Ein Beitrag von

Dietmar Wendel
Der Maschinen- und Anlagenmonteur ist seit frühester Kindheit auf Segelbooten unterwegs und Geschäftsführer des Yachtausrüsters Wendel & Rados. Das Unternehmen mit Sitz in Greifswald ist Erstausrüster der HanseYachts AG und spezialisiert auf die Ausstattung der Segel- und Motoryachten der Marken Hanse, Dehler, Moody, FJORD, SEALINE und RYCK. Zudem bietet Wendel & Rados eine umfassende Betreuung und erstklassige Produkte aus einer Hand: von der Segelmacherei über Riggtechnik bis hin zur Yachtelektrik und -elektronik sowie einen Motorenservice. Dazu gehören auch das Ein- und Auswintern von Yachten und der Verkauf von Yachtausrüstung in einem der größten Yachtshops der Region.
Vor jeder neuen Saison steht das Auswintern der eigenen Yacht auf dem Programm
Die ersten warmen Sonnenstrahlen kitzeln im Gesicht, die Tage werden länger. Dann ist es Zeit, das eigene Boot aus dem Winterschlaf zu holen. Bei uns im Betrieb herrscht dann Hochkonjunktur. Als führender Yachtausrüster mit dem größten Yachtausrüstershop der Region sind wir auf die individuelle Ausstattung, Pflege und Veredelung von Segel- und Motoryachten spezialisiert und übernehmen alle Servicearbeiten bis auf den Rumpfcheck für Eigner.
Bevor wir jedoch eine Yacht nach dem Winter für die Saison auf dem Wasser freigeben, steht das Auswintern an. Diese Phase ist entscheidend für einen sicheren und sorgenfreien Start in die neue Saison. Logischerweise gilt das für jeden Eigner. Daher zeige ich in diesem ausführlichen Leitfaden einmal Schritt für Schritt, worauf geachtet werden sollte – vom Rumpf über das Rigg bis hin zur Elektrik.

1. Rumpf und Deck
Rumpfkontrolle
Der erste Blick gilt dem Unterwasserschiff. Der Rumpf muss sorgfältig auf Osmoseblasen, Lackschäden oder Delamination geprüft werden. Besonders an Borddurchlässen und Seeventilen können Haarrisse auftreten. Idealerweise passiert das bereits beim Einlagern nach dem Saisonabschluss.
Tipp: Für jedes Seeventil sollte ein passender Leckstopfen direkt an das jeweilige Seeventil angebunden werden, damit er im Notfall gleich zur Hand ist.
Zustand von Anoden und Antifouling
Opferanoden am Rumpf, Bugstrahlruder, an der Welle oder am Z-Antrieb sollten einmal jährlich inspiziert werden und nicht zu weit abgetragen sein – im Zweifelsfall besser tauschen. Beim Antifouling kommt es auf Zustand und Typ an: Ein kräftiges Anschleifen oder ein neuer Anstrich schützt vor Bewuchs und spart später Aufwand.

Kontrolle der Decksausrüstung
Decksbeschläge, Winschen, Traveller, Umlenker und Fallenstopper müssen auf festen Sitz und Funktion geprüft werden. Die Winschen gegebenenfalls öffnen, reinigen und neu fetten. Auch kugelgelagerte Blöcke und Trimmeinrichtungen wie Traveller, Genuaschienen sollten mit Wasser gespült und gegebenenfalls mit einem Tropfen ONEdrop behandelt werden.
Fenster, Luken und Dichtungen ebenfalls reinigen und auf Dichtigkeit prüfen. Auch Relingsdrähte und Spanner verdienen ein wachsames Auge.
Tipp: Fender und Festmacher werden oft übersehen, sind aber essenziell. Auch sie sollten auf Scheuerstellen, UV-Schäden und Funktion überprüft werden. Das gilt auch für die Klampen und weitere Leinen.
2. Rigg, laufendes und stehendes Gut
Bei Wendel & Rados riggen wir jedes Jahr mehr als 800 Yachten auf und ab. Daher möchte ich hier die neuralgischen Punkte aufzeigen, die es zu beachten gilt.
Mast und stehendes Gut
Ein sicherer Mast ist das Rückgrat jedes Segelbootes. Rollen und Umlenkungen der Fallen müssen leichtgängig funktionieren, die Elektrik am Masttopp geprüft und alle Beschläge mit den dazugehörigen Bolzen und Nieten untersucht werden. Eine Sichtprüfung der Wanten und Stagen ist Pflicht – insbesondere an den Walzterminals, wo oft erste Anzeichen von Materialermüdung sichtbar werden.
Unser Tipp: Einmal pro Jahr einen kostenlosen Rigg-Check von unserem Team durchführen lassen.

Wantenspanner und Splintsicherungen
Wantenspanner sollten gründlich gereinigt und mit passendem Fett oder Wantenspanneröl geschmiert werden. Spannschrauben und Terminals sollten festsitzen und mit Stecksplinten gesichert sein – Ringsplinte sind ungeeignet, sie lösen sich zu leicht.

Rollreffanlage und Furlerleine
Zudem sollte die Rollanlage gereinigt und auf leichten Lauf geprüft werden. Die Furlerleine darf keine Scheuerstellen aufweisen und muss korrekt durch Blöcke oder Führungen laufen.

Großbaum und Kicker
Auch der Baum verdient Beachtung: Reffleinen, Unterliekstrecker, Rollen und vor allem die Gasdruckfeder am Kicker müssen überprüft werden. Schäden führen hier schnell zu gefährlichen Situationen unter Segeln.
3. Segel und Verdecke
Segelcheck
Jedes Segel sollte sorgfältig kontrolliert werden, vor allem die Nähte, Liekleinen, Lattentaschen, Reffreihen und Ecken. Besonders muss auf UV-Schäden geachtet werden, brüchiger Stoff oder abgeplatzte Beschichtung sind ein klares Zeichen für Handlungsbedarf. Auch Anbauteile wie Mastrutscher und Liekleinenklemmen dürfen bei der Inspektion nicht fehlen. In unserer Segelmacherei nehmen wir auf Wunsch eine kostenlose Segeldurchsicht vor, beraten zu Reparaturen und begutachten Schäden.

Verdecke und Schutzsysteme
Sprayhoods, Biminis, Kuchenbuden – all das muss wetter- und windfest sein. Dazu müssen die Reißverschlüsse, Fenster und Druckknöpfe geprüft werden. Gegen Schimmel und Stockflecken helfen spezielle Reinigungsmittel. Regelmäßige Pflege verlängert die Lebensdauer enorm.
Tipp: Die Segel einmal im Jahr von einem Segelmacher prüfen lassen, das verlängert nicht nur die Lebensdauer, sondern kann auch versteckte Schäden frühzeitig aufdecken.
Auch Verdecke und Persenninge reparieren wir in unserer Segelmacherei fachgerecht oder beraten zu Schäden.

4. Motor und Antrieb
Öl- und Ölfilterwechsel
Ein neuer Ölfilter samt frischem Motoröl pro Jahr ist Pflicht. Auch das Getriebeöl sollte kontrolliert und einmal jährlich gewechselt werden.
Achtung: Das gilt auch für Z-Antriebe – in dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen den Antrieben.

Kühlwasser und Impeller
Der Impeller ist ein Verschleißteil – er sollte nicht nur kontrolliert, sondern präventiv getauscht werden. Der gesamte Kühlwasserkreislauf muss auf Ablagerungen oder Lecks geprüft werden. Bei Motoren mit Zweikreiskühlung ist auch das Kühlmittel im inneren Kühlkreislauf regelmäßig optisch zu prüfen und im Zweifel prophylaktisch zu erneuern, damit es nicht zu Schäden kommt.

Kraftstoffsystem
Bei der Jahresinspektion die Filter im Kraftstoffsystem erneuern und regelmäßig beim Tanken ein Additiv gegen Dieselpest einsetzen.
Wenn im Vorfilter bereits Ablagerungen oder Wasser zu erkennen sind, dann sollte der Tank gegebenenfalls gereinigt werden, weil sich auch dort häufig Schmutz und Wasser absetzen.

Antriebskontrolle
Wellen- oder Saildrive-Dichtungen müssen zum Saisonstart geprüft, die Schmierstellen gefettet und die dazugehörigen Anoden kontrolliert werden. Dabei untersuchen wir auch den Propeller regelmäßig auf Spiel, Risse oder beschädigte Kanten.

5. Bordelektrik
Batterien
Die Batterien sollten geladen sein und ihre Spannung unter Last gemessen werden. Zudem muss geprüft werden, ob das Ladegerät funktioniert und die Lichtmaschine korrekt arbeitet.
Beleuchtung und Navigation
Navigationslichter, Innenbeleuchtung, Instrumente und Funkgeräte sollten getestet werden. Dabei müssen korrodierte Kontakte gereinigt und defekte Glühbirnen und LEDs ersetzt werden.

Kabel und Sicherungen
Bei der Kontrolle der Bordelektrik: Kabelverbindungen durch Sichtprüfung auf Korrosion prüfen, lose Kabel befestigen und Ersatzsicherungen bereitlegen. Besonders bei älteren Booten lohnt sich ein kritischer Blick auf Steckverbindungen und Klemmenleisten.

6. Trinkwasser und Sanitär
Wassersysteme
Im Trinkwassersystem Tanks und Leitungen mit klarem Wasser durchspülen und gegebenenfalls mit einem geeigneten Reinigungsmittel desinfizieren. Für den Wassertank ist es zudem empfehlenswert, ein Konservierungsmittel, wie beispielsweise Aquaclean, zu nutzen. Wasserpumpen und alle Wassersysteme auf Dichtigkeit und Druckverhalten prüfen – wenn etwas undicht ist, schaltet sich die Pumpe von selbst ein. Bei einer Trinkwasseranlage wird der Boiler von uns auch automatisch entlüftet.

Sanitäranlagen
Die Sanitäranlagen, Dusche und Toilette auf Funktion, Dichtigkeit und Geruchsbildung prüfen. Auch die dazugehörigen Seeventile und Dichtungen des Abwassersystems müssen überprüft werden.
7. Sicherheitsausrüstung
Rettungsmittel
Rettungswesten, Lifelines und Gurte müssen einer Sichtprüfung unterzogen werden. Sind alle Automatikpatronen einsatzbereit? Sind ein bis zwei Reservepatronen an Bord, um diese gegebenenfalls wechseln zu können? Ist der Schrittgurt vorhanden? Im Zweifel: Wartung oder Austausch!
Tipp: Es hat sich bewährt, rechtzeitig mit der Wartung der Rettungswesten zu beginnen. Wir empfehlen unseren Kunden daher, ihre Rettungswesten im Winter in unserem Shop abzugeben, damit sie diese zum Saisonstart frisch gewartet in Empfang nehmen können.

Feuerlöscher und Signalmittel
Feuerlöscher dürfen das Ablaufdatum nicht überschreiten, ebenso Signalraketen, Fackeln oder Rauchsignale. Generell müssen diese trocken und gut erreichbar gelagert werden.
Anker und Zubehör
Bei der Ankeranlage Kette und/oder Leine kontrollieren sowie die Schäkel mit Kabelbindern sichern. Auch der Zustand der Winsch und des Bugbeschlags gehören zur Kontrolle.
Erste-Hilfe-Kasten
Bei Medikamenten in der Bordapotheke sollte das Verfallsdatum der Präparate gecheckt werden. Unter Umständen sind die Bestände an Pflastern und anderem Verbrauchsmaterial zu ergänzen.
Lenzpumpen
Lenzpumpen auf Funktion prüfen – elektrisch wie manuell. Insbesondere bei manuellen Handlenzpumpen neigt die Gummimembran dazu, porös zu werden.
8. Probelauf und finale Checks
Motor starten
Beim ersten Start des Motors auf ungewöhnliche Geräusche, Rauchentwicklung oder Undichtigkeiten achten. Der Motor sollte mindestens 15 Minuten laufen, dabei müssen Temperaturverhalten, Ladestrom und mögliche Leckstellen genau beobachtet werden. Das machen wir alles im Rahmen des Auswinterungsservice.

Alle Systeme testen
Am besten werden auch noch der Wasserdruck, die Elektrik und die Navigationselektronik im Hafen geprüft. Danach folgt die Probefahrt: Manöver, Motordrehzahl, Steuerverhalten – erst wenn alles passt, ist das Boot wirklich einsatzbereit.

Fazit
Gründliches Auswintern ist mehr als Routine – es ist aktive Sicherheit und Werterhaltung. Bei Unsicherheit oder Zeitmangel ist es besser, professionelle Hilfe von Fachbetrieben in Anspruch zu nehmen, als Wartung und Kontrolle zu vernachlässigen. Nur wer sich die Zeit nimmt und alle Komponenten systematisch überprüft, startet mit einem guten Gefühl in die neue Saison und ist bereit für neue Abenteuer auf dem Wasser.
Für weitere Informationen siehe auch: www.yachtausruester.de























