dann auch ein Blick auf die Zahnräder. Glücklicherweise überstehen diese eine Zeit im Öl-Wassergemisch häufig doch ganz gut.

Reinigung der Seewasserführung
Standardmäßig wird das Seewasser, welches der Kühlung des Motors dient, durch das Unterteil des Saildrive angesaugt. Dieser Kanal wird häufig auch von Bewuchs befallen. Zur Reinigung sind viele Saildrives mit einer Reinigungsöffnung an der Unterseite versehen.


Wann muss die Membran wirklich raus?
Der regelmäßige Wechsel der Saildrive-Membran ist eines der Argumente, die Segler immer wieder gegen den Saildrive ins Feld führen. Tatsächlich kostet ein professionell ausgeführter Austausch schnell einen niedrigen vierstelligen Betrag – typischerweise alle sieben Jahre. Maßgeblich sind hier die Vorgaben des Herstellers.
Allerdings zeigt die Praxis: Diese Intervalle werden häufig überschritten, mitunter sehr deutlich. Im Internet finden sich zahlreiche Beispiele, in denen Membranen nach 15 oder gar über 20 Jahren noch als optisch einwandfrei beschrieben werden. Ist die Herstellervorgabe also zu konservativ?
Dabei darf man nicht vergessen: Eine Membran besteht aus Gummi – und Gummi altert. Die Prozesse, die aus dem Kautschuk einen technisch verwendbaren Werkstoff durchaus beachtlicher Festigkeit gemacht haben (Vulkanisation), kommen nicht vollständig zum Stillstand. Im Ergebnis wird ein solches Bauteil aus Gummi mit der Zeit immer härter, es entwickelt Risse und ist irgendwann unbrauchbar. Die Geschwindigkeit dieser Alterung hängt deutlich von den Umgebungsbedingungen ab. Zwar lebt eine Saildrive-Membran unter vergleichsweise günstigen Bedingungen, ohne UV-Strahlung und mechanische Belastung. Doch auch hier ist die Lebensdauer endlich.
Versetzt man sich in die Lage des Herstellers, wird klar, warum das Wechselintervall dennoch so streng bemessen ist. Die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt mit der Zeit – wie bei jedem Bauteil. Und die Membran ist zweifellos sicherheitskritisch. Sie muss ausgetauscht werden, bevor das Risiko eines Versagens auch nur ansatzweise relevant wird. Würde ein Hersteller beispielsweise eine jährliche Ausfallwahrscheinlichkeit von nur einem Prozent akzeptieren, würde statistisch jedes hundertste Boot pro Jahr sinken. Dass das nicht passiert, bestätigt, wie großzügig die Sicherheitsmargen kalkuliert sind.
Damit bleibt zugegebenermaßen die Frage offen, wie weit das Wechselintervall denn gefahrlos überzogen werden kann. Angesichts der Kosten ist diese Frage nachvollziehbar – aber verlässlich beantworten lässt sie sich nicht. Die Herstellervorgabe bleibt verbindlich. Da es auf See für Sportboote keine technische Überwachung gibt, liegt die Verantwortung letztlich beim Eigner selbst. Wer Kosten sparen möchte, kann den Membranwechsel in Eigenregie durchführen – eine Möglichkeit, die im Folgenden beschrieben wird.
Membranwechsel Schritt für Schritt
Die Arbeit gliedert sich im Wesentlichen in fünf Schritte:
- Motor und Saildrive werden voneinander getrennt, anschließend wird der Motor auf seinem Fundament einige Zentimeter nach vorn geschoben.
- Der Klemmring und das hintere Lager des Saildrive werden gelöst.
- Der Saildrive wird aus dem Boot gehoben und von Bord geschafft.
- Ober- und Unterteil werden getrennt, die alte Membran wird entfernt.
- Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.
Wie bei allen technischen Arbeiten stellt sich zunächst die Frage nach den Voraussetzungen. Das Boot muss selbstverständlich an Land stehen, weiterhin ist für den Ausbau des etwa 30 kg schweren Saildrive eine zweite Hand äußerst hilfreich. Da es sich beim Saildrive um ein sicherheitskritisches Bauteil handelt, ist sorgfältiges Arbeiten unumgänglich. Andererseits ist es keine sonderlich schwierige Arbeit und erfordert auch keine Spezialwerkzeuge. Wer bereits im Kfz-Bereich geschraubt hat, kann den Membranwechsel in etwa mit dem Austausch einer Kupplung an einem Pkw vergleichen. Die Bauteile sind schwer, manche Schrauben sitzen fest – aber besondere Kenntnisse, wie sie etwa für die Motorsteuerung eines Diesels nötig wären, braucht es nicht.

Der Saildrive ist in seiner Position im Schiff durch die Membran fixiert. Um also Motor und Saildrive zu trennen, muss der Motor einige Zentimeter vom Saildrive weg bewegt werden. Es hängt nun vom Einzelfall ab, welchen Spielraum die einzelnen Anschlüsse des Motors lassen.

Erfahrungsgemäß geht die Arbeit insgesamt schneller von der Hand, wenn die Schlauch- und Kabelverbindungen großzügig gelöst werden, also im Zweifel lieber eine mehr. Dies könnte die Gelegenheit sein, auch die Schlauchverbindungen des Motors einmal genauer zu betrachten und gegebenenfalls durch Neuteile zu ersetzen.
Hat der Motor eine gewisse Bewegungsfreiheit erhalten, so werden die Schrauben zwischen Motor und Saildrive entfernt. Dabei ist es bei einigen Motoren erforderlich, zunächst den Deckel der Schwungradabdeckung zu lösen, während bei anderen Modellen der Kopf des Saildrive direkt vom Motor gelöst werden kann.
Bevor nun der Motor nach vorne bewegt wird, ist für eine hinreichende Abstützung desselben zu sorgen. Im Regelfall ist der Motor bei Booten mit Saildrive auf drei Punkten gelagert, und zwar den beiden vorderen Gummilagern und dem Saildrive selbst. Entfernt man nun die Verbindung zum Saildrive, so wird der Motor nach hinten kippen. Hier ist mit geeigneten Unterlagen, beispielsweise aus Holz, zu unterfüttern. Ein Bootsmotor wiegt schon einiges, je nach Modell auch mal an die 200 Kilogramm. Dieses Gewicht ist bei den Arbeiten zu berücksichtigen. Bei kleineren Motoren ist es erfahrungsgemäß relativ leicht, den Motor einige Zentimeter zu verschieben. Bei größeren Motoren kann ein mit Vorsicht angesetzter Kettenzug zur Hilfe genommen werden.
Bevor die Schrauben, die den Saildrive im Boot halten, gelöst werden, ist es an der Zeit, den Saildrive in geeigneter Weise zu sichern.

Sind sämtliche Verbindungen gelöst, kann der Saildrive nach innen aus seiner Öffnung im Rumpf gezogen und sicher an Bord abgelegt werden.

Nun kann der Saildrive auseinandergeschraubt werden. Dabei ist es immer sinnvoll, vorher einen Blick in das Werkstatthandbuch zu werfen.

Sind Ober- und Unterteil auseinandergezogen, so kann auch die Membran entfernt werden.


Sind nun alle Teile demontiert, so werden die Rückstände der letzten Jahre (oder Jahrzehnte) im Wasser entfernt.

Der Wiederzusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge und bietet keine besonderen Schwierigkeiten.




Fazit
Der Saildrive ist keine Schwachstelle – aber er ist auch kein Bauteil, das man „einfach mitlaufen lässt“. Wer die Membran als sicherheitsrelevant begreift, den Korrosionsschutz ernst nimmt und Ölwechsel, Anoden und Dichtungen im Blick behält, bekommt einen Antrieb, der nicht nur kompakt und leise, sondern auch sehr zuverlässig ist. Am Ende ist es wie so oft an Bord: Nicht das System entscheidet über die Sicherheit, sondern der Umgang damit.

























Danke für die ausführliche Anleitung