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Johannes Erdmann überquerte im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal einhand den Atlantik. Während seines Schiffbaustudiums schrieb er sein erstes Buch „Allein über den Atlantik“. Nach zehn Jahren als Wassersportjournalist, rund 60.000 Seemeilen im Kielwasser und sieben Jahren auf See gibt er heute seine Erfahrung vom Langfahrtsegeln als Berater und Journalist weiter. Mit Shorecrew.de begleitet er zudem angehende Eigner auf dem Weg zur eigenen Yacht und ist der Chefredakteur von BLAUWASSER.DE.
Frischwasser an Bord auf Knopfdruck
Für den Langfahrtsegler gehören sie heute zum Standard – und selbst bei Charterbooten werden sie immer verbreiteter: elektrische Seewasser-Entsalzungsanlagen, umgangssprachlich „Wassermacher“ genannt. Während es sich dabei früher um große und kompliziert zu bedienende Kästen handelte, mit einer lauten Hochdruckpumpe und allerlei Ventilen und Manometern, ist die Technik heute deutlich einfacher geworden. Auf vielen Booten finden sich auf einem kleinen Paneel in der Naviecke lediglich zwei Knöpfe: Der eine sagt „On/Off“, der andere sagt „Spülen“.
Eine unkompliziert zu bedienende Technik, die jedoch das Lebensgefühl und den Komfort an Bord enorm steigern kann. Es lebt sich ganz anders, wenn genügend Wasser zur Verfügung steht, um nach jedem Baden das Salz von der Haut zu duschen und auch die gelegentliche Waschmaschine zu befüllen.
Völlig normal zuhause. Und auch immer normaler auf Langfahrtyachten. Zumindest solange die Technik funktioniert.

Die Idee der Wassermacher-Produktion entstand auf der eigenen Atlantikrunde
Nach mehreren Jahren als Maschinenbauingenieur in großen Industrieunternehmen beschloss Julian Schlichtenmayer während der Covid-Pandemie eine Auszeit zu nehmen. Mit einer Gib’Sea setzte er die Segel in Richtung Karibik mit dem Ziel einer Atlantikrunde.
„Die Wasserproduktion war während der gesamten Reise ein ständiges Thema“, erinnert sich Schlichtenmayer. An Bord war ein Katadyn Survivor 40. Ein kleines System, das nicht nur von Hause aus lediglich fünf Liter Wasser die Stunde produzierte, sondern auch noch in die Jahre gekommen war. „Ich habe ihn ständig reparieren müssen und immer wieder überlegt, ob ich einen neuen Wassermacher kaufen soll. Aber wenn man nur eine Atlantikrunde macht, dann lohnt sich das eigentlich kaum.“
Schlichtenmayer hielt seine Entsalzungsanlage zwar bis zum Ende der Reise am Leben, doch unterwegs reifte bereits eine andere Idee: Nach seiner Rückkehr wollte er selbst Wassermacher entwickeln.
Deshalb nutzte er bereits unterwegs die Nähe anderer Fahrtensegler und ihrer Boote, um eine Recherche zu betreiben: Was sind die Vor- und Nachteile verschiedener Wassermacher-Modelle, wo liegen die Anfälligkeiten und Probleme bei der Wartung – und was wäre die ideale Lösung? „Ich schaute mir viele verschiedene Modelle an, sprach mit vielen Eignern und begann schon unterwegs, meinen eigenen Watermaker zu entwickeln“, so Schlichtenmayer.
Erfahrungen mit Wassermachern sammeln
Mit der Rückkehr von der Atlantikrunde war die Entwicklung abgeschlossen. „Mittlerweile wusste ich genau, worauf es ankommt, welche Komponenten Probleme machen, welche Lösungen sich bewähren und was sich die Kunden eigentlich wünschen“, sagt Schlichtenmayer. Bereits Ende 2023 bot Ocean-Spring die ersten eigenen modularen Wassermacher an: 230-Volt-Systeme mit Hochdruckpumpe und einer Produktionsleistung zwischen 60 und 200 Litern pro Stunde.
Doch für den Betrieb war eine große Batteriekapazität und ein Inverter nötig, um die 800- bis 1.800-Watt-Pumpe zu betreiben – oder ein eigener Generator. Alternativ bot der Schwabe jedoch auch zwei Systeme für 12 bis 48 Volt mit an, die jedoch in der 12-Volt-Version und einem Stromverbrauch von 55 Ampere pro Stunde ebenfalls nicht gerade für kleinere Yachten geeignet waren. Klassische Watermaker eben. Aber für Schlichtenmayer zugleich ein Wegbereiter für eine anspruchsvollere Entwicklung.

So funktioniert ein Wassermacher
Im Kern arbeitet jeder Wassermacher nach dem Prinzip der Umkehrosmose. Zunächst wird Seewasser angesaugt und durch ein Filtersystem geschickt, genauer: einen Grobfilter sowie zwei Feinfilter, die Schmutzpartikel und andere Verunreinigungen zurückhalten.
Anschließend bringt eine Hochdruckpumpe das Wasser auf einen Druck von rund 50 bis 70 bar und presst es durch eine halbdurchlässige Membran.

Deren Poren sind so fein, dass lediglich Wassermoleküle hindurchtreten können. Gelöste Salze, Bakterien, Viren und andere Verunreinigungen bleiben hingegen zurück. Auf der anderen Seite der Membran entsteht so salzfreies Trinkwasser.

Das übrige Wasser verlässt die Membran als hochkonzentrierte Salzlösung – das Brine-Wasser – und wird zurück ins Meer geleitet. Je nach Salzgehalt und Wassertemperatur müssen dafür Drücke von etwa 55 bis 70 bar aufgebaut werden. Diese Hochdruckerzeugung geschieht meist mit einer 230-Volt-Industriepumpe und ist der Grund, warum herkömmliche Wassermacher vergleichsweise viel elektrische Energie benötigen.

Stromsparende Wassermacher: Wie die Energie-Rückgewinnung funktioniert
Bei einem konventionellen Wassermacher geht der größte Teil der zuvor aufgewendeten Energie ungenutzt verloren, denn wenn das Konzentrat die Membran verlässt und außenbords geleitet wird, dann steht es immer noch unter einem hohen Druck.
Systeme mit Energie-Rückgewinnung nutzen diese ansonsten verschwendete Energie. Statt das unter Druck stehende Konzentrat einfach in die See zu leiten, wird es zurück in den Wassermacher geleitet und treibt dort einen Energierückgewinnungsmechanismus an. Dieses unterstützt den nächsten Pumpvorgang und übernimmt einen Teil der Arbeit, die sonst allein von der elektrischen Pumpe geleistet werden müsste.

Dadurch sinkt die Leistungsaufnahme erheblich, ohne dass die Wasserproduktion reduziert wird. Das Prinzip ist seit vielen Jahren erprobt und hält inzwischen zunehmend Einzug in kompakte Wassermacher für Segelyachten. Durch das Energie-Rückgewinnungsprinzip braucht der Wassermacher bis zu 70 Prozent weniger Energie und lässt sich sogar mit kleinen Solaranlagen betreiben. Um 30 Liter Wasser zu produzieren, benötigt er lediglich 110 Watt – 9 Ampere.
Der erste Wassermacher mit Energie-Rückgewinnung – made in Germany
Mit dem Kyma bringt Ocean-Spring nun als erstes Unternehmen einen Wassermacher dieser Bauart auf den Markt, der in Deutschland entwickelt und produziert wird. Konstruktion, Entwicklung und Endmontage erfolgen im eigenen Betrieb. Die Fertigung im eigenen Haus ermöglicht kurze Wege, eine enge Qualitätskontrolle und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Technik – während Kunden von direkten Ansprechpartnern sowie kurzen Liefer- und Servicewegen profitieren.

Drei Ausstattungsvarianten
Der Kyma ist in den Varianten „Light“ und „Comfort“ erhältlich, die dritte Variante „Prime“ ist derzeit in der Entwicklung und wird noch weitere Möglichkeiten bieten.
Kyma Watermaker Light – einfach und zuverlässig
Das Einstiegsmodell richtet sich an Segler, die möglichst wenig Elektronik an Bord möchten. Das Bedienfeld besitzt lediglich zwei Tasten – Ein und Aus. Im Inneren arbeitet außer einem Relais praktisch keine Elektronik, kein Timer und keine Automatik.

Kyma Watermaker Comfort – smart und komfortabel
Die Comfort-Version ist ergänzt durch eine elektronische Steuerung mit WLAN. Über Smartphone oder Tablet können unter anderem der TDS-Wert überwacht, Grenzwerte eingestellt oder Spülintervalle programmiert werden. Auch zeitgesteuerte Wasserproduktion ist möglich: Ein längerer Tastendruck startet beispielsweise einen dreistündigen Produktionszyklus, der anschließend automatisch mit einer Spülung endet. Der TDS-Wert wird kontinuierlich überwacht und automatisch zwischen einer Produktion zum Durchspülen und der Weiterleitung an den Tank umgeschaltet.

Kyma Watermaker Prime
Die Topversion erhält zusätzlich eine NMEA-2000-Schnittstelle und lässt sich vollständig in das Bordnetz integrieren. Betriebsdaten können künftig direkt auf Plottern oder Multifunktionsdisplays angezeigt werden.
Smartphone statt Touchscreen
Während viele Hersteller ihre Wassermacher mit eigenen Touchdisplays ausstatten, verfolgt Ocean-Spring einen anderen Ansatz. „Ich finde es nicht mehr zeitgemäß, jedes Gerät mit einem eigenen Bildschirm auszustatten“, so Schlichtenmayer. Wer mehr Funktionen nutzen möchte, verbindet sich per WLAN mit dem Wassermacher und nimmt sämtliche Einstellungen bequem auf Smartphone oder Tablet vor.

Lieferung des Watermaker in alle Welt
Obwohl Ocean-Spring noch recht jung auf dem Markt ist, ist die Nachfrage bereits groß. „Ob Mittelmeer, Karibik oder die Seychellen – wir liefern unsere Geräte überall hin“, bestätigt Schlichtenmayer. Dass das nicht nur ein Werbeversprechen ist, zeigt auch eine der Kundinnen: Einhandseglerin und BLAUWASSER.DE-Autorin Marga Keyl ließ sich ihren Kyma in die Karibik schicken und betreibt ihn seit einigen Wochen auf ihrer Contest 36.

Für Marga waren vor allem zwei Argumente ausschlaggebend: der geringe Platzbedarf und der niedrige Stromverbrauch. Auf ihrem vergleichsweise kleinen Boot mit begrenzter Solarfläche kam für sie nur ein System mit Energie-Rückgewinnung infrage. „Ich möchte nicht jeden Tag den Motor laufen lassen, um Wasser zu machen“, sagt sie. Mit rund neun Ampere Verbrauch lässt sich der Wassermacher bei ihr an sonnigen Tagen problemlos ein bis drei Stunden betreiben – gespeist von 245 Watt fest installierter Solarleistung, einem zusätzlichen mobilen 120-Watt-Modul und gelegentlich Unterstützung durch den Windgenerator.

Auch Einbau und Wartung beschreibt sie als unkompliziert. Um einen geeigneten Platz für die Montage zu finden, entfernte sie sogar einen der zwei Wassertanks und verkleinerte die mögliche Tankkapazität ihrer Yacht von 200 auf rund 120 Liter.
Bereut hat sie die Entscheidung für den Kyma nicht: „Man kauft sich definitiv ein Stück Lebensqualität. Die ständige Überlegung, wo man das nächste Mal Wasser tanken kann, und das Kanisterschleppen fallen weg. Duschen, Haarewaschen mit Frischwasser, regelmäßig die Ankerkette oder das Deck spülen – alles kein Problem mehr. Ich möchte den Wassermacher nicht mehr missen.“

Zwei Konzepte – zwei Philosophien
Obwohl der Kyma für viele Segler mit kleineren Booten die strom- und platzsparende Ideallösung darstellt, hält Ocean-Spring weiterhin an beiden Modellen fest. Denn beide haben ihre Daseins-Berechtigung:
Die klassischen Modelle arbeiten mit einer konventionellen Hochdruckpumpe. Sie gelten als robust und sind technisch leicht nachvollziehbar. „Für die klassischen Systeme spricht vor allem ein Punkt“, sagt Schlichtenmayer, „Jedes Bauteil erfüllt nur genau eine Aufgabe. Dadurch ist die Technik sehr einfach zu verstehen und auch unterwegs gut zu reparieren.“

Der Kyma hingegen richtet sich an Eigner, die „Wasser auf Knopfdruck“ schätzen und weder Manometer im Blick behalten noch Ventile bedienen möchten. Während der Kyma Light weitgehend ohne Elektronik auskommt, übernehmen ab der Comfort-Version zusätzliche Sensoren und Überwachungssysteme weitere Aufgaben. Trotz dieser zusätzlichen Technik legt Schlichtenmayer Wert darauf, dass auch diese Modelle robust und möglichst unanfällig bleiben. Konstruktiv unterscheidet sich der Kyma dabei in einigen Punkten von seinen Mitbewerbern.

„Die gesamte Anlage ist modular aufgebaut, Haupteinheit und Membran direkt miteinander verschraubt“, sagt der Erbauer. Statt Gewindeverbindungen mit Teflonband, wie viele Mitbewerber sie einsetzen, setzt Ocean-Spring auf O-Ring-Dichtungen. Auf Hochdruckschläuche verzichtet Ocean-Spring vollständig. „Dadurch entfallen zahlreiche potenzielle Leckstellen. Dazu sind die Rohre alle aus Titan gefertigt und deshalb überaus langlebig.“

Während im Kyma 30 Light eine klassische Membranpumpe den nötigen Druck erzeugt, werden alle größeren Modelle mit einer leisen und vibrationsarmen Rotationspumpe und bürstenlosem Motor geliefert. Dadurch arbeitet das System deutlich leiser als Vergleichsmodelle und eignet sich auch zum Einbau unter der Koje.

Fazit
Mit dem Kyma bringt Ocean-Spring als erster deutscher Hersteller einen Wassermacher mit Energie-Rückgewinnung auf den Markt. Der geringe Strombedarf von nur rund 110 Watt, die wartungsfreundliche Konstruktion und das einfache Bedienkonzept machen ihn besonders für Fahrtensegler mit begrenztem Energiehaushalt interessant.
Dass der Kyma nach Herstellerangaben zugleich der günstigste Wassermacher mit Energie-Rückgewinnung am Markt ist, dürfte die effiziente Technik umso attraktiver machen.
Mehr zu den Kyma-Wassermachern gibt es hier.


























Klingt überzeugend, braucht nur halb so viel Strom wie meiner. Fehlen noch die zum Tausch motivierenden Preise.
Interessant, mir fehlt die technische Information, warum der neue nur die Hälfte Strom pro Liter braucht wie der Katadyn.