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Johannes Erdmann überquerte im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal einhand den Atlantik. Während seines Schiffbaustudiums schrieb er sein erstes Buch „Allein über den Atlantik“. Nach zehn Jahren als Wassersportjournalist, rund 60.000 Seemeilen im Kielwasser und sieben Jahren auf See gibt er heute seine Erfahrung vom Langfahrtsegeln als Berater und Journalist weiter. Mit Shorecrew.de begleitet er zudem angehende Eigner auf dem Weg zur eigenen Yacht und ist der Chefredakteur von BLAUWASSER.DE.
Medizinischer Notfall wegen Seekrankheit
Nur wer selbst einmal seekrank geworden ist, weiß, wie schlimm die Symptome sein können. Manch ein Segler sieht keinen Ausweg mehr aus seiner prekären Lage und es gab sogar schon Seekranke, die aus Verzweiflung über Bord gesprungen sind.
Östlich von Rügen löste ein stark seekranker Segler am 6. August einen umfangreichen Rettungseinsatz aus, an dem mehrere Schiffe und ein Hubschrauber beteiligt waren. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) führte die Rettung gemeinsam mit einem Rettungshubschrauber von NHC Northern Helicopter und einem Minenjagdboot der Deutschen Marine durch, um einen seekranken Segler von einer 7,5 Meter langen Segelyacht abzubergen.

Schwacher Notruf über Kanal 16
Gegen 16.30 Uhr ging bei der Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio der DGzRS ein nur schwer verständlicher Notruf über UKW-Kanal 16 ein, der auf einen medizinischen Notfall hindeutete. Zunächst war weder die genaue Position noch das Ausmaß des Notfalls eindeutig zu erkennen. Erst die polnische Fähre POLONIA konnte den Funkspruch klar aufnehmen und die Position des Bootes bestimmen: Rund 20 Seemeilen östlich von Rügen befand sich eine Segelyacht, auf der dringend medizinische Hilfe benötigt wurde.
Daraufhin alarmierte das Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) in Bremen die Seenotretter der Station Sassnitz und den Rettungshubschrauber. Auch das sich in der Nähe der Unglückstelle befindliche Minenjagdboot BAD BEVENSEN der Deutschen Marine trat dem Einsatz bei.
Hubschrauber konnte Notarzt nicht abwinschen
Der Rettungshubschrauber erreichte die Segelyacht als Erstes. Aufgrund des Westwinds der Stärke 5 und bis zu zweieinhalb Metern Seegang war es der Crew jedoch nicht möglich, den Notarzt und die Notfallsanitäterin an Deck des nur 7,5 Meter langen Bootes abzuwinschen.
Stattdessen setzte der Hubschrauber die beiden Einsatzkräfte auf dem Hubschrauberarbeitsdeck des Seenotrettungskreuzers HARRO KOEBKE ab. Von dort brachten die Seenotretter das medizinische Team mit ihrem Tochterboot NOTARIUS zur Segelyacht.
Schwere Seekrankheit ist kein harmloses Problem
Vor Ort stellte sich heraus, dass ein Segler unter schwerer Seekrankheit litt und medizinisch versorgt werden musste. Die Seenotretter übernahmen den Mann auf die NOTARIUS, wo Notarzt und Notfallsanitäterin ihn im geschützten Deckshaus behandelten und stabilisierten.
Der zweite Segler blieb zunächst an Bord des Segelboots, bis ein Marinesoldat auf das Boot überstieg und auch die zweite Person vom Beiboot der BAD BEVENSEN abgeborgen werden konnte.

Marine schleppte die Segelyacht ab
Während die Seenotretter den Patienten nach Sassnitz transportierten und unterwegs weiter medizinisch versorgten, nahm die BAD BEVENSEN die Segelyacht ins Schlepp. Gegen 20.15 Uhr erreichte die NOTARIUS den Hafen von Sassnitz. Dort übergaben die Seenotretter den Patienten an den Rettungsdienst und übernahmen anschließend auch den zweiten Segler sowie die Yacht von der Marine, um beide sicher in den Hafen zu bringen.
Schwere Seekrankheit kann auf See gefährlich werden
Die wenigsten Segler beschäftigen sich mit dem Thema, solange sie selbst noch nie seekrank waren. Doch der Einsatz vor Rügen zeigt, dass aus einer vermeintlichen Befindlichkeitsstörung schnell ein echter medizinischer Notfall werden kann.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet im Ratgeber „Seefit statt seekrank“ von Dr. Stefanie Kamke und Sönke Roever zahlreiche wissenschaftlich fundierte Tipps und praktische Strategien. Ergänzend bieten die Autoren regelmäßig Seminare an, in denen sie zeigen, wie sich Seekrankheit vermeiden oder zumindest deutlich abschwächen lässt.


























