Segeln in Afrika: Revierinfo für eine Flussfahrt auf dem Gambia River

Martin Finkbeiner

Von Martin Finkbeiner

Martin Finkbeiner ist gemeinsam mit seiner Familie seit 2018 auf den Meeren unterwegs, zunächst auf einem 30-Fuß-Monohull und inzwischen auf einem kleinen Katamaran. Ihre Route führt sie von Deutschland durch die französischen Flüsse und Kanäle, durch das Mittelmeer in den Atlantik und dann entlang der afrikanischen Westküste, bevor sie weiter über den Atlantik segeln. Martin, der von 2010 bis 2013 bereits einmal um die Welt gesegelt ist, arbeitet während der Segelreisen als Autor und ist zwischen den Reisen auch als Referent auf Messen und Veranstaltungen unterwegs.

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Titelfoto: ©️Martin Finkbeiner

Gambia, ein lohnenswertes Ziel nicht weit von der Barfußroute

Der beste Rat, den wir Seglern auf dem Weg in Richtung Gambia geben können, ist, Europa hinter sich zu lassen. Mit diesem Ratschlag im Hinterkopf und der Bereitschaft in fremde Kulturen einzutauchen, wartet das kleine Land an der westafrikanischen Festlandküste mit einer einzigartigen Natur und einer Herzlichkeit auf, die man ansonsten am ehesten von den pazifischen Inseln kennt.

Etwa 900 Seemeilen südlich der Kanaren und 400 Meilen östlich von den Kapverden entfernt liegt Gambia, nicht weit der üblichen Seglerroute, jedoch fernab der ausgetretenen Pfade. Dass hier kaum Fahrtensegler ankommen, bemerken wir bereits beim Einklarieren in Banjul. Geduld ist gefragt, die Welt dreht sich ein kleines bisschen langsamer und selbst unter den Einheimischen kursiert der Running Gag der GMT – der Gambia Maybe Time.

Selten besuchte Reviere haben oft den Vorteil, dass die Menschen sich, wie hier in Karantaba, über Besuch freuen. ©Martin Finkbeiner

Gambia ist das kleinste Land Kontinentalafrikas

Abgesehen von einer kurzen Atlantikküste ist Gambia zu allen Seiten vom Senegal umschlossen. Das Land schlängelt sich entlang des Gambia River und ist, so scherzt man, so breit wie die britischen Kanonen in den damals französisch kolonialisierten Senegal feuern konnten. 🙂

Der Fluss hatte als Transportweg eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Kolonialmächte und war dementsprechend hart umkämpft. Heute ist er die Hauptattraktion für ankommende Fahrtensegler und, je nach Masthöhe, mehrere hundert Kilometer schiffbar. An der Mündung des Gambia River liegt die Hauptstadt Banjul.

Die beste Reisezeit für Westafrika ist die dortige Trockenzeit von November bis Mai. Zum einen sollte diese Zeit gewählt werden, da es dann kaum regnet und die damit verbundenen Stürme ausbleiben. Zum anderen ist das Malariarisiko in der Trockenzeit äußerst gering, was von der Zeit zwischen Juni und Oktober nicht behauptet werden kann. Zwar verfügt jedes kleine Medical Center über Malariamedikamente und Schnelltests, oft jedoch ist das auch schon das Einzige, was vorrätig ist. Eine gut ausgestattete Bordapotheke ist daher ratsam.

Tipp: Wer den in den kleinen Ortschaften am Fluss ansässigen Ärzten eine Freude machen möchte, bringt darüber hinaus Schmerzmittel und Medikamente für diese mit. Als Gastgeschenke für Kinder und Jugendliche bieten sich Fußbälle an, mit nur einem Ball kann ein ganzes Dorf glücklich gemacht werden. Außerdem sind Kleidung und Schulmaterialien immer gern gesehen.

Die Ansteuerung des Gambia River

Die Ansteuerung des Gambia River ist einfach, die Flussmündung breit und, solange der Betonnung gefolgt wird, frei von Hindernissen. Lediglich bei Wind gegen Strom kann eine unangenehme, kurze Welle in der Flussmündung stehen.

Der Tidenstrom beträgt in etwa zwei Knoten, kann aber auch deutlich stärker sein. Sowohl bei der Ansteuerung als auch bei der Flussfahrt ist es ratsam, den Tidenstrom, der etwa zwei Stunden nach Hoch- beziehungsweise Niedrigwasser kippt, zu nutzen. Die Ansteuerung sollte auf jeden Fall bei Tageslicht unternommen werden, möchte man nicht Gefahr laufen, eine der oftmals nur mit einer offenen Flamme oder einem Laserpointer befeuerten Pirogen der Fischer in die Quere zu kommen oder in einem der sehr langen und nicht selten an der Wasseroberfläche gespannten Netze zu landen.

Angekommen in Gambia. ©Martin Finkbeiner

Auch bei Tageslicht ist die Sichtweite häufig eingeschränkt, denn aufgrund der Nähe zur Sahara ist immer viel Staub und Sand in der Luft.

Tipp: Die App Windy bietet neben Wind und Welle unter dem Reiter Luftqualität – PM2.5 auch eine Vorhersage der Sichtweite an, die in dieser Gegend von Zeit zu Zeit auch mal bei unter 100 Metern liegen kann.

Vorhersage in der App Windy: Bei dieser Prognose wird eine eingeschränkte Sicht vorhergesagt. ©windy.com

Einmal in der Flussmündung bleibt Banjul an Steuerbord liegen. Weiter geht es vom Hauptfluss in den Seitenarm Lamin Bolong, wo hinter dem Fischereidock geankert und Banjul Port Control auf UKW-Seefunk-Kanal 16 gerufen werden kann. Vorsicht ist geboten mit den zahlreichen Wracks in der unmittelbaren Nähe des Docks. Willkommen in Half Die, dem Stadtteil Banjuls, von dem der „Cruising Guide to West Africa“ sagt, dass er den schlechtmöglichsten ersten Eindruck Gambias vermittelt. Der Stadtteil trägt diesen Namen, da eine Choleraepidemie im Jahr 1869 die Hälfte der dortigen Bevölkerung dahingerafft hat.

Der Ankerplatz vor Half Die, hier ist der Name Programm. ©Martin Finkbeiner

Einklarieren mit der Yacht in Gambia

Yachten auf dem Weg nach Gambia müssen in der Hauptstadt Banjul im Stadtteil Half Die einklarieren. Half Die ist arm, laut, dreckig, staubig und hektisch, es ist aber auch fremd, faszinierend, freundlich und hilfsbereit. Mit dem Beiboot kann an einem der betonierten Fingerpontons angelandet werden. Je nach Tide kann es ein akrobatischer Akt sein, auf die Gangway, die den Finger mit dem Steg verbindet, zu klettern.

Am Tor vor dem Steg werden Namen und Passnummern in ein Buch eingetragen und in der Regel begleitet einen ab hier ein Offizieller oder ein Hafenarbeiter zum Büro der Immigration. Deutsche Staatsbürger müssen kein Visum im Voraus beantragen und bekommen für einen Monat eine Aufenthaltserlaubnis, die jedoch problemlos fast überall im Land für umgerechnet knapp 20 Euro verlängert werden kann. Das Einklarieren mit der Immigration ist kostenlos und es wird üblicherweise auch nicht nach „Trinkgeld“ gefragt.

Herzlich willkommen in Afrika! ©Martin Finkbeiner

Von der Immigration geht es weiter zu einer kleinen Odyssee zwischen Haupt- und Hafenzollamt, die sich in verschiedenen Teilen des Hafens befinden. Es müssen Papiere beim Hauptzoll abgeholt, vom Hafenzoll ausgefüllt und danach zum Hauptzoll zurückgebracht werden. In der Regel begleitet einen dabei ein Ortskundiger.

Offiziell muss ein Mitarbeiter des Hafenzollamtes das Boot inspizieren, was jedoch in der Realität nur vom Steg aus oder gar nicht stattfindet. Stattdessen ist etwas Zeit, Geld abzuheben, eine SIM-Karte zu besorgen oder den lokalen, scharf-würzigen Kaffee Touba zu probieren, um die Dauer der „Inspektion“ zu überbrücken. Die Zollodyssee ist kostenlos, jedoch wird hier gerne nach ein paar Dalasi für die Kaffeekasse gefragt. 200 Dalasi, das sind knapp 4 Euro, sind angemessen. Ob man dieses System gut findet oder nicht, es gehört einfach dazu.

Der Fischmarkt von Tanji an der Mündung des Gambia Rivers. ©Martin Finkbeiner

Als drittes und letztes geht es zum Hafenmeister, der gegen eine offizielle Gebühr von etwa 20 Euro ein Cruising Permit ausstellt und über die Befahrensregeln des Naturschutzgebietes „Baboon Islands“ aufklärt.

Für den Einklarierungsmarathon sollte mindestens ein halber Tag einkalkuliert werden, wobei die Betonung auf mindestens liegt. Am Sonntag ist kein Einklarieren möglich und auch freitags und samstags kann es vorkommen, dass die Büros von Immigration und Customs früh schließen. Dann muss an Bord gewartet werden, bis die Büros wieder öffnen.

Der erste Anlaufpunkt für ankommende Yachten ist in der Regel die Lamin Lodge

Bereto Tenda und die Lamin Lodge liegen etwa fünf Seemeilen von Banjul entfernt. Hier liegen ein gutes Dutzend Boote, einige davon in den verschiedensten Stadien des Verfalls, an Bojen und an den Mangroven. Die Lamin Lodge sowie die hinter der Lodge befindlichen Bars Creek Breeze und die Mangroove Bar, zwei lokale Restaurants, bieten einen guten Ausgangspunkt für den Fluss. Die Einheimischen waren nicht untätig während der Corona-Pandemie und haben gemeinsam mit den wenigen Fahrtenseglern, die zu dieser Zeit vor Ort waren, den Mami Wata Yacht Club gegründet, um den Platz für ankommende Yachten noch attraktiver zu machen.

Das Ankerfeld vor der Lamin Lodge. ©Martin Finkbeiner

Seit Neuestem gibt es hier ein paar Einrichtungen für Segler wie etwa Duschen und Toiletten sowie Wasser aus einem Brunnen. Auch wird jeden Tag gekocht und die Segler werden dazu eingeladen, was man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Höflichkeit gebietet, einen Sack Reis oder Fisch oder Gemüse für das Essen beizusteuern, einfach nachfragen, was benötigt wird. Die Jungs an den Bars sind allesamt sehr hilfsbereit und unterstützen gerne bei allen anfallenden Fahrten oder Arbeiten wie verproviantieren, Diesel oder Wasser bunkern. Hier gilt es auch wieder, europäische Ansprüche hinter sich zu lassen, um das Angebot für die Fahrtensegler noch mehr schätzen zu können.

Beim täglichen Mittagessen sind auch die Segler willkommen. ©Martin Finkbeiner

Befahren des Gambia River

Die Hauptattraktion Gambias ist der gleichnamige Fluss. Vor der Flussfahrt ist es ratsam, in Lamin, Serenkunda oder Banjul zu verproviantieren, Diesel und Wasser zu bunkern und Geld abzuheben. Die einzigen (uns bekannten) Geldautomaten entlang des Flusses befinden sich in Farafenni und Basse. Der Einsatz eines Wassermachers ist auf dem Fluss übrigens nicht ratsam.

Je nach Masthöhe können Fahrtenyachten mehrere hundert Kilometer flussaufwärts segeln oder motoren. Es gibt drei Hindernisse auf dem Weg: die Senegambia Bridge mit etwa 17 Metern Durchfahrtshöhe zwischen Farafenni und Soma, eine Stromleitung bei Janjanbureh/Mac Carthy Island sowie die neue Basse-Wuli-Bridge, die endgültige Endstation. In der Regel jedoch ist Janjanbureh der Umkehrort für Fahrtensegler, da die Stromleitung zwischen dem Nordufer und Mac Carthy Island tief durchhängt und auch am äußersten Rand nur etwa 13 Meter hoch ist (Höhenangaben ohne Gewähr!).

Unterwegs auf dem Gambia River. ©Martin Finkbeiner

Unterwegs auf dem Gambia River von Banjul bis zur Senegambia Bridge

Von der Mündung bis zur Brücke zwischen Soma und Farafenni ist der Fluss breit und relativ unspektakulär. Aufgrund der schlechten Sicht ist gerade im Mündungsbereich oftmals das gegenüberliegende Ufer kaum zu sehen. Etwa 15 Seemeilen flussaufwärts befindet sich Kunta Kinteh Island, auch bekannt als James Island, eine in der Vergangenheit heftig umkämpfte Insel. Wer James Island unter seiner Kontrolle hatte, hatte den Fluss als wichtigen Transportweg unter Kontrolle. Die Insel jedoch wurde häufiger eingenommen als erfolgreich verteidigt. Direkt östlich Kunta Kintehs ist der Ankergrund sehr gut, der mehrere Knoten starke Tidenstrom im Zusammenspiel mit dem oftmals kräftigen Wind kann den Ankerplatz jedoch sehr unkomfortabel machen.

Zwischen James Island und Tendaba können regelmäßig große Tümmler beobachtet werden, die hier im Fluss leben und jagen. Tendaba ist ein größeres Dorf am Südufer des Flusses, das ist für längere Zeit die letzte Möglichkeit, ein kühles Bier zu bekommen. Der Ankerplatz kann jedoch, ähnlich wie bei James Island, durch Wind und Tide unangenehm sein.

Ein paar Seemeilen flussaufwärts vom Kunta Kinteh Island befindet sich der Bintang Bolong, ein reizvoller Nebenarm des Flusses mit guten, ruhigen Ankerplätzen. Der Bintang Bolong allein ist größer als manch anderer Fluss und bietet gerade für Boote, die nicht unter der Senegambia Bridge hindurch passen, eine schöne Entschädigung. Der Flussarm ist bis zur Brücke bei Kalagi befahrbar.

Ankerplätze gibt es viele im Gambia River. Hier bei Bambally. ©Martin Finkbeiner

Weitere schöne Bolongs, wie die Flussnebenarme hier heißen, sind der Mandori Creek und der Jurong Creek. Das Schönste jedoch ist, den Fluss und auch Bolongs, die nicht beschrieben sind, zu erforschen. In der Regel ist die Einfahrt in die Seitenarme flach, hier lagern sich Sandbänke ab, einmal im Seitenarm wird das Wasser jedoch wieder tief.

Von Tendaba bis zur Senegambia Bridge wird zunächst der Crude Point passiert und dann Devils Point, von letzterem bis zur Brücke ziehen sich ausgedehnte Flachs bis weit über die Mitte des Flusses. Die Senegambia Bridge bietet nicht gerade den schönsten Ankerplatz des Flusses, von hier aus jedoch sind mit dem Bus oder Taxi die Städte Soma im Süden und Farafenni im Norden des Flusses einfach zu erreichen, die vergleichsweise gute Einkaufsmöglichkeiten bieten.

Insbesondere Farafenni ist ein guter Ort, um sich noch einmal mit Lebensmitteln einzudecken und eventuell etwas Geld abzuheben. Für Boote mit über 17 Metern Masthöhe ist hier Endstation, für alle anderen Boote beginnt nun das eigentliche Abenteuer.

Die Brücke Senegambia – hier bestimmt die Masthöhe, ob es weitergehen kann. ©Martin Finkbeiner

Unterwegs auf dem Gambia River von der Senegambia Bridge bis Janjanbureh

Hier beginnt der wahre Reiz des Flusses. Nach Devils Point wird der Gambia River deutlich schmaler und somit interessanter, denn die Ufer auf beiden Seiten – und somit auch die Vegetation und Tierwelt – sind gut einsehbar. Mit etwas Glück und einem geduldigen Auge können hier öfter Krokodile beobachtet werden. Noch etwas weiter flussaufwärts, wenn das Brackwasser frischem Süßwasser gewichen ist, sogar auch Flusspferde. Andere ständige Begleiter während der Flussfahrt sind Affen, hauptsächlich Meerkatzen und Paviane sowie Vögel aller Art und Größe, vom kleinen türkisen Kingfisher bis zu Flamingos und Pelikanen ist alles vertreten.

Auch die Tierwelt am Ufer des Gambia River ist beeindruckend. ©Anne Radloff

Die erste größere Insel im Fluss ist Elephant Island. Am schmaleren Flussarm befindet sich am Nordufer die Ortschaft Bambally, ein typisches, sehr freundliches Dorf abseits der Hauptstraße. Ein Gang zur Schule ein paar hundert Meter außerhalb des Dorfes ist einen Abstecher wert.

Bambally ist der einzige Ort, an dem wir bei unseren zahlreichen Besuchen Probleme mit dem Ankergrund hatten, der hier hart und felsig ist. Aber wenn der Anker nach ein paar Versuchen sitzt und der quasi nicht existente Anlegesteg überwunden ist, wird man überwältigt vom freundlichen Empfang sein. Eine ruhige Minute gibt es hier nicht, dafür garantiert umso intensivere Erlebnisse mit den gastfreundlichen Einheimischen.

Typisch afrikanisches Leben im Dorf Bambally. ©Martin Finkbeiner

Flussaufwärts von Elephant Island gibt es mehrere Seitenarme, die einen ruhigen Ankerplatz nach den anstrengenden Tagen in Bambally bieten. Auch nördlich und südlich von Seahorse Island, der nächsten Insel, kann gut die Nacht verbracht werden. Seahorse Island hat seinen Namen übrigens von den ersten europäischen Flussfahrern, die hier die ersten Nilpferde gesehen und „Pferde des Meeres“ genannt haben. Nach Seahorse Island folgt eine größere Ortschaft – Kau Ur – mit einem kleinen Markt und der Möglichkeit, Wasser und Diesel zu bunkern. Hierzu wird, wie überall in Gambia, ein eigener Kanister benötigt.

Tipp: Einfach einen der Eselskarrenfahrer ansprechen, sie fahren einen meist gern für kleines Geld zur Tankstelle an der nahegelegenen Hauptstraße und zum Brunnen. Das Wasser aus den Brunnen ist übrigens in der Regel bedenkenlos trinkbar. Wer das nicht möchte, sollte sich vor der Flussfahrt mit genügend Flaschenwasser eindecken.

Eine Familie von Nilpferden entspannt sich am Ufer. ©Anne Radloff

Die nächste Gruppe an Inseln nennt sich Pappa Islands und ist an beiden Seiten befahrbar. Wer den kleinen Seitenarm am Südufer wählt, muss langsam und vorsichtig navigieren und sich teilweise sehr nahe an den Mangroven auf der Inselseite halten, wo das Wasser mit drei Metern tief genug ist.

Jareng Badala ist eine kleine Ortschaft an diesem Seitenarm und wer hier ankert, muss sich darauf gefasst machen, Horden von Kindern, die mit Einbaumkanus herauspaddeln, an Bord zu begrüßen. So spannend für die Kinder eine Fahrt mit dem Dinghi ist, so abenteuerlich ist für uns eine Fahrt mit den einheimischen Kanus.

Wir fühlen uns willkommen in den Dörfern Gambias. ©Martin Finkbeiner

Weiter geht es vorbei an Kudang, das sich ebenfalls als Ankerplatz anbietet, zu Bird Island, einem idyllischen Ort, an dem man mit etwas Glück Nilpferde und Krokodile sehen kann. Die nächste größere Ortschaft ist Kuntaur, gefolgt von einem Highlight der Flussfahrt, den Baboon Islands. Die Baboon Islands sind ein Naturschutzgebiet, das mehrere Inseln umfasst, auf denen die damals wild hier lebenden Schimpansen wieder angesiedelt wurden. Ebenfalls sind hier mit ziemlicher Sicherheit Flusspferde zu sehen.

Achtung: Das Ankern ist nur an bestimmten Orten des Naturschutzgebietes erlaubt und nur der Hauptarm des Flusses darf befahren werden. Einmal am Tag fährt ein Boot der Ranger um die Inseln, um die Affen zu zählen. Hierzu werden sie mit Futter ans Ufer gelockt, und das ist auch der Zeitpunkt, an dem die Schimpansen am besten zu beobachten sind.

Schimpansen kommentieren unsere Fahrt flussaufwärts. ©Anne Radloff

Von Baboon Island ist es nicht weit nach Janjanboureh oder Georgetown auf MacCarthy Island. Achtung: Die Insel ist nur auf einer Seite befahrbar und für die allermeisten Boote auch nur bis zur oft sehr schlecht sichtbaren Stromleitung, die direkt hinter der Fährlinie den Fluss überspannt. Ankern ist vor dem auffällig pompösen Regierungsgebäude möglich. Janjanboureh bietet einige geschichtliche Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise das Slave House und seit langem wieder einmal die Möglichkeit, ein kühles Bier in einer Bar zu genießen.

Für die meisten Boote ist die Flussfahrt hier zu Ende und es heißt Umdrehen. Nur kleine Boote mit kurzem Mast und abenteuerlicher Crew passen unter der Stromleitung hindurch. Die Leitung hängt weit durch und ist nur am äußersten Ufer befahrbar, wo die Durchfahrtshöhe etwa 13 Meter beträgt.

Menschen, Tiere, Motorräder, auf den kleinen Fähren über den Fluss wird alles Mögliche transportiert. ©Martin Finkbeiner

Weiter flussaufwärts von Janjanboureh bis nach Basse

Für Boote, die es wagen, unter der Stromleitung hindurchzufahren, beginnt hier ein neues Kapitel. Die Flusskarten, die bis Janjanboureh relativ akkurat sind, sind ab hier nicht mehr zu gebrauchen. Auch lässt die Vegetation nach und gibt immer wieder den Blick ins Hinterland frei, die Landschaft wird hügeliger, die Ortschaften einfacher und traditioneller und die Temperaturen noch heißer. Auch wird der Fluss noch schmaler, flacher und von Untiefen und Felsen gespickt. Ab hier heißt es, seinen eigenen Weg zu finden. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit wird mit ziemlicher Sicherheit sehr viel langsamer werden, denn oft zeigt das Echolot eine Wassertiefe von nur drei Metern und weniger an.

Gemütliches Ankern tief im Landesinneren. ©Martin Finkbeiner

Nach der Stromleitung wartet am östlichen Ende von MacCarthy Island ein erster idyllischer Ankerplatz mit einer wildromantischen Landschaft. Von dort aus geht es sehr nah an den Mangroven mit etwa einem Meter unterm Kiel weiter nach Bansang, der ersten größeren Ortschaft nach Janjanboureh, ein sympathischer Ort mit ein paar Einkaufsmöglichkeiten für das Allernötigste.

An den roten Felsen des Monkey Court vorbei geht es weiter nach Karantaba, ein einfaches Dorf, das so gut wie nie Besucher sieht, schon gar nicht per Segelboot. Entsprechend stürmisch ist der Empfang und bis auch das letzte Kind an Bord geklettert ist und das fremde Boot inspiziert hat, wird man hier kaum Ruhe, dafür aber umso mehr unbezahlbare Gesichter lachender Kinder finden.

Freundlicher Besuch an Bord. ©Martin Finkbeiner

Für die, die Erholung suchen, bieten sich unzählige Ankermöglichkeiten flussaufwärts. Eine spannende kleine Ortschaft ist Diabugu Tenda (Tenda bedeutet immer „am Fluss gelegen“), ein sehr kleines Dorf mit nur zwei Familien, der kleinsten Schule, die wir auf unserer Reise gesehen haben, und einer entzückenden Silberschmiede, die traditionellen Schmuck herstellt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis nach Basse, dem definitiven Ende der Flussfahrt, denn unter der neuen Brücke bei Basse passt kein Segelboot hindurch. Basse ist eine große Ortschaft mit guten Versorgungsmöglichkeiten.

Traditionelles Kunsthandwerk in Diabugu Tenda. ©Martin Finkbeiner

Tipps zum Navigieren in Gambia

Gerade in den Flussdeltas sollte immer mit auflaufendem Wasser gefahren werden. Bleibt die Yacht trotzdem stecken, was unweigerlich nicht nur einmal passieren wird, wäscht einen das ablaufende Wasser mit ziemlicher Sicherheit wieder frei.

Der Ebbstrom ist immer etwas stärker als der Flutstrom, da zu dieser Zeit der Gezeitenstrom und die Strömung des Flusses addiert werden. Die Strömung folgt der Ideallinie von Außenkurve zu Außenkurve. Folgen wir dieser Linie, haben wir schon 90 Prozent richtig gemacht.

Es kann auch helfen, einen Blick auf die Mangroven auf beiden Uferseiten zu werfen: Hochgewachsene Mangroven symbolisieren oftmals flaches Wasser, flachwüchsige Mangroven hingegen können ein Indikator für tieferes Wasser sein.

Auf dem Fluss bleibt die Tiefe bis weit in das Landesinnere relativ stabil. ©Martin Finkbeiner

Fazit

Bleibt uns nur zu sagen, dass der Abstecher ans afrikanische Festland ein lohnendes Abenteuer ist. Wenige Boote nur segeln in diese Richtung, aber so gut wie jeder, der den Umweg einmal in Kauf genommen hat, kommt wieder.

Flusskarte mit den wichtigsten Orten. ©Riki Finkbeiner
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Bernhard von der Ninni
Bernhard von der Ninni
2 Monaten her

Achtung: Der BINTANG BOLONG ist NICHT BEFAHRBAR!
Zahlreiche quergespannte Seile direkt unter der Wasseroberfläche versperren die Durchfahrt. An ihnen sind die Fischernetze montiert. Die Strömung drückt einen in die Seile, bis sie sich am Kiel oder in der Schraube verhängen.

Bernhard von der Ninni
Bernhard von der Ninni
2 Monaten her

Stand: Herbst 2020

Martin
Martin
2 Monaten her

Hi Bernhard, ja, das passiert leider immer mal wieder, nicht nur im Bitang Bolong. Wir haben das weit oben auf dem Fluss auch mehrmals erlebt, ebenso im Seitenarm genau gegenüber vom Bitang Bolong (der allerdings landschaftlich auch nicht so reizvoll war).
Der Bitang Bolong ist Stand März 2022 problemlos befahrbar

Hartmut von der Lippe
Hartmut von der Lippe
2 Monaten her

Hallo, der Bingbongbungbung ist wieder befahrbar, war gerade dort. Habe einen Landsmann ins Wasser geschickt die Seile durchzuschneiden, habe ihm dafür eine Hühnerkeule geschenkt, die ich letzten Abend nicht mehr komplett fertig nagte. Hat funktioniert, Seil ist durch und ein Bein ist ab – Achtung Krokodile im Fluss! Mögen Hühnerkeulen, kranke Welt……….. dort zumindest…..

Hartmut von der Lippe
Hartmut von der Lippe
2 Monaten her

Stand: April 2022