Umgang mit Feuer an Bord

Von Sönke Roever

Sönke hat 80.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von Blauwasser.de und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

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Feuer entsteht glücklicherweise selten an Bord einer Blauwasseryacht, dann aber oft mit fatalen Folgen. Es hat in der Regel eine der folgenden drei Ursachen. Erstens: Einen Kurzschluss mit Kabelbrand, der sich auf umliegende Materialien überträgt. Zweitens: Einen Fehler beim Umgang mit brennbaren Materialien wie Gas oder Petroleum (80 Prozent der Brände entstehen in der Pantry). Und drittens: eine Überhitzung, beispielsweise am Motor.

Gleichwohl nicht alles verhindert werden kann, sollten an Bord Maßnahmen ergriffen werden, die solche Unfälle minimieren. Dass ein Rauchmelder an Bord dazu beiträgt, ist selbsterklärend. Aber was ist mit dauerhaft stromführenden Kabel wie beispielsweise die dicken Zu- und Ableitungen der Batterien? Sie sollten mit Kabelschutzrohren geschützt werden. So wird vermieden, dass sie durch wiederkehrende Bewegungen an irgendeiner Stelle durchscheuern und ein Kurzschluss entsteht.

Zudem gehören auf jedes Schiff Batterieschalter und Sicherungen. Kommt es zu einem Kurzschluss, wird ihm durch einfaches Umlegen des Schalters der Nährboden entzogen und der Brand ist gestoppt, sofern er noch nicht auf andere Materialien übergegriffen hat.

Dauerhaft stromführende Kabel gehören in Kabelschutzrohre.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich einmal beim Basteln an der Elektrik versehentlich einen Kurzschluss verursacht habe. Ich kam dabei mit einem dünnen stromführenden Pluskabel gegen den Minuspol. Es schmolz fest, und sofort begann die Kabelummantelung zu brennen. Im Schiff stank es bestialisch, und wir konnten durch den Qualm fast nichts mehr sehen. Glücklicherweise war der Batterieschalter direkt in der Nähe und so konnte der Kurzschluss schnell beendet werden. Ohne den Griff zum Schalter wäre ein größerer Brand wahrscheinlich nicht zu verhindern gewesen und unser Schiff unter Umständen sogar abgebrannt.

Batterieschalter sichern das Bordnetz und sollten so nah wie möglich an der Batterie montiert werden.

Wird an Bord mit Gas gekocht, sollte die Anlage regelmäßig durch einen Fachmann auf Dichtigkeit geprüft werden. Bei Nichtgebrauch ist es ratsam, das Gas direkt an der Flasche abzudrehen. Sei es manuell oder durch einen Fernschalter. Ein Gaswarner in Bodennähe oder der Bilge (das Gas ist schwerer als Luft) ist zusätzlich sinnvoll. Und nicht zuletzt sollte die Motorraumverkleidung feuerfest sein.

Gasanlage: Alle Komponenten müssen regelmäßig überprüft und ggf. getauscht werden. Bei dem Stutzen ist es höchste Zeit.

Natürlich gibt es unzählige weitere Ursachen, die zu einem Brand führen können. Daher sollte jeder Eigner einmal mit offenen Augen durch das eigene Schiff gehen und überlegen, wie vorgebeugt werden kann. Wer zum Beispiel einen Windgenerator nutzt, muss unter Umständen Lastwiderstände einbauen, an denen hohe Temperaturen entstehen können. Das ist ein Brandrisiko. Bei der Ausrüstung unseres Schiffes standen wir vor dieser Herausforderung. Wir haben die Widerstände schlussendlich im Motorraum untergebracht. In unmittelbarer Nähe befand sich eine Schallschutzverkleidung aus Schaumstoff, die wir gegen eine feuerfeste Verkleidung ausgetauscht haben, um das Risiko zu minimieren.

Eine feuerfeste Motorraumverkleidung minimiert das Brandrisiko.

Die Lastwiderstände des Windgenerators können sehr heiß werden und müssen entsprechend platziert werden.

Kommt es trotz aller vorbeugenden Maßnahmen dennoch zu einem Brand an Bord, wird ein geeignetes Löschmittel benötigt, um die Flamme zu ersticken. Feuer braucht Sauerstoff, um zu brennen. Wird die Sauerstoffzufuhr verhindert, erlischt die Flamme. Viele Schiffe haben daher beispielsweise am Motorraum eine Löschklappe. Bei einem Brand im Maschinenraum kann durch die kleine Öffnung ein Feuerlöscher in den Motorraum gerichtet werden, ohne dass das Schott geöffnet werden muss — was eine ordentliche Sauerstoffzufuhr zur Folge hätte. Es gibt auch Löschsysteme, die bei ausreichend Platz dauerhaft im Motorraum installiert werden können. Kommt es zu einem Brand löschen sie diesen automatisch.

Zwei Varianten eines Motorraumschotts mit Öffnung zum Löschen.

Nach dem gleichen Prinzip arbeiten Löschdecken. Sie ersticken die Flamme durch Abdecken. Das kann Fett in einer brennenden Pfanne sein oder ein Kojenpolster, das durch eine umgefallene Kerze in Brand gesteckt wurde. Da die meisten Brände am Herd entstehen, lagert die Löschdecke idealerweise nicht darunter oder dahinter, sondern gut zugänglich in seiner Nähe. Dabei hilft es, wenn an einer Ecke ein farbiges Band angebracht ist, mittels dessen die Decke schnell und unkompliziert im Eifer des Gefechtes durch Schütteln auseinandergefaltet werden kann.

Löschdecke (links) und Feuerlöscher (rechts) sollten auf keiner Blauwasseryacht fehlen.

Neben der Löschdecke gehören selbstverständlich Feuerlöscher an Bord. Sie sollten ebenfalls gut zugänglich und ausreichend dimensioniert sein. Ein Zwei-Kilo-Löscher löscht gerade mal vier Sekunden lang. In den meisten Fällen ist das zu wenig. Die Flamme wird nicht ausreichend erstickt und flammt wieder auf. Ein Sechs-Kilo-Löscher sollte daher das Mindestmaß der Dinge sein. Er reicht für zehn Sekunden. Damit kann so mancher Brand unter Kontrolle gebracht werden.

Hier hätte ein Kurzschluss (korrodierter Kabelschuh) beinahe einen Brand ausgelöst. Die Plastikkappe ist verschmort.

Wichtig: Es gibt sogenannte Brandklassen. Nicht jeder Feuerlöscher ist für jedes Feuer geeignet. Der Klassiker unter den Feuerlöschern ist der ABC-Löscher. Er ist für die Klassen A (Feststoffe), B (Flüssigkeiten) und C (Gase) geeignet. Damit werden 99 Prozent der Blauwassersegler zufrieden sein. Daneben gibt es noch die Klassen D (Metalle) und F (Fette). Hierfür sind entsprechende Feuerlöscher erforderlich — wobei Brände der Klasse F meistens gut mit der Löschdecke in den Griff zu bekommen sind. Auf keinen Fall darf bei Bränden der Klassen D und F Wasser zum Löschen verwendet werden. Es kann zu Verpuffungen und Ausdehnungen der Brandfläche kommen!

Meistens kann ein Brand an Bord schnell unter Kontrolle gebracht werden. Gerät er allerdings bei einem GFK-Schiff außer Kontrolle, gibt es kein Zurück mehr. Brennt GFK, kann es nur sehr schwer wieder gelöscht werden, und es kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Schiffsaufgabe.

Übrigens kann es nicht schaden, im Rahmen eines sogenannten Sicherheitstrainings einmal den Umgang mit Feuer zu üben. Das schafft Vertrauen. Wer weiß, wie ein Feuer gelöscht wird, ist im Ernstfall gut gewappnet.

Übung schafft Vertrauen. Wer weiß, wie ein Feuer gelöscht wird, ist im Ernstfall gut gewappnet.

Fazit: Feuer tritt an Bord glücklicherweise selten auf und es gilt, alles zu unternehmen, selbiges zu verhindern. Es würde mich freuen, wenn die eine oder andere Anregung aus diesem Beitrag hilft, das Brandrisiko an Bord minimal zu halten. In diesem Sinne: Happy Sailing.

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