Erfahrungsbericht: Durch den Panamakanal ohne Agenten

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Jennifer verbringt seit ihrem 15. Lebensjahr die meiste Zeit auf den Weltmeeren. Durch das "Klassenzimmer unter Segeln" begann sie zunächst als Schülerin, später als Crewmitglied und zuletzt als Steuerfrau auf Traditionsseglern zu segeln und sammelte hier schon über 35.000 Seemeilen, unter anderem auf zwei Atlantikumrundungen. Später entschied sie sich, die Seefahrt zu ihrem Beruf zu machen und arbeitet seit 2018 als Nautische Offizierin auf Gas-Tankern. Zuletzt segelte sie 2023 auf einer 39-Fuß-Yacht von Deutschland nach Neuseeland. Aktuell lebt sie auf ihrer Yacht in Neuseeland.

Fakten zum Panamakanal

Der Panamakanal verbindet den Atlantik, genauer das Karibische Meer, mit dem Pazifik. Yachten, welche die Welt auf der Barfußroute umsegeln, werden diesen passieren müssen. Eine Umfahrung südwärts bedeutet mehr als 8.000 Meilen Umweg und ist nicht mehr Teil der Barfußroute. Insgesamt sechs Schleusen müssen auf dem 82 Kilometer langen Kanal durchfahren werden.

Die Reise startet meist frühmorgens in Colón mit der Lotsenübernahme vor der Shelter Bay Marina und weiter unter der Atlantikbrücke hindurch in das erste Set Schleusen. Die drei Gatun-Schleusen bringen die Yacht von Meeresniveau um insgesamt 26 Meter hoch in den Gatunsee. Mit dem Gatunsee beginnt die eigentliche Durchfahrt: Grüne Wälder säumen den Uferrand, bevor sich die Landschaft wandelt, immer karger wird und der Kanal immer enger. Dieser Teil des Panamakanals heißt „Gaillard Kanal“, auch als „Cut“ bekannt. Er wurde vor vielen Jahren in die Felsen des Gebirges geschnitten. Nach einigen Meilen wird die nächste Schleuse erreicht.

Der Cut verbindet den Gatunsee mit den Schleusen auf der Pazifikseite. ©Erika/stock.adobe.com

Mit der Pedro-Miguel-Schleuse geht es gut zehn Meter hinab in Richtung Pazifik. Vom Ausgang der Schleuse ist bereits das letzte Set Schleusen zu erkennen. Die Miraflores-Schleusen bringen die Yacht über zwei Kammern 16 Meter in die Tiefe zurück auf Meeresniveau. Dann öffnen sich die Schleusentore und es geht unter der „Bridge of the Americas“ hindurch in den Pazifik.

Der Lotse geht von Bord und anschließend ankern die meisten Yachten vor Panama City. Im schnellsten Fall kann der Kanal in etwa zehn bis zwölf Stunden passiert werden, doch der Weg bis dahin scheint auf den ersten Blick etwas schwierig. Mit Hilfe dieses Beitrags sollte das Ganze problemlos machbar sein.

Von der Miraflores-Schleuse ist es nicht mehr weit bis zum Pazifik. ©Jennifer Wiedemann

Der Kanal kann täglich von maximal neun Yachten bis maximal 65 Fuß durchfahren werden. Die Boote gehen dabei immer in Gruppen von drei in den Kanal. Sechs Yachten frühmorgens (Lotsenübernahme gegen vier Uhr) und drei am Spätnachmittag (Lotsenübernahme gegen 16 Uhr). Die drei Yachten am Nachmittag werden an diesem Tag lediglich die Gatun-Schleusen durchfahren und im Anschluss an eine Muring-Tonne im Gatunsee vertäut. Die Durchfahrt wird dann erst am nächsten Tag fortgesetzt.

Ansteuerung im Dreierpäckchen auf die erste Schleuse. ©Jennifer Wiedemann

Vorbereitung zur Durchquerung des Panamakanals ohne Agenten

Bis zu einer erfolgreich gemeisterten Kanaldurchfahrt ist es ein langer Weg. Die Vorbereitung kann durch einen Agenten erledigt werden, ohne Agenten werden jedoch rund 400 US-Dollar gespart. Zunächst also ein Überblick der einzelnen Schritte, wenn der Kanal ohne einen Agenten organisiert werden soll:

  • Anlegen eines Accounts auf der „ASEM“-Internetseite des Kanals
  • Anlegen eines Profils für die Yacht
  • Anfrage stellen für eine Kanaldurchfahrt
  • Bestätigung durch die Kanalbehörden und Überweisung der Gebühr
  • Bestätigung des Erhalts der Gebühr
  • Telefonische Terminvereinbarung für die Durchfahrt
  • Organisation von Leinen und zusätzlichen Fendern
  • Vorbereitung der Yacht auf die Kanaldurchfahrt
  • Telefonische Rückbestätigung des Termins einen Tag vor der Durchfahrt
  • Übernahme der Leinen und Fender und Linehandler
  • Kanaldurchfahrt
  • Abgabe der Leinen und Fender und Linehandler
  • Rücküberweisung der Sicherheitsgebühr (60 Tage nach der Durchfahrt)
Die Fahrt durch den Panamakanal ist ein Erlebnis! ©radiopelicano.de

Eine wichtige Frage kommt natürlich als Erstes auf: Wie weit im Voraus muss ich mich um die Kanaldurchfahrt kümmern? Früher hieß es zwei bis sechs Wochen. Wichtig zu beachten ist: Die „Wartezeit“ beginnt ab erfolgreicher Bezahlung der Kanaldurchfahrt und das bedeutet, das Geld muss beim Kanal angekommen sein und das Finanzdepartment muss das dem „Panama Canal Scheduler“ schriftlich bestätigt haben. Entsprechend rechtzeitig sollte man sich um eine Durchfahrt kümmern. Je nach Jahreszeit und Yachtaufkommen beträgt die Wartezeit eine bis acht Wochen. Hinzu kommt der Geldtransfer (ungefähr zehn Tage), plus die Zeit, die man benötigt, sich im System einzutragen.

Unterwegs auf dem Gatunsee. ©Jennifer Wiedemann

Fallbeispiel: Wir sind Mitte April durch den Kanal gefahren: Dafür haben wir uns das erste Mal Mitte Januar mit der Durchfahrt beschäftigt und haben dann Mitte Februar begonnen, das System zu befüllen. Unser Geld haben wir mit der Sparkasse überwiesen – das hat ungefähr fünf Werktage benötigt und weitere fünf Tage, bis das Department es geschafft hat, die Unterlagen zu übermitteln. Somit konnten wir Ende Februar unseren Termin vereinbaren. Wir hätten hier auch einen Termin im März bekommen, wollten aber bewusst erst im April durchfahren. Dort haben wir dann allerdings nur einen späteren Termin bekommen. Daher würden wir empfehlen, sich spätestens drei Monate im Voraus mit der Thematik zu beschäftigen. Und spätestens zwei Monate im Voraus damit zu beginnen, die Durchfahrt zu buchen.

Notwendige Unterlagen zur Durchquerung des Panamakanals ohne Agenten

Um eine Yacht für eine Kanaldurchfahrt anzumelden, werden folgende Unterlagen und Fotos benötigt:

  • Digitale Version Schiffszertifikat
  • Foto: Seitenansicht gesamte Yacht inklusive Mast
  • Foto: Seitenansicht Bugbereich
  • Foto: Seitenansicht Heckbereich
  • Falls seitlich Überhänge an der Yacht sind: Foto, auf dem diese sichtbar sind
  • Haftpflichtversicherung (empfohlen)
  • Finanzielle Mittel auf einem Bankkonto, das Auslandsüberweisungen nach Panama durchführt

Übrigens: Wir würden von seitlichen Überhängen abraten. Falls im Kanal etwas schiefgeht oder falls Wartezeiten entstehen, kann es sein, dass längsseits an einer hohen Mauer festgemacht wird oder man gegen diese gedrückt wird. Seitliche Überhänge könnten hierbei beschädigt werden.

In einer der Schleusen auf der Atlantikseite des Panamakanals. ©radiopelicano.de

Onlineanmeldung: Die Yacht ins System des Panamakanals eintragen

Bevor die Yacht für die Kanaldurchfahrt angemeldet werden kann, muss ein Account angelegt und die Yacht im System hinterlegt werden. Dies wird auf der Website des Panamakanals durchgeführt. Auf dieser Seite kann man später auch den aktuellen Stand der Bearbeitung ermitteln. Deshalb lohnt es sich, den Link zu speichern.

Auf der Startseite „Sign up now“ klicken und mit den gewünschten Daten einen neuen Account anlegen. ©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

Nach Bestätigung der Emailadresse kann direkt damit begonnen werden, ein Schiff anzulegen.
Nach erfolgreicher Anmeldung ist hier übrigens allerhand Informationsmaterial zu finden. Von Videos über PDFs hat der Panamakanal sich wirklich bemüht. Wir empfehlen, hier den „Boat Creation Guide“ anzusehen, ein 6-minütiges Video, das erklärt, wie ein neues Boot angelegt wird. Über den Button „Transit Requirements“ erreicht man die Customer Forms Webseite. Hier sind die meisten Dokumente für die Berufsschifffahrt, für Yachties ist vor allem das PDF „Procedures for securing a Handline Transit of the Panama Canal“ interessant.

Anlegen einer neuen Yacht im System des Panamakanals

Dafür im Menü auf „My Visits“ gehen und im unteren Bereich „Visit Creation“ auf den Button „Add a new Boat“ klicken. Wurde bereits angefangen, so findet man die Yacht über die Namenssuche wieder. Nun müssen alle Informationen zur Yacht eingegeben werden. Ein Punkt sind die Überhänge/Extensions.

In dieser Grafik ist zu sehen, was bei den Überhängen zu beachten ist. ©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

Zu Beginn haben wir nur die vermerkte Schiffslänge in unseren Bootspapieren und keinerlei Überhänge angegeben. Das hat dazu geführt, dass unser erster Antrag abgelehnt wurde. Deshalb sind wir beim zweiten Versuch folgendermaßen vorgegangen: Überhänge ausmessen bis Vorder- beziehungsweise Achterkante Wasserlinie. Diese auf den Fotos einzeichnen und auf dem Foto vermerken, dass diese bereits in den Schiffspapieren eingerechnet sind.

Die Überhänge müssen im entsprechenden Teil des Formulars eingeben werden. Von der tatsächlichen Schiffslänge müssen die Überhänge abgezogen und dann bei „Register Information“ die daraus resultierende Wasserlinienlänge als Länge angeben werden. Das System rechnet die Überhänge und die Schiffslänge zusammen und gibt im letzten Bereich automatisch die Länge über alles an. Diese sollte natürlich der Realität entsprechen. Deshalb ist es wichtig, am Ende aller Eingaben zu überprüfen, ob die resultierenden Werte korrekt sind.

Schiffsgeschwindigkeit/Cruise Speed

Dieser Punkt beschreibt die Geschwindigkeit, die man sicher und auch bei leichtem Gegenwind unter Motorkraft und ohne Stützsegel einhalten kann und bei der eine für den Motor gesunde Drehzahl gefahren wird. Diese Geschwindigkeit muss mindestens fünf Knoten betragen. Es ist im Kanal kein Problem, schneller zu fahren, allerdings sollte nicht langsamer gefahren werden, da die Planung der Durchfahrten auf Basis dieser Geschwindigkeit basiert. Wird das letzte ausschleusende Schiff verpasst, weil die Yacht langsamer war als angegeben, müssen gegebenenfalls die Kosten für eine zusätzliche Nacht an der Boje bezahlt werden.

Stimmen alle Angaben? Dann „Proceed to create a new Boat”

Die Yacht wird auf Basis dieser Angaben, aber erst nach dem Anlegen der „Kanal-Durchfahrts- Bewegung“, die ich im nächsten Punkt beschreibe, vom Panamakanal-Personal bewertet und überprüft. Sind alle Angaben und eingereichten Fotos zufriedenstellend, folgt in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen eine Bestätigung per E-Mail. Sind Angaben fehlerhaft oder unzureichend, so erhält man auch darüber eine Informationsmail.

©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com
©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

Onlineanmeldung: Die Durchfahrt durch den Panamakanal buchen

Ist die Yacht ordnungsgemäß angelegt, kann eine Anfrage zur Passage des Panamakanals gestellt werden. Hierzu auf der ASEM-Webseite erneut im Menü auf „My Visits“ gehen und im unteren Bereich über die Suchfunktion die eigene Yacht finden. Dann in der Leiste auf „Create“ klicken, um zu einem Formular zu gelangen, welches sich aus mehreren Reitern zusammensetzt. Einige Reiter können erst nach erfolgreicher Bestätigung durch die Kanalbehörden eingesehen und bearbeitet werden.

©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

Im Grunde genommen folgt man anschließend den Angaben und Fragen des Formulars und füllt diese nach besten Gewissen aus. Einige Anmerkungen gibt es dennoch:

1. Visit Creation

Beim Ankunftsdatum muss ein wenig geschummelt werden, denn offiziell kann die Wartezeit erst begonnen werden, wenn die Yacht tatsächlich vor Ort ist. Entsprechend muss der angegebene Termin in der Vergangenheit oder nahen Zukunft liegen. Wer hier den Fehler gemacht hat und einen Termin in weiterer Zukunft angegeben hat, muss sich jedoch keine Sorgen machen. Es kann auch zu einem späteren Zeitpunkt im Formular angeben werden, dass man angekommen ist. Der Status sollte dann nach einem Tag auf „Arrived“ springen. Nun kann mit der weiteren Befüllung des Formulars fortgefahren werden. Dann muss ausgewählt werden, auf welcher Seite man ankommt und in welche Richtung geschleust werden muss. Nach Klick auf “Save and Continue” folgt erstmal ein nettes Werbevideo. 😉

Unter „Arrival“ die Seite angeben, auf der in den Panamakanal geschleust werden soll. ©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

2. General Declaration

Hier ist zu beachten, dass man so tun muss, als wäre man bereits in Panama. Entsprechend muss der letzte Hafen datumsmäßig angepasst werden. Keine Sorge, da fragt nie wieder jemand danach. Die Einklarierung steht nicht in Kontakt mit den Kanalbehörden. Bei der Crew müssen die Linehandler nicht aufgeführt werden. Keine Passagiere angeben – das kann zu zusätzlichen Kosten führen. Sind alle Angaben ausgefüllt, können diese abgeschickt werden und es folgt nach Bestätigung durch die Behörden erneut eine Email mit einer Kopie der Angaben.

3. Handline Lockage Request

In diesem Schritt können die Arten, in den Schleusen festzumachen, ausgewählt werden. In der Regel werden alle ausgewählt, es können aber auch nur einzelne ausgewählt werden. Über das Informations-Icon erhält man eine bildliche Darstellung. Des Weiteren muss hier bestätigt werden, dass die einzelnen Richtlinien eingehalten werden. Diese sind selbsterklärend. Auf den Großteil wird später noch genauer von mir eingegangen.

Im Normalfall werden die Yachten zum Päckchen gebunden und durch Leinen in der Mitte der Schleusen gehalten. ©Jennifer Wiedemann

4. My Payment

Nach erfolgreicher Bearbeitung durch die Kanalbehörden werden die Zahlungsdetails sichtbar. Zum einen ist zu sehen, wie viel Geld zu bezahlen ist. Zum anderen muss angeben werden, wohin die Sicherheitsgebühr zurücküberwiesen werden soll. Falls dies nicht ausgefüllt wird, wird diese einbehalten!

Achtung: Als Zahlungsart Cash auswählen und dann dennoch einfach überweisen. Siehe nächsten Abschnitt.

Der Buffer (Retention Fee) ist die Sicherheitsgebühr, die bei erfolgreicher Kanalpassage zurücküberwiesen wird. ©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

Bezahlung der Gebühren für den Panamakanal

Ist das Formular bisher korrekt ausgefüllt worden, so sollten nach erfolgreicher Bestätigung durch die Kanalbehörden die Zahlungsinformationen sichtbar werden. Dies ist erst nach erfolgreicher „Vermessung“ der Yacht und Prüfung der Angaben der Fall. Daher kann dies ein bis zwei Werktage dauern. Im System kann man lediglich angeben, dass man Cash bezahlen möchte. Dies einfach ignorieren. Das Geld kann überwiesen werden. Die Überweisung ist notwendig, um einen Termin zu machen. In dem zuvor genannten PDF Procedures for securing a handline transit for the panama canal sind die aktuellen Zahlungsdaten und Bankdetails zu finden. Leider sind diese nicht ausreichend für deutsche Banken, deshalb hier nochmal eine ausführlichere Angabe.

  • Name der Bank: Citibank, N.A. Panama
  • SWIFT: CITIPAP10PA
  • Konto: 0550305054
  • Empfänger: Autoridad Canal de Panamá
  • Adresse Empfänger: Edificio de la Administración, Balboa, Ancón, República de Panamá
  • Referenz: Small craft „Bootsname“ – „SIN Nummer“

Wichtig: Alle Kosten gehen zu Händen des Senders. Auf diese Art ist gesichert, dass der korrekte Betrag auf dem Empfängerkonto beim Panamakanal ankommt. Wird zu wenig überwiesen, ist die Bezahlung nicht vollständig und es kann kein Termin gemacht werden.

Nach erfolgreicher Bezahlung einen Screenshot des Überweisungsbelegs mit einer Kopie des Ausweises zusammenschneiden und hier im System hochladen.

©Jennifer Wiedemann/asem.pancanal.com

In der Regel dauert die Überweisung von einer deutschen Bank fünf Werktage. Das Geld fließt dabei über die USA. Das ist normal und muss nicht beunruhigen. Aufgrund des Geldwäschegesetzes der US-Amerikaner muss jeder Banktransfer in US-Dollar über eine amerikanische Bank abgewickelt werden – die sogenannte Intermediäre Bank. Wir haben auch von anderen Seglern gehört, dass diese Wise als Bank genutzt haben. Die Überweisung ging etwas schneller, es muss ein extra Konto angelegt werden.

Unter folgendem Kontakt kann erfragt werden, ob die Bezahlung eingegangen ist:

  • Emailadresse: FA-CAJA@pancanal.com
  • Telefonnummer: +50 72 72 78 07

Die Behörden sprechen in der Regel gutes Englisch. Es sind keine Spanisch-Kenntnisse notwendig.

Terminvergabe für den Panamakanal

Ist die Bezahlung angekommen, muss der „Panama Canal Scheduler“ angerufen werden, um einen Termin zu vereinbaren. Die Nummer steht im ASEM-Formular und lautet +50 72 72 42 02.

Der Panama Canal Scheduler ist den ganzen Tag über erreichbar und nicht wie angegeben nur nach 18 Uhr. Die 18-Uhr-Regel gilt nur für den Tag, an dem das Geld vom Bank Department bestätigt wird. Die Unterlagen werden erst am jeweiligen Abend dem Scheduler vorgelegt.

Übrigens: Wer keine SIM-Karte aus Panama besitzt, kann, um Kosten zu sparen, über Internet anrufen. Einfach einen Account anlegen, Geld aufladen und Panama als Zielland auswählen. Der Anruf kann durchaus einige Minuten dauern und verursacht über die deutsche SIM-Karte hohe Kosten.

Dem Panama Canal Scheduler muss die SIN-Nummer mitgeteilt werden. Diese wird beim Anlegen der Yacht erstellt und ist in der Übersicht „My Visits“ auf der ASEM-Seite zu finden. In der Regel kann dem Scheduler nun ein Wunschzeitraum genannt werden und er gibt an, welche Termine noch frei sind. Ist der Termin zu einem späteren Zeitpunkt als erwünscht, ist es hilfreich, sich eine panamaische SIM-Karte mit Telefonnummer zuzulegen und diese beim Scheduler zu hinterlegen, mit der Bitte, Bescheid zu bekommen, sollte sich ein früherer Termin ergeben. Geschafft! Wir haben den Termin. Wie geht es weiter?

Die Schiffe der Panamax-Klasse passen gerade so in die Schleusen. ©Tamme Wichmann/stock.adobe.com

Ankunft in Panama

Die meisten Yachten erreichen Panama spätestens zwei Wochen vor der Kanaldurchfahrt. Viele nutzen die Zeit, um noch einen Zwischenstopp auf den San-Blas-Inseln zu machen. Die Inseln sind sehr lohnenswert und bringen bereits Südsee-Vibes mit sich.

Falls sich Verspätungen bei der Ankunft in Panama ergeben, kann der Transit über einen Anruf beim Scheduler jederzeit verschoben werden. Ob es eine Deadline vor Beginn des Transits gibt, ist mir nicht bekannt.

Vorbereitung für die Fahrt durch den Panamakanal: Linehandler, Festmacherleinen und Fender

Für den Transit werden insgesamt fünf Crewmitglieder benötigt. Ein Kapitän und vier Personen, die die Leinen bedienen. Die sogenannten Linehandler müssen über 18 Jahre alt sein. Freiwillige, kostenlose Helfer findet man entweder in der Shelter Bay Marina, indem man auf anderen Yachten oder sonntags beim BBQ herumfragt oder über eine WhatsApp-Gruppe sowie über diverse Facebook-Gruppen. Hierbei ist zu beachten, dass die Yacht für die Transport- und Verpflegungs-Kosten aufkommt. Am günstigsten kommt man daher weg, wenn alle Linehandler vom selben Ort starten oder an den gleichen Ort zurückmüssen. So kann am Ende des Tages einfach ein Uber oder ein Taxi für die Rückfahrt gerufen werden.

Linehandler für den Panamakanal sind meist leicht zu finden. ©Jennifer Wiedemann

Möglicher Fahrer: Edwin Valdés, ein sehr angenehmer und pünktlicher Fahrer, der 65 US-Dollar von der La Playita Marina zur Shelter Bay Marina nimmt. Telefon: +50 76 53 88 995 oder +50 76 35 56 067

Erfahrene, bezahlte Linehandler bekommt man über einen Agenten. In der Regel kostet ein Linehandler 100 US-Dollar inklusive Transports. Kontakte zu Agenten: siehe unten. Auch eine Mischung der beiden Linehandler-“Arten“ ist möglich.

Tipp: Wer kleine Kinder an Bord hat, sollte eine Person zur Aufsicht dieser „vorhalten“ und überlegen, die Durchfahrt entsprechend mit sechs Erwachsenen statt fünf durchzuführen.

Neben den Linehandlern sind vier sehr lange und dicke Festermacherleinen und eine ausreichende Anzahl an Fendern vorgeschrieben.

Wichtig: Auch wenn die eigenen Festmacherleinen den Vorgaben entsprechen, rate ich dringend davon ab, diese zu verwenden. Wir hatten bei einer Yacht, auf der wir ausgeholfen haben, den Fall, dass die eigenen Leinen nach Angaben des Advisors nicht ausgereicht haben, und es gab ziemlichen Stress. Die Yacht musste warten, bis die beiden anderen Yachten aufgeholt hatten, sodass die Leinen dann nicht gebraucht wurden. Sehr ärgerlich.

Es ist auch wichtig, ausreichend große Fender zu haben, um die Yacht vor Berührungen der Schleusenmauern zu schützen und um die aneinandergebundenen Yachten auf Abstand zu halten.

Die Leinen müssen unbedingt der vorgeschriebenen Länge und Dicke entsprechen. ©Jennifer Wiedemann

Die einfachste Möglichkeit ist, für Leinen und Fender den Service eines Agenten zu nutzen. Es fallen nur Kosten für den Verleih und keine weiteren Agenturgebühren an. Ein typisches Paket sieht folgendermaßen aus:

  • vier Festmacherleinen und vier große Kugelfender – 120 US-Dollar (bis 38 Fuß ausreichend)
  • vier Festmacherleinen und sechs große Kugelfender – 140 US- Dollar (ab 39 Fuß dringend empfohlen)

Beim Buchen darauf achten, dass man nach Kugelfendern fragt – es gibt einige lausige Anbieter, die einem alte Leinen und mit Plastikfolie umwickelte Autoreifen bringen und den gleichen Preis verlangen. Das Paket wird in der Regel am Tag vor der Durchfahrt in die Shelter Bay Marina geliefert (wer vor Anker liegt, muss diese mit dem Dingi abholen und dafür Sondergebühren bei der Marina bezahlen) und nach dem Transit auf Höhe des Balboa Yachtclub durch ein Boot abgeholt. Wer gleichzeitig seine Linehandler an Land bringen möchte, kann dies hier tun – Kosten 12 US-Dollar für alle. Absprache mit Agenten!

Mit Kugelfendern ist die Yacht beim Schleusen gut geschützt. ©Jennifer Wiedemann

Tipp: Um ein Gefühl für das Durchfahren des Kanals zu bekommen und zu sehen, wie die einzelnen Schleusen gemeistert werden, lohnt es sich, als Linehandler auf einer anderen Yacht auszuhelfen. Die wenigsten Yachten haben ausreichend Besatzung, um die Richtlinien zu erfüllen, und sind dankbar für die Hilfe. Dadurch hat man selbst die Gelegenheit, mehr Fotos zu machen und die Durchfahrt zu genießen, als wenn der Stress auf der eigenen Yacht stattfindet.

Eine gute Möglichkeit, um die Durchquerung des Panamakanals zu üben, ist zuvor auf einer anderen Yacht als Linehandler auszuhelfen. ©radiopelicano.de

Vorbereitung der Yacht für die Kanaldurchfahrt

Folgende Punkte können vorab auf der Yacht vorbereitet werden, um Beschädigungen und Behinderungen im Ablauf vorzubeugen:

  • Segel packen und den Großbaum so sichern, dass er nicht schlagen kann.
  • Klampen vorn, achtern und mittschiffs freihalten und Hindernisse, die das Belegen behindern könnten, entfernen.
  • Überflüssige Überhänge und Hindernisse an Deck entfernen, beispielsweise Angeln und Kissen
    Bimini/Sonnensegel aufbauen. Es ist verpflichtend, einen Regenschutz über dem Cockpit zu haben. (Standby würde reichen)
  • Motor überprüfen (Öl, Filter, Diesel), da er mindestens zwölf Stunden und davon eine lange Zeit auf hoher Drehzahl laufen wird.
  • Steuerzüge, Autopilot und Steuerung überprüfen, Schäden oder Fehlfunktionen wären fatal.
  • Hupe prüfen. Wer keine eingebaute Hupe hat, braucht ein Druckluftsignalhorn. Mit Durchblasen „betriebene“ Handtröten sind nicht ausreichend.
  • Fender auf beide Seiten der Yacht verteilen.
  • Festmacherleinen vorbereiten. Diese werden in Achten an Deck gelegt, sodass sie flüssig auslaufen können. Beim Übergeben der Leinen ist Geschwindigkeit gefragt.
  • Linehandler briefen: Achtet darauf, dass eure Linehandler sich im Boot und an Deck auskennen. Sie sollten in der Lage sein, Englisch zu sprechen und Kommandos verstehen. Es ist wichtig, dass sie schnell und sicher die Klampe belegen können. Es entspannt den Tag enorm, wenn ihr gute Linehandler habt. Bezahlte Linehandler sind in der Regel keine Seeleute. Sie sprechen häufig nur Spanisch, sind dafür jedoch oft bereits einige Male durch den Kanal gefahren. Nicht immer wissen sie mehr, als wie man eine Leine belegt und einen Fender festmacht. Man sollte entsprechend nicht blind auf sie vertrauen. Am Ende ist es nicht ihre Yacht und nicht ihre Verantwortung.
  • Abdecken von empfindlichen Teilen im vorderen und mittleren Deckbereich. Die Leinen werden mithilfe von Wurfleinen an die Schleusenwärter übergeben. Diese Wurfleinen werden von Land aus geschmissen und haben recht große, schwere Affenfäuste angebunden. Es ist mittlerweile Standard, dass alle Wurfleinen aufs Vordeck geschmissen werden. Die Werfer sind sehr sicher, aber es kann dennoch zu Schäden kommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Luken, Seitenfenster oder Solarpanele mit Styropor, Polstern oder Luftmatratzen abdecken. Im hinteren Bereich ist dies in der Regel nicht notwendig.
  • Luken schließen und geschlossen halten, da während der Durchfahrt häufig Berufsschiffe und, viel schlimmer, Schlepper passiert werden. Beide werfen sehr große Bug- oder Heckwellen. Es besteht die Gefahr, dass Wasser an Deck und ins Bootsinnere gelangt – auch bei hohem Freibord.
  • Essen vorkochen / vorbereiten (siehe nächsten Punkt)
  • Schlafplätze für Linehandler vorbereiten: Bezahlte Linehandler kommen in der Regel am Abend davor an Bord und benötigen einen Schlafplatz. Bleibt die Yacht über Nacht im Kanal, benötigen auch hier alle einen Schlafplatz.
Mitunter kommen einem die „Großen“ im Kanal recht nahe. ©Jennifer Wiedemann

Essen und Getränke während der Kanaldurchfahrt

Seeluft macht hungrig. Auch im Panamakanal. Hierbei ist zu beachten, dass die Auflage besteht, mittags (oder entsprechend abends) ein warmes, proteinhaltiges Essen zu servieren. Zu Deutsch: Etwas mit Fleisch. In Mittelamerika ist der vegane oder vegetarische Lebensstil wenig bis gar nicht verbreitet. Uns ist ein Fall bekannt, bei dem der Advisor sich an offizieller Stelle beklagt hat, dass das Essen nicht entsprechend den Richtlinien war. Dies kann, falls der Advisor beschließt, sich etwas kommen zu lassen, zu zusätzlichen Kosten führen.

Es empfiehlt sich, für das Frühstück belegte Brötchen vorzubereiten. Wenn die Zutaten entsprechend vorbereitet sind, kann das problemlos ein Linehandler (sofern freiwillig an Bord, die bezahlten werden das nicht tun) vor Ankunft an den ersten Schleusen machen, sodass, je nach Zeit, in den Schleusen gefrühstückt werden kann. Der Advisor möchte in der Regel Kaffee dazu.

Die Lotsen erwarten eine Versorgung mit Essen und Getränken. ©Jennifer Wiedemann

Das Mittagessen sollte am besten vorgekocht sein. Wer nicht den schönsten Teil des Kanals verpassen will, wärmt dann am besten nur das Chilli con Carne auf oder schmeißt die Nudeln zur fertigen Bolognese-Sauce ins Wasser. Bei uns gab es einmal Lasagne. Das war auch super easy und lecker. Je nach Bootsgeschwindigkeit empfiehlt es sich, bereits im „Cut“ zu essen. Während des Raus-Schleusens ist deutlich weniger Zeit, sodass wir es als angenehm empfanden, bereits gegen 12 Uhr gegessen zu haben.

Es ist für ausreichend (am besten kühle) Getränke zu sorgen. Hierfür eignen sich 0,5-1,0-Liter-Wasserflaschen in ausreichender Anzahl sowie einige Süßgetränke (Cola/Sprite) in Dosen. Manche Advisor bestehen auf eine kalte Cola zum Essen (Wasser reicht nicht aus).

Wer die Nacht im Kanal verbringt, muss entsprechend auch hier für Abendessen sorgen. Der Advisor verbringt die Nacht nicht an Bord, sondern wird abgeholt und am nächsten Morgen/Vormittag zurückgebracht. Es spricht nichts dagegen, ein kaltes Bier oder eine Flasche Wein für den Abend bereitzuhalten, man muss sich ja nicht gleich betrinken. Baden ist übrigens aufgrund von Krokodilen nicht möglich!

Ablauf und nützliche Tipps für die Fahrt durch den Panamakanal

Die Kanaldurchfahrt muss am Tag vor der Durchfahrt telefonisch rückbestätigt werden! Hier erfährt man final den Termin und die Uhrzeit, wann der Advisor (Lotse) an Bord kommt. Wer sich Sorgen macht oder wissen möchte, ob es eine Ein- oder Zwei-Tages-Durchfahrt wird, kann aber auch bereits eine Woche vorher nochmal nachfragen. Uns begegnete der Scheduler mit sehr viel Freundlichkeit. Ein früherer Anruf ersetzt jedoch nicht den obligatorischen Anruf am Tag vor der Durchfahrt.

Beispieldurchfahrt bei einer Lotsenübernahme um 4 Uhr, Schritt für Schritt erklärt

03:15 Uhr Treffen mit allen Linehandlern und Vorbereitungen fürs Auslaufen

03:30 Uhr Auslaufen Shelter Bay Marina: Es wird empfohlen, eine halbe Stunde vor der Lotsenzeit die Marina zu verlassen.

03.45 Uhr Warten im Ankergebiet vor der Marina: Cristobal Signal Station auf Kanal 12 rufen und informieren, dass man stand-by ist und auf das Lotsenboot wartet. Man kann sehr langsam in Richtung große Brücke fahren.

04:00 Uhr Das Lotsenboot kommt pünktlich. Achtung: Auch innerhalb des großen Wellenbrechers sind große Wellen. Deshalb das Boot in den Wind drehen und langsam vorausfahren. Eine Person sollte sich nur aufs Steuern konzentrieren. Der Lotse wird mit einem sehr großen Lotsenboot mit zwei bis drei Metern Freibord übergesetzt. Entsprechend sollten die größten Fender in der Hand dazwischen gehalten werden, um Bordwand und Seezaun zu schützen. Die Fender nicht fest machen, die Wucht könnte den Relingsdraht stark in Mitleidenschaft ziehen. Eine Person sollte bereitstehen, um den Lotsen im Zweifel eine Hand zu reichen.

Das Lotsenboot nähert sich. ©Jennifer Wiedemann

04:00 Uhr Austausch Kapitän/ Lotse. Dem Lotsen hier klar mitteilen, wer Kapitän und Ansprechpartner sind. Wenn beide Eigner fahren wollen, dann auch dies mitteilen. Wir haben klar kommuniziert, dass Person 1 die ersten Schleusen fährt und Person 2 die zweiten Schleusen und wir die Eigentümer des Bootes sind. Das war somit kein Problem.

05:00 Uhr Passieren Atlantikbrücke: Die Überfahrt bis zu den ersten Schleusen nutzen, um mit dem Advisor Fragen zu klären und sich alles erklären zu lassen. Sie sprechen gutes Englisch. Kein Spanisch notwendig.

05:30 Uhr Die beiden anderen Yachten kommen in Sicht. Die ersten drei Schleusen werden in der Regel als Dreier-Päckchen durchfahren. Die längste Yacht ist normalerweise in der Mitte. Katamarane sind sowohl außen als auch in der Mitte. Die Länge ist ausschlaggebend. Der Advisor teilt dies direkt beim An-Bord-Kommen mit.

05:45 Uhr Anlegen an die anderen Yachten: Bei langsamer Fahrt wird mit einem spitzen Winkel von hinten kommend angefahren. Sobald die Boote längsseits voneinander sind, werden zunächst Vor- und Achterleine gelegt. Im Anschluss dann Springleinen. Aus Erfahrung und falls Mitsprache möglich: Vor- und Achterleinen vom großen Boot verwenden und Springs vom kleinen Boot zur Mittelklampe des großen Bootes. Die Springleinen werden die meiste Kraft aufnehmen und man möchte das bei kleinen Booten eher vermeiden, dass das gesamte Boot über die Mittelklampe gezogen wird. Sollte dies der Fall sein, kann man problemlos eine zusätzliche Leine von der Achterklampe des kleinen Bootes zur Mittelklampe des großen Bootes legen, um die Kraft besser zu verteilen.

Die Yachten werden im Päckchen durch die Schleusen des Panamakanals geschleust. ©Jennifer Wiedemann

05:48 Uhr Alle drei Boote sind miteinander vertäut – der Lotse der mittleren Yacht übernimmt das Kommando. Der Kapitän sollte sich voll auf die Kommandos konzentrieren, die teilweise verbal, teilweise per Handzeichen kommen. Häufig folgen ähnliche Kommandos kurz hintereinander. Wer das Schema versteht, kann das nächste Kommando bereits ausführen, bevor es überhaupt gegeben wird – abhängig vom Advisor natürlich. Das mittlere Boot hat in den Schleusen wenig zu tun. Es manövriert mit Motor und Ruder, während die äußeren die Leinen übergeben.

Die Skipper folgen den Anweisungen des Advisors. ©Jennifer Wiedemann

06:00 Uhr Festmachen in den Schleusen (wird hier nur einmal erklärt). Sobald man parallel zu den Schleusenwänden fährt, sollten sich die Linehandler bereithalten, die Wurfleinen anzunehmen. Dafür kann ein Linehandler achtern bereitstehen und zwei vorne zum Annehmen der Wurfleinen. Diese werden aufs Vordeck geworfen. Linehandler 1 greift sich die vordere Wurfleine und befestigt diese an der vorne vorbereiteten Festmacherleine. Linehandler 2 greift die zweite Wurfleine und übergibt sie außenbords entlang dem hinteren Linehandler. Die Wurfleinen werden mithilfe eines Palsteks am Auge der Festmacherleine befestigt. Das Auge sollte ungefähr einen Dreiviertelmeter Durchmesser haben. Die Poller im Kanal sind sehr groß. Ist die Wurfleine befestigt, hebt der Linehandler das Auge der Festmacherleine in die Luft und signalisiert dadurch seine Bereitschaft, die Leine überzugeben. Die Schleuse ist mehrere hundert Meter lang. Entsprechend wird die eigentliche Festmacherleine erst kurz vor Erreichen der „Parkposition“ übergegeben.

06:12 Uhr „Send the lines“: Die Festmacherleinen werden nach oben gegeben und dann möglichst zügig festgezogen und belegt. Daher: Sobald die Leine oben auf dem Poller liegt, das Lose rausholen und über die Klampe legen. Auf die Kommandos des Advisors hören. Eventuell muss noch angepasst werden.

Die Leinen werden mit einer Sorgleine zum Schleusenrand gezogen. ©Jennifer Wiedemann

06:18 Uhr Die Schleusentore schließen sich und das Wasser wird in die Schleusenkammer gepumpt. Tatsächlich arbeitet der Kanal ohne Pumpen, sondern rein über Schwerkraft. Es gibt immer zwei parallele Schleusenkammern: Geht das Wasser in der einen hoch, geht es in der anderen runter. Zusätzlich benötigtes Wasser wird aus einem Stausee entnommen. Es gibt kein separates Kommando, dass die Schleusung beginnt. Der Bootsführer muss darauf achten, dass die Linehandler ständig Lose aus den Leinen nehmen und am besten auch darauf achten, ob die andere Seite, also die 3. Yacht, dies ebenfalls tut. Wenn einer nicht aufpasst, fängt das Dreierpäckchen an, sich in der Schleusenkammer zu drehen. Das sollte vermieden werden.

06:30 Uhr Ist die Schleusung beendet und das Frachtschiff vor einem in der nächsten Schleusenkammer angekommen, so folgt das nächste Kommando: „Let go the lines” – die Festmacherleinen werden losgemacht, vom Poller genommen und zügig an Deck geholt. Die Wurfleine bleibt verbunden. Das Päckchen fährt in die nächste Schleusenkammer. Das gleiche Spiel beginnt nochmal.

Auf der Atlantikseite fahren die Yachten hinter der Berufsschifffahrt ein. ©Jennifer Wiedemann

08:12 Uhr Wir verlassen die Gatun-Schleusen. Vor uns liegt der Gatunsee. Das Päckchen wird aufgelöst. Erst die Springleinen los, dann die Vor- und Achterleinen. Mit dem Motor gibt man einen ordentlichen Kick voraus und lenkt von der anderen Yacht weg. Sobald man sich getrennt hat, zügig entfernen. Dann beginnt die Kanaldurchfahrt. Hier ist das Motto, so nah an den rechten Tonnenstrich wie möglich, aber nicht darüber hinaus. Außerhalb der Tonnen kann keine Wassertiefe garantiert werden. Entsprechend groß ist die Gefahr, mit Bäumen zu kollidieren. Geschwindigkeit: So schnell, wie ihr wollt. Mindestens wie in den Formularen angegeben. Es ist verboten, Segel zu setzen. Auch wenn schöner Wind ist.

Der Panamakanal ist gut betonnt. ©Jennifer Wiedemann

12:42 Uhr Ansteuerung Pedro-Miguel-Schleusen. Abhängig von der Geschwindigkeit der anderen beiden Yachten schleust man allein, zu zweit oder erneut zu dritt. In unserem Fall erwischen wir ganz knapp das letzte ausschleusende Berufsschiff. Es bleibt keine Zeit, die Boote vor der Schleuse zu vertäuen. Diesmal findet das Vertäuen in der Schleuse statt. Danach werden direkt die Festmacherleinen an Land gegeben. Prozedur wie oben beschrieben. Verpasst man das letzte Schiff, muss man vor den Schleusen übernachten. Das bedeutet nicht, dass man mehr zahlen muss. Sofern man die angegebene Bootsgeschwindigkeit eingehalten hat, liegt das Verschulden beim Kanal. Ärgerlich ist es dennoch. Deshalb: Beim Verlassen der ersten Schleusen bereits nach dem Verkehr fragen. Manchmal reicht ein halber Knoten mehr Fahrt bereits aus, um so eine Nacht zu vermeiden.

Auf der Pazifikseite fahren die Großen hinter den Yachten in die Schleusen. ©Jennifer Wiedemann

13:42 Uhr Verholen von den Pedro-Miguel-Schleusen in die Miraflores-Schleusen

15:00 Uhr Miraflores-Schleusen: Das letzte Schleusentor öffnet sich. Beim Verlassen der Schleusenkammer ist mit starker mitlaufender Strömung zu rechnen. Das kann das Manövrieren der Yacht beeinflussen. Das Ruder wird kaum angestrahlt. Abhilfe schaffen „Kicks“ mit der Maschine, falls eine Steuerung notwendig ist. Daher: Drehzahl/Geschwindigkeit niedrig halten und dann beim Ruderlegen Drehzahl kurz stark erhöhen, aber sobald die Ruderwirkung da ist, sofort wieder reduzieren, um Geschwindigkeitszunahme zu vermeiden.

15:45 Uhr Passieren der Brücke der Amerikas, Information an den Agenten zur Abholung der Leinen, Fender und Linehandler

16:00 Uhr Abholen der Leinen, Fender und Linehandler per Boot vom Agenten (Höhe Balboa Yachtclub). Ankern wird hier nicht empfohlen. Sehr rollig und ungeschützt. Besser ankert man vor der Marina La Playita oder auf der anderen Seite der Halbinsel.

16:06 Uhr Lotse wird abgeholt. Wieder auf ausreichend Fender achten.

16:36 Uhr Ankern vor der Marina la Playita: Die Kanaldurchfahrt ist in etwas mehr als 13 Stunden geschafft!

Geschafft! ©Jennifer Wiedemann

Kosten für die Durchquerung des Panamakanals

Die Kosten für eine Yacht unter 65 Fuß betragen:

  • Durchfahrtsgebühr: 1.935 US-Dollar
  • Security Charge: 165 US-Dollar
  • Inspizierung der Yacht: 120 US-Dollar
  • Miete Leinen/Fender: 120 US-Dollar
  • Linehandler: 100 US-Dollar pro Person oder 100 US-Dollar Transport für die Freiwilligen
  • Kaution: 1.060 US-Dollar
  • Agenturgebühren: ungefähr 400 US-Dollar

Es ist durchaus problemlos möglich, den Panamakanal ohne Agenten zu durchfahren. Ein Agent spart die eigene Anmeldung, ist aber keine Garantie für eine terminlich sichere Durchfahrt. Der Agent ist nur ein Sprachrohr. Beschließt der Kanal, die Durchfahrt zu verschieben, betrifft das sowohl agenturgestützte als auch selbst organisierte Transits.

Hilfreiche Links und Kontakte

Agenturen sowohl zum Organisieren des Transits als auch der Leinen und Fender

  • Stanley: +50 76 52 33 991 (von uns verwendet für Leinen und Fender)
  • Roy Bravo: +50 76 67 86 820
  • Rogelio: +50 76 71 76 745
  • Erick Gálvez: +50 76 67 61 376

Kontakte Panamakanal

  • Adresse der Anmeldeseite: asem.pancanal.com
  • Finanzdepartment: +50 72 72 78 07 – FA-CAJA@pancanal.com
  • Panama Kanal Scheduler: +50 72 72 42 02
  • Rückfragen Kanal: Customerdeps@pancanal.com, Oppt-as@pancanal.com
Mit guter Vorbereitung kann die Fahrt durch den Panamakanal entspannt genossen werden. ©Jennifer Wiedemann

Fazit

Bei uns haben die Organisation und Durchfahrt sowie die gesamte Kommunikation problemlos funktioniert. Wichtig ist dabei, alle Schritte zu beachten und das Geld rechtzeitig zu überweisen. Yachten, die Probleme hatten, haben meist die umfangreichen Anleitungen des Kanals schlichtweg ignoriert. Wichtig ist, dass der Wunschtermin erst bestätigt ist, wenn man ihn telefonisch mit dem Scheduler abgesprochen hat. Wenn dieses Telefonat erfolgreich war, steht der Durchfahrt kaum noch etwas im Wege. Ist die Kanaldurchfahrt ohne Zwischenfälle vonstattengegangen, ändert sich der Status des Besuchs auf der ASEM-Seite auf „Finished“. Mit der Rückzahlung der Kaution ist ab 60 Tagen nach dem Transit zu rechnen.

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