Gefahr im Paradies?! Die aktuelle Sicherheitslage in der Karibik

Kriminalität unter Palmen: Wie sicher ist die Karibik?

Die Karibik ist für viele das Urlaubsparadies schlechthin und auch unter Seglern ein beliebtes Revier. Aber bietet ein Törn in dieser Region wirklich nur Palmen, Wind und Sonnenschein oder muss man auch Gefahren, wie zum Beispiel Piraterie, einkalkulieren? Das CSSN (Caribbean Safety and Security Net) veröffentlicht jedes Jahr einen Report zur aktuellen Sicherheitslage im Karibischen Meer. Wir haben uns das für Euch einmal näher angeschaut.

Übersicht der Vorfälle im Jahr 2017 – Quelle CSSN

Berichterstattung des CSSN

CSSN (Caribbean Safety and Security Net) ist ein kostenloses Internetportal, dessen Hauptaugenmerk darauf liegt, Fälle von Kriminalität gegen Yachten in der Karibik zu sammeln und zu verbreiten und –basierend auf diesem Wissen – Tipps und Sicherheitshinweise zu geben. Das Team aus Freiwilligen, das hinter der Organisation steht, arbeitet dabei nicht nur mit Partnern, wie SSCA (Seven Seas Cruising Association) zusammen, sondern ist vor allem auf die Hilfe von Seglern angewiesen. Vorfälle, eigene Erlebnisse und Einschätzungen können online in einem Bericht an CSSN weitergegeben werden. Die Erfahrungsberichte und andere nützliche Informationen, wie zum Beispiel interaktive Infografiken und hilfreiche Präventionslisten mit Verhaltensregeln für den Notfall, werden dann verbreitet und anderen Seglern zur Verfügung gestellt.

Konstante Anzahl an Verbrechen

Der gerade veröffentlichte Bericht von CSSN aus dem Jahr 2017 zeigt, dass es trotz der verheerenden Hurrikane Marie und Irma im letzten Jahr kaum Veränderungen zu der Anzahl der kriminellen Vorfälle im Vorjahr gab: 2016 kam es zu 90, 2017 zu 88 Verbrechen auf dem Karibischen Meer.

Fahrtenyacht vor Anker vor der Insel Martinique

Bei den Vorfällen selbst, insbesondere hinsichtlich der Region, gab es jedoch einige signifikante Unterschiede. So fanden sechs der insgesamt 14 gewaltsamen Vorfälle durch Piraterie vor Honduras statt, die anderen Angriffe wurden vor Kolumbien, Guatemala, St. Lucia und der Dominikanischen Republik gemeldet. Vor Trinidad und Venezuela kam es jeweils zu einem Piraterieversuch.

Bei den meisten gemeldeten Verbrechen handelt es sich jedoch um gewaltfreie Zwischenfälle, wie zum Beispiel Einbruch, Diebstahl, Vandalismus oder gewaltfreie Angriffe. Mehr als 50 Prozent aller Vorfälle insgesamt wurden aus Panama, Honduras, Grenada und SVG (St. Vincent und die Grenadinen) gemeldet – wobei Panama und Honduras erstmalig in dieser Rangliste auftauchen.

In der Soufrière-Bucht ereignen sich immer wieder Zwischenfälle auf St. Lucia.

Besondere Gefahrengebiete

Spitzenreiter der gemeldeten Verbrechen ist SVG mit 16 Berichten. Ein erfreulicher Unterschied zum Vorjahr: Alle Delikte in 2017 liefen gewaltfrei ab. In erster Linie handelte es sich um Diebstahl und versuchten Diebstahl, wobei sechs der 16 Vorfälle in dieser Region am Ankerplatz des Tamarind Beach Hotels (Canouan Island, Charlestown) gemeldet wurden.

Aus Grenada gibt es 11 Berichte aus 2017 – was eine positive Entwicklung zu den 24 Vorfällen im Vorjahr ist. Diese Veränderung wurde durch verstärkte Patrouillen der Grenada Küstenwache erzielt. Bei den Vorfällen handelte es sich in erster Linie um Diebstahle – alle Verbrechen liefen gewaltfrei ab.

Dorf in Kuna Yala

Ebenfalls 11 Verbrechen wurden aus Panama gemeldet. Diese gewaltfreien Vorfälle, bei denen es sich komplett um (teilweise versuchten) Diebstahl handelte, lassen vermuten, dass in Bocas del Toro ein organisiertes Netzwerk an Dieben unterwegs ist, während die Langfinger im eher beschaulichen Kuna Yala (San Blas) die Unvorsichtigkeit der Segler ausnutzen.

Besonders negativ fällt Honduras mit neun gemeldeten Vorfällen auf, wobei mehr als die Hälfte der Verbrechen gewalttätig abliefen. Neben Piraterie sind es vor allem Diebstahl und Raub auf den Bay Islands, die für Besorgnis sorgen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Anzahl der Verbrechen zum Vorjahr kaum verändert hat. 88 Vorfälle sind nicht zu übersehen und sollten nicht verharmlost werden, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Segelurlaub in der Karibik Opfer eines Verbrechens zu werden, sehr niedrig.

Immer noch ein sicherer Ort: die Karibik im Jahr 2017.

Das Risiko der Piraterie ist ebenfalls gegeben, aber äußerst gering. In erster Linie handelt es sich um gewaltfreie Verbrechen, vor allem um Diebstahl. Hier sollte man immer daran denken, vor einem Landgang gewisse Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Solltet Ihr wider Erwarten einmal von einem (versuchten) Verbrechen betroffen sein, dann denkt daran, CSSN darüber zu informieren – nur so können andere Segler gewarnt und die Kriminalitätsrate langfristig gesenkt werden.

Hier geht es zum CSSN-Jahresbericht 2017

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WillfriedRandyIsabelleMoritz HerrmannJR Recent comment authors
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Christian
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Christian

Wenn die Ärmsten der Armen Geld riechen ist es ein Wunder dass nicht mehr passiert. Wer dort auf dicke Hose macht verschickt eine Einladung.

Moritz Herrmann
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Moritz Herrmann

Beklaut wurde ich in Deutschland. Vor über 10 Jahren segelte ich los um die Welt, etwas sorgenvoll, hatte ich doch weder die empfohlenen Gitter angebracht noch irgendwelche Sicherungselektronik.Unterwegs habe ich mein Boot nie abgeschlossen, nur die Persenning zugezogen. Ich habe mich zB in Venezuela/St. Cruz nachts verlaufen und die nächtlichen
Gestalten erwiesen sich alle als hilfsbereit.
Nicht verrückt machen lassen!

JR
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JR

Bitte berücksichtigen: Orte, die in der Seglergemeinschaft bereits berüchtigt sind, deshalb nicht mehr angelaufen werden, sind keinesfalls sicher. Sie tauchen nur in der Statistik nicht mehr auf. Das gilt ebenso andersherum. Es liegt an uns Seglern, “Paradiese” wie San Blas durch verantwortliches Verhalten nicht zu verderben.

Isabelle
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Isabelle

Wir sind seit 7 Jahren in der Karibik am Segeln und haben bis jetzt Glück gehabt nicht ausgeraubt zu werden. Gewisse Ankerplätze meiden wir wie z.B Souffliere auf St. Lucia, gehen am Abend nur sehr selten auswärts essen, schliessen das Boot immer ab wenn wir an Land gehen inkl. Sichern von Luken. Unser Dinghy sichern wir mit einer 10mm Edelstahl-Kette ab inkl. Schloss mit höchster Sicherheitsklasse. Zu den zum Teil auch penetranten Verkäufern am Ankerplatz sind wir höflich und kaufen ihnen ein wenig ab, meist auch zu überteuerten Preisen. Den Niedergang ist bei kritischen Ankerplätzen verschlossen auch die Luken mit… Mehr lesen »

Randy
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Randy

Hallo Isabelle Ich habe euren Kommentar als sehr, sehr gut empfunden. Auch der Teil mit der Nahkampfausbildung und nein, dies ist niemals eine trügerische Sicherheit. Sicherheit, sich-wehren-wollen-oder-können, fängt nicht erst mit einer Kampfhandlung an, sondern mit den Gedanken und Vorbereitungen die man diesbezüglich macht. Ich werde in Kürze auch wieder in See stechen und werde dies diesmal Bewaffnet (Pistole, Scharfschützengewehr mit Nacht-ZV und Pump-Action mit sehr viel Munition) tun, mit einem Europäischen Waffenpass. Die Nein-Sager, sollen sich doch einmal Berichte über die SOMALIA & andere PIRATEN einholen, speziell über die Berichte von Überlebenden bei den Gerichtsverhandlungen in der EU. Achtet… Mehr lesen »

Willfried
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Willfried

Man(n) kann nicht aller Gewalt erfolgreich mit Gegengewalt erfolgreich begegnen. Es gibt nach meiner Meinung nur eine Lösung. Muss ich mich und vor allem meine Liebste unbedingt dem Gefahrenpotential bewusst aussetzen. Es gibt so viele schöne Segelreviere und ich habe mit meiner Liebsten wunderschöne Langtörns gesegelt und liege zur Zeit auf den Kanarischen Inseln und beenden unsere Rundreise. In anbetracht der gesetzlichen Bestimmungen der einzelnen Einreiseländer betrachte ich Waffen als schlechte Seemannschaft in der Planung. Auch ich habe lange Zeit einer Antiterroreinheit angehört und Erfahrung in Nahkampf und Waffentechnik als ehemaliger Bundespolizeibeamter. Unser Segeln sollte nichts mit Gewalt und Waffen… Mehr lesen »