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Johannes Erdmann überquerte im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal einhand den Atlantik. Während seines Schiffbaustudiums schrieb er sein erstes Buch „Allein über den Atlantik“. Nach zehn Jahren als Wassersportjournalist, rund 60.000 Seemeilen im Kielwasser und sieben Jahren auf See gibt er heute seine Erfahrung vom Langfahrtsegeln als Berater und Journalist weiter. Mit Shorecrew.de begleitet er zudem angehende Eigner auf dem Weg zur eigenen Yacht und ist der Chefredakteur von BLAUWASSER.DE.
Starlink an Bord: Braucht man das wirklich?
Ich habe es wirklich so lange wie möglich versucht. Aber irgendwann kommt man als Langfahrtsegler an dem Thema „Starlink“ einfach nicht vorbei.
Obwohl ich – wie mein Namensvetter Wilfried Erdmann – bei der Auswahl von Ausrüstung eher Wert auf einfache und robuste Technik lege, kann ich mich durchaus auch für moderne Kommunikationsmittel begeistern. Schon auf meiner ersten Einhand-Atlantiküberquerung vor über 20 Jahren hatte ich ein Iridium-Satellitentelefon dabei. Damals allerdings noch mit den Abmessungen eines Feldtelefons. Und es konnte auch wirklich nur dafür genutzt werden: zum Telefonieren. An Land musste ich mir jedes Mal ein Internetcafé suchen, um meine Blogeinträge ins Internet zu hebeln.

Angewiesen war ich auf das Internet schon damals, allein schon wegen des Wetters. Nicht selten suchte ich meine Ankerplätze sogar nach dem Empfang von offenen WLAN-Hotspots in Strandbars aus. Aber auf den längeren Etappen über weite Seestrecken war es zugleich auch schön, mal ein paar Tage „offline“ zu sein.
Evolution: Vom Satellitentelefon zum Breitbandinternet
Drei Jahre später konnte das Iridium-Telefon auf der nächsten Atlantiküberquerung sogar schon Emails versenden und empfangen. Es war langsam. Fünf Emails erforderten einen Daten-Anruf von etwa vierzig Sekunden. Unsere Prepaid-Karte hatte 70 Minuten, jede Minute kostete 1,50 Euro. Dennoch: Ein Fortschritt, den ich in Kauf nahm, um den Blog auch „live“ von See zu füllen. Mit reinem Text, ohne Bilder. Dafür war die Verbindung zu langsam.
Auf meiner fünften und bislang letzten Atlantiküberquerung im Jahr 2019 war dann schon ein Iridium-Router an Bord, der über eine Datenflatrate verfügte. Meine Crew und ich waren happy, ständig mit der Familie in Kontakt zu bleiben – noch nicht über WhatsApp, aber Email – und regelmäßig aktuelle Wetterdaten zu bekommen. Die Übertragungsgeschwindigkeit reichte allerdings nur für Gribfiles und Textnachrichten aus, es waren immer noch keine Bilder möglich.

Als dann kurz darauf Starlink auf den Markt kam und rasend schnell Verbreitung unter den Seglern fand, war für mich der Punkt erreicht, an dem ich beschloss: Das geht mir zu weit. Mitten auf dem Atlantik in der Lage zu sein, Videokonferenzen zu führen oder – viel schlimmer – Netflix zu schauen! Ich hatte mich schon gewundert, dass unser Raymarine-Plotter dafür eine App besaß …
Nun war der Tag gekommen: Das Internet war auf See verfügbar geworden. Überall. Boris Herrmann vermeldete während des Vendee Globe beiläufig aus dem Southern Ocean, dass das Internet hier besser wäre als zuhause in der Hamburger Innenstadt.
Irgendwie beeindruckend. Aber zugleich löste es in mir eine Abneigung gegen Starlink aus. Denn nun war der letzte Ort auf dieser Welt ohne Handynetz (zugegeben, davon gibt es auch in Deutschland noch ein paar Orte …) erschlossen worden. Und ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich wollte: immer erreichbar zu sein.
Warum ich nun doch schwach geworden bin
Vier Jahre sind wir nun ohne Starlink durchs Mittelmeer gesegelt, haben das Internet in Marinas genutzt oder per SIM-Karte – dafür pro Sommertörn ein Datenpaket nach dem anderen durchgeladen. Doch als nun eine größere Seestrecke einhand für mich anstand – von Galizien nach Hamburg –, da fragte meine Frau, ob ich nicht wenigstens einen Satelliten-Tracker mitnehmen könnte, damit die Familie weiß, dass es mir gut geht.
In der Tat hatte sich für mich – nun mit Familie und drei Kindern – die Einstellung zum „immer erreichbar sein“ ein wenig verändert. Ich wollte gern mit meinen Kids in Kontakt bleiben. Bei der Recherche, was so ein Tracker, beispielsweise ein Garmin Inreach2, in der Anschaffung kostet, bin ich dann stutzig geworden: Statt 300 Euro könnte man dann ja auch für 368 Euro ein Starlink-System an Bord bauen.
An diesem Punkt bin ich eingeknickt – und habe die Schüssel bestellt. Irgendwie kommt man heute halt nicht mehr an Starlink vorbei.

Die Montage an Bord – innerhalb einer Stunde
So einfach, wie der Einbau im Internet beschrieben wird, ist er auch. Ich habe knapp über eine Stunde gebraucht, wobei die meiste Zeit für das Ziehen der Kabel durchs Schiff benötigt wurde. Das bestellte Standard-Set (4. Generation) kostet 368 Euro und wird in einem großen, platten Karton geliefert. Es enthält neben der (überraschend großen) Antenne auch einen Router (230 Volt) und die nötige Verkabelung samt Netzteil.
Für den Bordbetrieb wird zusätzlich noch eine Halterung benötigt, denn die Antenne wird mit einer Klapphalterung geliefert, die nur zum Aufstellen auf geradem (nicht schaukelndem) Untergrund gedacht ist.

Die meisten Segler montieren die Antenne deshalb mit einer separat erhältlichen Rohrhalterung auf einem Rohr. Das muss kein langer Mast sein, es reicht auch ein Köcher für Angelrouten, wie sie bei jedem Ausrüster zu bekommen sind. Wichtig ist, dass der obere Teil nicht breiter wird, sondern gerade nach oben verläuft. Ob das Rohr innen mit Plastik ausgekleidet ist, ist egal. Die äußere Form zählt, weil die Rohrhalterung darüber geklemmt wird.

Unser Starlink wurde direkt nach Spanien in die Marina geliefert, ohne zusätzliche Versandkosten. Die Rohrhalterung gibt es ebenfalls bei Starlink (65 Euro), doch ich entschied mich, einen China-Nachbau für den halben Preis bei Amazon zu bestellen. Ich wählte einen Ankerköcher aus Edelstahl von der Firma 1892. Die Rohrhalterung sitzt sehr stramm und hält auch bei Seegang gut, laut Hersteller mindestens bis Windstärke 10.

Zwei Edelstahlschrauben werden zum Klemmen des Rohrs eingeschraubt, der Edelstahl-Köcher kopfüber in die Halterung eingesetzt und geklemmt. Dann kann die Antenne im nächsten Schritt auf der Reling oder dem Geräteträger montiert werden.
Dabei ist ein Platz zu wählen, bei dem weder die Antenne von Leinen abgerissen werden kann, noch an dem sie Schatten auf Solarpaneele wirft. Bei uns fiel die Wahl auf den Heckkorb an Steuerbord, auch wenn dafür die Halterung der Nationalen demontiert und versetzt werden musste, weil die Flagge ansonsten bei achterlichen Winden immer auf die Antenne weht und bei starkem Wind dagegen schlägt. Sollte die Neigung nicht stimmen, dann weist Starlink den Eigner während der Inbetriebnahme in der App darauf hin.

Wer auf seinen Stromhaushalt achten muss, der sollte zusätzlich noch einen 12-Volt-Adapter bestellen, denn das Netzteil benötigt 230 Volt, um die Spannung dann auf 19 Volt herunterzuregeln. Es macht nicht viel Sinn, von 12 Volt auf 230 Volt hoch zu transferieren und dann zurück auf 19 Volt.
Bei uns an Bord lief die Antenne pausenlos über den Inverter betrieben über 230 Volt mit und benötigte im Schnitt 32 Watt Strom.

Plug and Play – Inbetriebnahme von Starlink in wenigen Minuten
Klick – klick – klick – und das war die Installation. Ja wirklich. Ist das Netzwerkkabel, das die Verbindung zwischen Antenne und Router herstellt, erst einmal durchs Boot gezogen, dann wird sie nur auf beiden Seiten eingesteckt, dazu die Stromversorgung über den Router – und das System ist startbereit.
Im Deckel der Packung befindet sich eine Montageanleitung, die viel eher eine Skizze der drei Bestandteile mit den eingesteckten Kabeln ist. In der Ecke ist ein QR-Code zu finden, über den die Starlink-App aufs Handy (Apple oder Android) geladen werden kann.

Um es wetterfest zu machen und zu verhindern, dass Wasser in die Antenne gelangt, ist das Netzwerkkabel auf beiden Seiten mit je zwei Silikonlamellen versehen. Für die Kabelführung unter Deck habe ich eine Scanstrut-Kabeldurchführung des Typs DS30-P-BLK verwendet, die sich für Stecker bis zu 30 mm Durchmesser und Kabel von 9 bis 14 mm eignet. Sie passte genau.

Per WLAN wird die Verbindung mit dem Netzwerk „Starlink“ hergestellt, dann die App geöffnet – und der Rest geschieht von selbst. Eigencheck, Update der Software, Test der Installation – bei mir stellte Starlink fest, dass die Neigung um 6 Grad korrigiert werden sollte. Ein wenig geneigt muss die Antenne ohnehin installiert werden, nicht waagerecht. Wenn das Rohr unter der Antenne vertikal ausgerichtet ist, dann stimmt die Installation im Groben. Ich habe die 6 Grad Neigung nie korrigiert, weil auf See ohnehin alles wieder anders ist.

Die Neigung der Antenne erleichtert, dass im Winter der Schnee abtropft, wenn es mal schneit. Die Antenne besitzt dafür eine eigene Heizung, um ihn zu schmelzen – die unnötig Strom kostet und abgeschaltet werden kann.

Der Rest der Inbetriebnahme gleicht der Programmierung eines neuen Routers zuhause: WLAN-Name, Passwort – das war‘s. Es kann losgesurft werden.

Warum nicht die Starlink-Mini oder High-Performance?
Der Anbieter hat neben der Standard-Antenne noch zwei weitere Systeme im Programm: Zum Beispiel die Starlink-Mini, die direkt über einen 12-Volt-Anschluss verfügt, und einen integrierten Router, sodass kein externer Router nötig ist. Die Antenne ist in etwa halb so groß wie die Standard-Antenne und wiegt weniger als die Hälfte. Sie benötigt nur 25 bis 40 Watt und ist nach IP67 wasserdicht (bis 30 Minuten bei 1 Meter Tiefe). Es kostet nur 199 Euro.

Dennoch stellt das Gerät nicht das Nonplusultra für Langfahrten dar. Im Gegenteil: Viele Langfahrer melden, dass die Qualität auf See deutlich der der Standard-Antenne nachsteht – sie ist ja auch um ein vielfachtes größer. Die Mini eignet sich deshalb eher für Caravan-Reisen als für Ozean-Überquerungen.
Die High-Performance-Antenne wurde speziell für Yachten entwickelt, ist nur etwa 15 Prozent größer als die Standard-Antenne und nach IP 68-69k zertifiziert, der höchsten internationale Schutzklasse. Sie garantiert, dass ein Gerät Dampfstrahlreinigungen bis 100 bar und 80 Grad Celsius standhält. Während die Mini- und Standard-Antennen laut der Spezifikationen bis Windstärke 10 standhalten, wird bei der High-Performance-Antenne eine Windstärke von 151 Knoten (mehr als zweimal „Windstärke 12“!) angegeben. Beeindruckend. Auch die möglichen Datengeschwindigkeiten von 1 Gbit/Sekunde.

Der Preis beträgt stolze 2.150 Euro, was im Vergleich zu den übrigen Sets viel wirkt – sich aber relativiert, wenn man bedenkt, dass eine Inmarsat-Anlage vor wenigen Jahren noch 10.000 Euro gekostet hat und nicht im Ansatz so schnell war wie Starlink. Selbst ein einfaches Iridium-Handy hat 1.600 Euro gekostet.
Obwohl die teuerste Anlage für Langfahrtsegler die beste Option darstellt, nutzen die meisten Segler die Standard-Antenne.
Welcher Starlink-Tarif für Segler?
Wer sich nicht nur an einem Ort aufhält, sondern sich bewegt, benötigt einen Reise-Tarif, von dem es zwei Optionen gibt: Entweder man nimmt das Paket mit 100 GB im Monat (bis zu 300 Mbit/s) für 45 Euro oder die Flatrate für 95 Euro im Monat. Diese Pakete decken auch die Küstengewässer bis 12 Meilen vor der Küste ab und funktionieren auch, wenn sich das Fahrzeug „in Bewegung“ befindet. Wer sich gelegentlich aber auch mal mehr als 12 Seemeilen von der Küste entfernen möchte, benötigt die Flatrate, da nur sie über den Knopf „Ozean-Mode“ verfügt. Achtung, dann werden die in internationalen Gewässern verbrauchten Daten jedoch nicht mehr innerhalb der Flatrate, sondern per Gigabyte abgerechnet.
Übrigens: Sind die 100-GB-Daten verbraucht, dann schaltet sich Starlink nicht ab, sondern läuft unbegrenzt weiter – allerdings nur mit niedriger Geschwindigkeit. Für das normale Nutzungsverhalten eines Fahrtenseglers – Wetterdaten, Emails, im Internet surfen – reicht diese Geschwindigkeit aber völlig aus. Auch Fotos und Videos können weiterhin per WhatsApp oder Instagram verschickt werden.

August 2026: Folgenreiche Änderungen für Weltumsegler
Zum 17. August 2026 hat Starlink seine Reisetarife geändert – und damit für einigen Unmut in der Fahrtenseglerszene gesorgt. Die neuen Bedingungen werden in Seglerkreisen intensiv diskutiert und auch von zahlreichen YouTube-Segelkanälen öffentlich kritisiert.
Bislang konnten Nutzer mit dem Global-Roam-Tarif weltweit reisen und für längere Passagen auf See zusätzlich den Ozean-Modus aktivieren. Mit den jüngsten Änderungen begrenzt Starlink die Nutzung außerhalb des Heimatlands jedoch auf maximal 30 Tage. Wer länger international unterwegs sein möchte, muss künftig in den deutlich teureren Tarif Global Priority wechseln. Bei Auslandsreisen von mehr als 30 Tagen ist zudem eine Reiseanmeldung erforderlich, bei der sich der Nutzer per Reisepass legitimieren muss.
Auch ein regelmäßiger Wechsel des Registrierungslands ist nicht ohne Weiteres möglich: Dafür muss der bestehende Account vollständig gelöscht und anschließend neu eingerichtet werden. Hinzu kommen Einschränkungen bei der Übertragung der Hardware. Diese ist erst 120 Tage nach dem Kauf oder 90 Tage nach der Aktivierung möglich; außerdem muss der Dienst nach der Aktivierung mindestens 90 Tage aktiv bleiben.
Für Fahrtensegler, die ausschließlich innerhalb Europas unterwegs sind, haben die Änderungen dagegen kaum Auswirkungen. Starlink behandelt Europa für diese Regelung wie ein zusammenhängendes Gebiet. Wer beispielsweise von Deutschland über Frankreich, Spanien und Portugal ins Mittelmeer oder Richtung Skandinavien segelt, kann den normalen Reisetarif weiterhin ohne die 30-Tage-Beschränkung nutzen. Auf Hochseepassagen – etwa über die Biskaya – lässt sich weiterhin der Ozean-Modus aktivieren.
Für europäische Küsten- und Reviersegler ändert sich damit wenig. Betroffen sind vor allem Langfahrtsegler, die Europa verlassen und über längere Zeit international unterwegs sind.
Update September 2026: Starlink führt „Personal Maritime“ ein
Und schon wieder gibt es eine Änderung: Nur wenige Tage nach der Einschränkung der Roam-Tarife hat Starlink mit „Personal Maritime“ einen neuen Tarif speziell für private Bootsfahrer eingeführt. Nutzen können ihn allerdings nur Eigner von Yachten bis einschließlich 60 Fuß. Gewerblich genutzte Yachten sind explizit ausgeschlossen. Der Tarif kostet 185 US-Dollar pro Monat, zuzüglich Steuern.
Die Einführung des neuen Tarifs hat Starlink jedoch nicht in einer Pressemitteilung verkündet, sondern zunächst solche Bootsfahrer direkt angeschrieben, die in der Vergangenheit den Service auf dem Wasser genutzt haben.
Interessant ist für Langfahrtsegler an dem neuen Tarif vor allem, dass innerhalb der Territorialgewässer weltweit unbegrenzt Daten genutzt werden können. Die beim Tarif „Roaming Unlimited“ geltende Beschränkung, nach der Starlink außerhalb des Heimatlandes nur 30 Tage am Stück genutzt werden darf, gibt es bei „Personal Maritime“ nicht.
Damit kommt Starlink den Langfahrtseglern ein ganzes Stück weit entgegen. Vorangegangen war der Diskussion eine Art „offener Brief“ in Videoform, den YouTube-Star Riley vom Kanal „La Vagabond“ an Elon Musk verfasst hatte.
Auf einer Ozeanpassage müssen Segler weiterhin den „Ocean Mode“ aktivieren, um auch außerhalb der Territorialgewässer das Internet nutzen zu können. Die dann übertragenen Daten werden extra berechnet. Ab dem 27. September verlangt Starlink dafür 6 US-Dollar pro Gigabyte. Wer auf See jedoch lediglich Wetterdaten und Nachrichten abrufen möchte, kann dennoch die Kosten überschaubar halten.

Sobald die Barfußroute beginnt, wird es komplizierter: Mit der Atlantiküberquerung in Richtung Karibik verlässt das Boot die europäische Region. Für einen längeren Aufenthalt in der Karibik und später beispielsweise in Panama, den USA oder im Pazifik reicht der normale Reisetarif dann nicht mehr aus. Langfahrtsegler müssen dann auf Global Priority Data wechseln.
Für Weltumsegler bedeutet die Tarifänderung damit eine spürbare Verteuerung. Gerade für digitale Nomaden und Crews, die unterwegs regelmäßig größere Datenmengen benötigen, kann Starlink außerhalb Europas schnell zu einem der größeren laufenden Kostenpunkte an Bord werden. Wer mehrere Monate in der Karibik oder anderen außereuropäischen Revieren verbringen möchte, sollte die zusätzlichen Kosten deshalb von Anfang an in die Reiseplanung einbeziehen.
Satellitentelefon oder Starlink – was ist die richtige Wahl?
Vergleicht man die technischen Daten beider Systeme, scheint die Antwort eindeutig: Mit Starlink stehen Langfahrtseglern deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Internetzugang, Videotelefonie, Wetterrouting und nahezu unbegrenzte Kommunikation lassen die üblichen Satellitentelefone wie Iridium oder Inmarsat auf den ersten Blick alt aussehen.
Ganz ersetzen können sie ein Satellitentelefon jedoch nicht. Denn alles, was fest an Bord installiert ist, wird im Seenotfall wahrscheinlich zusammen mit dem Schiff untergehen. In einer Rettungsinsel gibt es weder eine Steckdose noch eine Möglichkeit, eine Starlink-Antenne zu betreiben. Deshalb kann es sinnvoll sein, zusätzlich ein Satellitentelefon im Grab-Bag mitzuführen.

Zwar gehört auf Hochseeyachten heute in der Regel ohnehin eine EPIRB zur Sicherheitsausrüstung, mit der aus der Rettungsinsel ein Notruf abgesetzt werden kann. Moderne EPIRBs mit Return-Link-Service bestätigen inzwischen sogar, dass der Notruf empfangen wurde. Dennoch ersetzt das keine direkte Kommunikation. Mit einem Satellitentelefon kann die Crew aus der Rettungsinsel mit den Rettungskräften sprechen, ihre Situation schildern und beispielsweise ein Bergemanöver durch ein Frachtschiff im Voraus abstimmen.
Für Blauwassersegler muss ein solches Backup-Telefon nicht dauerhaft aktiv sein. Für eine Ozeanüberquerung genügt oft eine Prepaid-Karte, die beispielsweise für einen Monat oder 100 Gesprächsminuten gültig ist und rund 210 Euro kostet. Selbst bei einer Weltumsegelung mit drei großen Ozeanpassagen summieren sich die Kosten damit lediglich auf etwa 630 Euro.
Starlink ist damit für die Bordkommunikation zweifellos die leistungsfähigere Lösung. Für den Ernstfall ersetzt es ein Iridium-Telefon im Grab-Bag jedoch nicht – denn nach dem Verlassen des Schiffes ist eine Starlink-Anlage nicht mehr nutzbar.

Nutzung in der Praxis: Fluch und Segen
Eigentlich hatte ich mir Starlink nur aus einem Grund angeschafft: Meine Frau und unsere Kinder sollten jederzeit wissen, dass es mir gut geht, und sich keine unnötigen Sorgen machen müssen. Was ich nicht erwartet hatte, war, wie grundlegend ein permanenter Internetzugang das Leben auf einer Hochseepassage verändert.
Plötzlich war ich selbst mitten auf dem Ozean ständig mit dem Leben an Land verbunden. WhatsApp-Nachrichten, aktuelle Nachrichtenportale oder sogar Videotelefonate waren jederzeit möglich. Im Vergleich zu früheren Überfahrten hatte ich kaum noch das Gefühl, wirklich weit draußen zu sein. Erst recht, als ich mitten in der Biskaya einen Anruf vom Finanzamt bekam …

Navigatorisch brachte Starlink zweifelsohne große Vorteile: Wetteränderungen waren jederzeit verfügbar, ebenso aktuelle Meldungen über Orca-Angriffe vor Galizien – einer ereignete sich während meiner Passage nur rund 20 Seemeilen entfernt. Selbst während einer langen Motorfahrt bei völliger Flaute im Ärmelkanal konnte ich mehrere Stunden ganz normal arbeiten, am Schreibtisch sitzen und Texte schreiben.
Doch die permanente Erreichbarkeit hat auch ihre Schattenseiten. Weil sich Familie und Freunde recht schnell an die neuen Möglichkeiten gewöhnen, entsteht fast automatisch die Erwartung, jederzeit auf Nachrichten zu antworten. Das besondere Gefühl der Abgeschiedenheit und Freiheit, das lange Hochseepassagen früher mit sich brachten, geht dadurch ein Stück weit verloren.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Wer ständig erreichbar ist, fällt umso stärker auf, wenn die Verbindung plötzlich abreißt. Als ich versehentlich den Wechselrichter abschaltete, war auch Starlink sofort offline und meine Position wurde nicht mehr übertragen. Da meine Frau kurz zuvor von den Orca-Angriffen in meiner Nähe gehört hatte, machte sie sich sofort große Sorgen.
Zu Zeiten von Iridium-Emails hätte sie ohnehin erst nach einem Tag wieder mit einer Nachricht gerechnet. Durch die permanente Erreichbarkeit steigen also auch die Erwartungen – und damit die Sorge, wenn diese plötzlich ausbleibt.
Starlink pausieren und Kosten sparen
Wer sein Boot im Mittelmeer nutzt und nur einen überschaubaren Zeitraum pro Jahr an Bord ist, muss dennoch nicht die ganze Zeit seinen Starlink-Tarif bezahlen – denn es gibt die Möglichkeit zu pausieren. Das kostet 10 Euro pro Monat. Wird Starlink beim nächsten Besuch an Bord wieder benötigt, kann es einfach wieder durch den Wechsel auf einen Reisetarif aktiviert werden.

Mein Fazit nach den ersten 1.000 Seemeilen
Kurz gesagt: Boris hatte recht. Das Internet an Bord war schneller und zuverlässiger als bei uns zuhause. Ich bin begeistert – und ehrlich gesagt überrascht, was heute selbst mitten auf dem Ozean möglich ist.
Trotzdem bin ich froh, dass ich auch die „alte Zeit“ der Hochseesegler noch erlebt habe. Vier Wochen ohne Verbindung zur Außenwelt. Vier Wochen, in denen man wirklich weg war. Und dann dieser ganz besondere Moment: Noch bevor die erste Insel der Karibik überhaupt am Horizont auftaucht, erscheint auf dem Handy plötzlich der erste Balken Empfang. Dann ein zweiter. Kurz darauf das LTE-Symbol. Und auf einmal trudeln die Nachrichten und Emails der vergangenen vier Wochen ein. Erst in diesem Augenblick wird einem bewusst, wie lange man tatsächlich von der Welt abgeschnitten war – und wie groß ein Ozean wirklich ist.

Macht Starlink eine Ozeanüberquerung deshalb schlechter? Nein. Aber sie wird anders.
Die ständige Verbindung zur Außenwelt nimmt einem ein Stück jener Abgeschiedenheit, die Hochseesegeln über Jahrzehnte ausgemacht hat. Gleichzeitig schafft sie Möglichkeiten, von denen Fahrtensegler früher nur träumen konnten: aktuelle Wetterdaten, der Kontakt zur Familie, medizinische Hilfe oder einfach die Gewissheit, dass zuhause alles in Ordnung ist.
Starlink verändert das Leben auf See nicht zum Schlechteren – sondern auf eine Weise, an die wir uns vermutlich genauso schnell gewöhnen werden wie einst an GPS, Plotter oder AIS.

























Hallo Johannes,
danke für die informative Zusammenfassung.
Wie siehst Du die Satelliten-Notruffunktion der neueren iPhones vs. Iridium, etc. als mobile Ergänzung zu Starlink?
Besten Gruss, Ramon
Sehr guter Artikel. Ich nutze seit Jahren Starlink mini, wenn man auf der Atlantiküberquerung nicht gerade Netflix sehen möchte reicht das aus. Die Technik ist einfach überragend. Johannes Erdmann beleuchtet auch die Schattenseiten der dauernden Erreichbarkeit. Dem kann ich nur voll zustimmen.
Die Notruffunktion des iPhones hat übrigens selbst auf einer Biskayaüberquerung nicht funktioniert, einfach kein Empfang. Muss jeder selber entscheiden ob man das braucht.
Fair Winds, Saltysaylor
Vielen Dank für das Lob und die Einblicke zur Notruffunktion des iPhones!
Die Notruffunktion vom iPhone musste ich (glücklicherweise) noch nie ausprobieren. Deshalb kann ich nicht sagen, wie gut die funktioniert.
Sehr guter Artikel. Ich nutze Starlink auch schon länger, noch mit der alten Standard-Antenne mit Motor. Die 10-Euro-Pausengebühr kann man sich übrigens sparen. Offiziell sichert man sich mit dieser Gebühr ja einen Slot auf dem Satelliten, ich behaupte, dass ist nur Geldmacherei. Wenn man in seinem Profil genauer nachsieht, kann man auch auf Null Euro Pause gehen. Die Option ist allerdings gut versteckt und war zuletzt in der App gar nicht mehr auffindbar – auf der Starlink-Webseite aber schon. Mache ich so seit etwa einem Jahr, gefühlt dauert die Aktivierung des Tarifs, wenn ich dann doch wieder will, etwas länger.… Mehr lesen »
Gut zu wissen, vielen Dank für die Infos!