Hochseefischen – so geht’s

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von Sönke Roever

Wer küstennahe Gewässer verlässt und auf das offene Wasser hinaussegelt, ist nicht selten für ein paar Tage oder gar Wochen auf See. Der Fang von Fischen gehört dann zum Bordalltag wie der Wind zum Segeln. Zudem ist das Anlanden eines großen Fisches eine willkommene Abwechslung im Blauwasseralltag. Doch wie fängt man einen solchen Fisch auf hoher See?

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Vor der Insel Rodriguez im Indischen Ozean haben wir diesen Jack gefangen.

Während für das küstennahe Angeln überall andere Vorschriften gelten und es starke lokale Unterschiede bei den Fangtechniken gibt, ist das Hochseeangeln keine Hexerei. Im Gegenteil. In der Regel reichen dazu ein Köder und eine mindestens 1,0 Millimeter starke Angelschnur. Bitte keine dünnere Schnur verwenden, da sie sonst reißt und der Fisch elendig mit dem Haken im Maul verendet. Auch muss keine teure Angel angeschafft werden. Vielmehr ist es völlig ausreichend, die Schnur einfach auf einer Spule auf- bzw. abzuwickeln und auf einer Klampe zu belegen.

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Unsere Angelschnur haben wir einfach auf einer Spule aufgewickelt. Sie wird auf einer Heckklampe belegt.

Neben der Schnur wird logischerweise ein Köder benötigt. Und auch wenn es sie in allen erdenklichen Formen und Farben gibt, wird auf dem Ozean immer die gleiche Bauart verwendet. Der Köder hat einen Kopf mit Augen und besteht dahinter aus vielen bunten Gummifasern, unter denen ein Haken versteckt ist. In fischreichen Gebieten haben wir auch schon mit einem Luftballon, den wir in Fransen geschnitten hatten und unter den wir einen Haken montierten, Erfolg gehabt.

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Mit diesem Köder haben wir etliche Fische aus dem Wasser gezogen. Es ist ihm anzusehen.

Auf hoher See werden in der Regel von Blauwasseryachten aus nicht allzu viele verschiedene Fische geangelt. Am häufigsten beißt der Mahi Mahi, der auch Dorado oder Goldmakrele genannt wird. Er ist leicht an seinem charakteristischen Kopf und den gelb schimmernden Schuppen zu erkennen. Ein toller Fisch, der absolut zart und saftig ist. In unseren Augen schmeckt er mariniert und auf dem Heckkorbgrill gegart am besten.

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Mahi Mahi

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Gelbflossen-Thunfisch

Hin- und wieder beißt ein Thunfisch. Dabei handelt es sich fast immer um einen Gelbflossen-Thunfisch. Ganz selten beißt auch mal ein Blauflossen-Thunfisch, der aufgrund seiner Qualität beim Sushi und Sashimi sehr beliebt ist. Allerdings wurde der Blauflossen-Thunfisch vielerorts überfischt und somit gilt er als „vom Aussterben bedroht“. Aber auch der Gelbflossen-Thunfisch ist zum roh essen bestens geeignet.

Generell gilt: Roher Fisch sollte erst 24 Stunden nach dem Fang verzehrt werden. Dann hat die Leichenstarre vollständig eingesetzt. Statt mit den Klassikern Wasabi und Soja-Sauce kann er alternativ auch auf die polynesische Art gegessen werden. Dazu wird er roh mit Limettensaft und Kokosmilch mariniert (einfach mal im Netz nach „poisson cru“ suchen).

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Da läuft das Wasser im Mund zusammen – Sashimi vom Thunfisch.

Nicht selten angeln Crews einen Bonito und halten ihn für einen Blauflossen-Thunfisch. Der Bonito ist ein Verwandter der Thunfische und kann daher leicht verwechselt werden. Sein Fleisch schmeckt auch gut, ist qualitativ jedoch weniger hochwertig. Übrigens ist der Bonito der Fisch, der häufig als Dosen-Thunfisch verkauft wird.

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Der Bonito sieht dem Thunfisch sehr ähnlich

Und dann gibt es noch ein paar seltene Exemplare, wie beispielsweise den Wahoo, die Königsmakrele oder den Marlin. Solche Fische zu fangen ist immer etwas Besonderes, da es nicht allzu häufig gelingt.

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Königsmakrele und Gelbflossen-Thunfisch

Nähert man sich einer Insel oder einem Riff beißt gerne auch mal ein Barrakuda. Dieser Fisch ist mit Vorsicht zu genießen, da er an den Riffen jagt. Je nach Region kann es sein, dass er dabei ein Gift zu sich nimmt, das kleinere Riff-Fische transportieren. Nimmt man immer mal wieder einen solchen „verseuchten“ Fisch zu sich, wird das unsichtbare Gift über die Zeit im menschlichen Körper angereichert. Wird dabei eine bestimmte Schwelle überschritten kommt es zu einer Fischvergiftung, die sich Ciguatera nennt. Ciguatera irritiert das Nervensystem (kalt wird beispielsweise als heiß empfunden) und verläuft gelegentlich auch tödlich. Daher sollten der Barrakuda und andere Rifffische nur gegessen werden, wenn geklärt ist, dass die Fangregion nicht betroffen ist. Dazu befragt man am besten die Einheimischen. Ciguatera tritt in tropischen Meeresgebieten zwischen 35° nördlicher und 35° südlicher Breite auf.

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Hier haben wir zwei Barrakudas vor der Küste von Venezuela gefangen

Manche Segler schwören darauf, dass bestimmte Farben bei den Ködern bestimmte Fische anlocken. Wir halten das eher für ein Gerücht. Allerdings haben wir festgestellt, dass Köder mit blauer Farbe nicht gut funktionieren. Vielleicht liegt das daran, dass das Wasser auch blau scheint und der Köder übersehen wird. Außerdem haben wir bei uns an Bord festgestellt, dass Thunfisch eher auf Köder mit den Farben grün, gelb und rot gebissen hat, Mahi Mahi hingegen auf Köder mit den Farben orange und braun. So gesehen ist an der These vielleicht doch etwas dran – wirklich belegen kann ich das aber nicht. Außerdem berichten andere Segler von anderen Farben bei bestimmten Fischen.

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Mit diesem Köder haben wir im Pazifik etliche Fische gefangen – vornehmlich Mahi Mahi.

Verlässlicher ist da eine Methode aus Polynesien, die besagt: Kreisen Vögel über dem Wasser, haben sie meistens einen Fischschwarm entdeckt — und dann sind die großen Räuber auch nicht weit. Wichtig ist, die Farbe des Gefieders zu beobachten. Demnach wird Thunfisch da geangelt, wo schwarzgefiederte Vögel kreisen. Mahi Mahi hingegen ist eher bei weißgefiederten Vögeln anzutreffen.

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In Tonga sind wir durch diesen Schwarm gesegelt und haben prompt einen Thunfisch geangelt.

Die beste Zeit zum Angeln ist um Sonnenaufgang und -untergang herum. Dann jagen die Fische und die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher, einen Treffer zu landen als zu anderen Tageszeiten. Insbesondere am Abend wird dabei gerne mal der Köder im Wasser vergessen. Interessanterweise sind einige Köder fluoreszierend und leuchten somit nachts im Wasser. Dies wiederum lockt Tiefseekreaturen an die Oberfläche und manch eines dieser Exemplare beißt an. Allerdings signalisieren diese Fische dem Angelnden durch ihr Aussehen deutlich: „Mich isst du besser nicht!“. Daher empfehle ich, nur am Tage zu angeln.

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Diese Tiefseekreatur hatten wir nachts auf dem Pazifik am Haken.

Die Angeltechnik selbst ist nicht weiter kompliziert. Der Köder wird auf offener See schlicht an der Oberfläche hinterher gezogen. Je größer der Köder, desto größer ist auch der Fisch, der beißt. Der Trick dabei ist, dass die Yacht den Fisch anlockt, daher muss der Köder in der Nähe sein. Allerdings muss dafür gesorgt werden, dass der Köder nicht in den Verwirbelungen des Kielwassers vom Fisch übersehen wird. Diesbezüglich hat sich folgende Faustregel bewährt: Bei vier Knoten Fahrt den Köder in 40 Metern Entfernung hinterher ziehen, bei fünf Knoten Fahrt in 50 Metern, bei sechs Knoten in 60 Metern und so weiter und so fort. Doch Achtung: Wer beim Angeln ein Schlauchboot hinterher zieht, wird feststellen, dass kein Fisch beißt. Wir vermuten, dass das Beiboot von der potentiellen Beute für einen großen Fisch gehalten wird, der ihr gefährlich werden könnte und sie somit lieber das Weite sucht anstatt anzubeißen.

Damit der Fisch bei ordentlich Fahrt nicht gleich wieder abreißt, sollte die Angelschnur mit einem Ruckdämpfer versehen werden. Dazu wird die Angelsehne mit einem Gummiband in einem Dreieck gespannt. Wer hier zudem noch eine Getränkedose oder Plastikflasche befestigt, wird alarmiert, wenn ein Fisch beißt und das Gummiband gespannt wird. Bei uns an Bord schlägt die Flasche oder Dose dann gegen die Süllkante und wir werden alarmiert. Diese Technik haben wir während unserer dreieinhalbjährigen Weltumsegelung viel benutzt und es hat dazu geführt, dass wir heute noch „Fisch“ rufen, wenn irgendwo eine Plastikflasche umfällt.

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Gut zu erkennen, wie die Angelsehne mit dem Ruckdämpfer im Dreieck gespannt wurde.

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Beißt ein Fisch, schlägt die Getränkedose gegen die Süllkante und wir werden alarmiert.

Hat ein Fisch gebissen, wird in der Regel mit dem Schiff weitergesegelt, da andernfalls die Schnur zu lose kommen und der Fang verloren gehen kann. Die Leine wird mit Handschuhen Hand über Hand eingeholt bis der Fisch beim Schiff ist. Ist man sicher, dass der Haken gut hält, kann man den Fisch im Wasser noch eine Weile kämpfen lassen, um ihn zu ermüden. Währenddessen sollte ein anderes Crewmitglied das Teakdeck – sofern vorhanden – mit einer Pütz nassmachen. So kann es keine weitere Feuchtigkeit wie Blutspritzer aufnehmen und bleibt schön sauber, wenn der Fisch an Deck kommt.

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Das Teakdeck sollte vor dem Anlanden des Fisches nass gemacht werden, um Flecken zu vermeiden.

Um den Fisch an Bord zu holen, können ein großer Kescher oder Gaff helfen. Letzterer ist ein sehr spitzer Haken an einem langen Stiel. Dabei sollten Gewicht und Größe des Fisches auf hoher See nicht unterschätzt werden. Exemplare von eineinhalb Metern Länge sind da keine Seltenheit und es ist nicht immer einfach, die Beute an Bord anzulanden. Manchmal kann der Fisch aber auch einfach an Bord gezogen werden, weil der Haken so fest sitzt, dass der Fisch schlicht nicht verloren gehen kann. In jedem Fall sollte dabei vernünftiges Schuhwerk getragen werden.

Das folgende Video zeigt, wie ich einen Blue Marlin an Bord hole. Entgegen meiner eigenen Regel trage ich dabei keine Schuhe – es musste schnell gehen 😉

Beim Töten des Fisches greift die Blauwassergemeinde gerne auf eine umstrittene Methode mit hochprozentigem Alkohol zurück. Das kann ein ganz preiswerter Fusel sein, der aber in jedem Fall mindestens 40 Vol-% haben sollte. Er wird mit einer Spritzflasche direkt in die Kiemen gegeben (kleines Loch in den Deckel einer Halb-Liter-Plastikflasche bohren, Flasche mit Alkohol füllen und zusammendrücken). Der Fisch segnet dann ohne Blutvergießen innerhalb weniger Sekunden das Zeitliche.

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Umstrittene Tötungs-Methode. Hochprozentiger Alkohol wird in die Kiemen des Fisches gegeben.

Kritiker führen an, dass der Fisch bei dieser Methode nicht getötet wird, sondern durch extrem starke Schmerzen schockartig betäubt wird. Der Fleischqualität käme dies zu Gute, da das Blut weiter fließt. Besser wäre natürlich ein kräftiger Schlag auf den Kopf oder ein Stich mit einem scharfen Messer unterhalb des Kopfes direkt in das Herz. Das Problem ist nur, dass es alles andere als einfach ist, einen großen Fisch zu bändigen. Der springt wild hin und her und den nimmt man nicht einfach mal eben in die Hand – schon gar nicht bei Seegang wo mindestens eine Hand für die eigene Sicherung benötigt wird. In der Praxis ist es eher so, dass der Fisch mit viel Kraft irgendwo gegen gedrückt und fixiert wird. Vor dem Hintergrund mag verständlich sein, dass es dann die einfachste Methode ist, den Alkohol in die Kiemen zu geben.

Insbesondere bei tropischen Temperaturen sollte der frische Fang zügig ausgenommen und filetiert werden – sonst fängt er an zu verderben und zu stinken. Ist dies nicht sofort möglich, kann man ihn mit einem nassen Handtuch bedecken. Beim Ausnehmen sollten aus Sicherheitsgründen Schuhe und ein dicker Handschuh getragen werden. Nichts ist ärgerlicher als eine tiefe Schnittwunde mitten auf dem Ozean!

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So bitte nicht! Beim Ausnehmen, sollten Schuhe und Handschuhe getragen werden.

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Der Barrakuda hat gefährliche Zähne. Obacht beim Entfernen des Hakens.

Im Idealfall wird der filetierte Fisch gleich in passenden Portionen verpackt. Dafür eignen sich hervorragend sogenannte Druckverschlussbeutel – auch Zip-Lock genannt. Kauft man selbige im Supermarkt, sind sie unverhältnismäßig teuer und oft auch nicht stark genug bzw. von sehr unterschiedlicher Qualität. Bei uns an Bord haben sich seit über 40.000 Seemeilen diese Beutel bewährt, die nebenbei auch für alles Mögliche andere benutzt werden können – beispielsweise zum Lagern von stinkenden Abfällen oder als Schutzverpackung von Lebensmitteln vor Ungeziefer.

Abschließend wird der Fang wahlweise in den Kühlschrank oder das Gefrierfach gelegt. Nach 24 Stunden Lagerzeit schmeckt er am besten — insbesondere roh bei Sushi oder Sashimi.

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Sushi auf See oder am Ankerplatz gehört für viele Segler zum Blauwasseralltag.

Einen Fisch auf dem Ozean zu fangen ist etwas Besonderes und es sollte achtsam mit dieser Ressource umgegangen werden. Wir kennen Segler, die Fische nur zum Spaß angeln oder nur die Bauchlappen rausschneiden (das ist das zarteste Fleisch). Anschließend werfen sie den Fisch wieder in das Wasser und er stirbt. Von dieser Art der Ressourcen-Verschwendung halten wir gar nichts! Es gibt schon jetzt genügend Gebiete auf den Ozeanen, wo tagelang kein Fisch gefangen wird.

In diesem Sinne: Petri heil!

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Olafs
Guest
Olafs
16. März 2016 15:13

Petri Dank!

Pablo
Guest
Pablo
17. März 2016 10:00

Einige hilfreiche Tipps. Besten Dank!

Hanns
Guest
Hanns
28. März 2016 18:21

Vielen dank für die Tipps. Habt Ihr den Fang eigentlich geschuppt oder habt Ihr die Haut komplett abgezogen? Und wenn, womit habt Ihr geschuppt?

Jürgen Brandmüller
Guest
Jürgen Brandmüller
20. Mai 2016 0:06

Ich finde deine Beschreibungen klasse !!!

Edi
Guest
Edi
2. Juni 2016 18:48

Hallo vieleicht ein kleiner tip , das Töten von Fischen geht recht schnell vonstatten wenn mann ihnen mit einem scharfen Messer einfach die Kiemen durchschneidet und ihn so Ausbluten läßt auch hat mann dann nicht das gestockte Blut in den Files ich mache das bei grossen Fischen immer auf der Badeplattform ist leichter zu reinigen kleine kommen kopfüber in einen Eimer gesichert werden sie mit einem Bänsel an der Schwanzflosse
lg Edi

Stefan
Guest
Stefan
30. August 2016 14:20

Hallo und vielen Dank,
leider hab ich nicht ganz die Technik zum mit dem Gummiband Dreieck verstanden.
Habt ihr auch Erfahrungen im Mittelmeer?
Stefan

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