Revier-Info Karibik: Törn von Martinique bis Grenada (Windward Islands)

Der Überblick

Der Klassiker unter den Karibikreisen führt durch die vier Inselstaaten Martinique, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen sowie nach Grenada. Die Inselkette erstreckt sich über etwa 150 Seemeilen, das Ein- und Ausklarieren beim Grenzwechsel gehört hier mit zum Törnerlebnis. Die Etappen zwischen den großen Inseln dauern etwa fünf, sechs Segelstunden. Hier kann es in der langgezogenen Atlantikwelle auch mal schaukelig werden, an den Westküsten der Inseln ist es hinter der Abdeckung dagegen ruhig und die Entfernungen sind – wie auch zwischen den Zielen der vielen kleinen Inseln der Grenadinen – deutlich kürzer.

Schön wie im Bilderbuch ist die alte Piratenbucht Marigot Bay auf St. Lucia.

Der Törn und die Etappen

Viele Charter-Crews starten in Le Marin im Süden von Martinique, eines der Zentren des Yachttourismus im Revier. Das Ziel eines jeden Törns in den Windward Islands sind die vielen kleinen Inseln der Grenadinen, hier ist das Karibikidyll aus Palmen, Strand und türkisfarbenem Wasser perfekt. Die etwa 250 Seemeilen lange Rundreise von Martinique bis in die Grenadinen und zurück ist auf einem 14-Tage-Törn problemlos in entspannten Tagesetappen möglich. Mal sind die Etappen 30 oder 40 Seemeilen lang, oft liegt das nächste Ziel aber auch nur wenige Meilen entfernt.

Wer Lust auf mehr Meilen hat, segelt über Carriacou weiter bis nach Grenada. Ganz Sportliche können den Törn mit einer Nachtfahrt sogar bis nach Trinidad ausweiten, wo einmal im Jahr spektakulär Karneval gefeiert wird. Wer weniger als zwei Wochen Zeit hat, aber trotzdem in entspannten Tagesetappen die Grenadinen erleben möchte (was man unbedingt tun sollte), startet besser von den näher gelegenen Inseln St. Lucia oder Grenada, die ebenfalls über viele Charterstützpunkte und gute Flugverbindungen verfügen. Selbst direkt auf St. Vincent kann gechartert werden, doch die Flugverbindungen sind weniger gut.

Die unbewohnten Tobago Cays sind das Sehnsuchtsziel in den Grenadinen.

Unterwegs – der Erlebnisfaktor

Die Route gilt als Klassiker, weil man hier alles, was die Karibik als Sehnsuchtsziel ausmacht, erleben kann. Passatsegeln pur gehört dazu, wenn es hinter der Abdeckung der Inseln über langgezogene Atlantikwellen geht. Auch das Flair der Blauwassergemeinde ist präsent, zum Beispiel, wenn man nach einer Überfahrt zusammen mit den Weltumseglern bei den Zoll- und Grenzbeamten die Pässe abstempeln lässt. Und natürlich ist es ein Erlebnis, das die ganz nah beieinanderliegenden Inseln durch ihre Vergangenheit ganz unterschiedlich geprägt und entwickelt sind.

Port Elisabeth auf Bequia ist ein beliebter Treffpunkt der Blauwassersegler.

Martinique zum Beispiel ist als Überseedepartment Frankreichs Teil der Europäischen Union, hier gibt es EC-Automaten, Supermarktketten und selbst die heimische EU-Flat ist hier auf dem Mobiltelefon gültig. St. Vincent als ehemalige britische Kolonie ist dagegen sehr viel weniger entwickelt, wilder und authentischer.

Man kann auf einem Törn durch die Windward Islands exklusive Hotelinseln wie Petit St. Vincent besuchen, auf Union Island über sandige Dorfstraßen schlendern, heiße Schwefelquellen auf St. Lucia bewundern, Bilderbuchbuchten auf Mayreau ansteuern, einen Ausflug in den tropischen Regenwald von St. Vincent unternehmen, am Korallenriff der Tobago Cays schnorcheln oder auf Robinsoninseln wie Mopion stoppen.

Die frisch gefangenen Lobster werden in den Togago Cays exklusiv für Segler am Strand gegrillt.

Mal treffen die Segler – wie beispielsweise in der Basil’s Bar auf Mustique – mit Hollywoodgrößen zusammen, mal gibt es – wie in der Marigot Bay – reine Seglertreffs mit eigenem Anlegesteg, mal grillen die Einheimischen direkt am Strand Lobster, zum Beispiel auf Petit Rameau. Und wer städtisches Flair sucht, der segelt einfach nach St. George’s auf Grenada. Kurzum: Der Törn bietet auf kurzen Distanzen tatsächlich das ganze Spektrum der unterschiedlichen Karibikfacetten.

Jeder Seglertreff ist anders, der auf der Privatinsel Petit St. Vincent eher exklusiv.

Wind und Wetter – der Passat

Während der gesamten Hauptsaison von Dezember bis April weht der Nordostpassat, eine Windmaschine, die (fast) niemals stoppt und mit 15 bis 25 Knoten stets ordentlich Druck hat. Mal weht der Wind etwas östlicher, mal etwas nördlicher, an den Enden der großen Inseln kommt es durch Ablenkungen auch zu leichten Abweichungen in Windstärke und Windrichtung. Kaum ein anderes Segelrevier bietet derart konstante Idealbedingungen, aber Vorsicht: Bläst der Passat mit voller Kraft, wird das Segeln sportlich und die Crew sollte ihr Handwerk beherrschen. Reffen gehört hier zum Standardmanöver, ein einfaches Anfängerrevier sind die Windward Islands nicht. Der Weg nach Süden ist mit mehr achterlichen Winden traumhaft, der Weg nach Norden, oft hoch am Wind, kann auf den offenen Seestrecken abseits der Inselabdeckungen schon mal ruppig werden.

Im offenen Atlantik geht es auf hohen und langgezogenen Wellen auf und ab.

Segler müssen in diesem Revier mit zum Teil kräftigen und häufigen Regengüssen rechnen, auch wenn diese meist nicht lange dauern. Beim Durchzug von Gewittern können allerdings Starkwind und große Winddreher auftreten. Die Lufttemperaturen liegen zwischen 25 und 31 Grad, das Wasser misst 27 Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, die Bewölkung bisweilen auch. In der Hurrikansaison von Juni bis November ist zusätzlich zur Hurrikan-Gefahr das Wetter unbeständiger und regenreicher, der Wind dreht mehr Richtung Süden, Segler meiden diese Zeit üblicherweise.

Nautische Begebenheiten – die Herausforderung

Der Tidenhub beträgt etwa 60 Zentimeter und spielt auf dem Törn praktisch keine Rolle. Auch die Tidenströmungen sind weitestgehend vernachlässigbar, zumindest segelt hier niemand nach Tidenkalender. Trotzdem: Der Äquatorialstrom setzt zwischen den großen Inseln mit bis zu 1,5 Knoten Richtung Nordwest und sollte Beachtung finden, auch bei kleineren Passagen zwischen den Inseln in den Grenadinen.

Die wenigen Seezeichen und Lichter sind zum Teil unzuverlässig. Das Kartenmaterial und die GPS-Positionen sind dagegen zuverlässig. Wer enge Riffpassagen passiert, sollten dennoch gute Sichtverhältnisse und die Sonne im Rücken haben. Bei einem Grenzwechsel muss stets erst in einem „Port of Entry“ ein- und ausklariert werden.

Der Gang zu den Behörden ist meist unkompliziert, der Stempel unverzichtbar.

Die Törnziele – Häfen und Ankerbuchten

Die Anzahl der Ziele mit Yachthäfen ist zwischen Martinique und Grenada beschränkt, meistens liegt man vor Anker oder an einer Muring. Die drei großen Ausgangshäfen Le Marin auf Martinique, Rodney Bay Marina auf St. Lucia und Port Louis Marina auf Grenada erfüllen europäische Ansprüche und bieten eine sehr gute Infrastruktur. Aber es gibt auch charmante kleine Anlagen, die manchmal nicht viel mehr als einen Holzsteg mit Wasseranschluss bieten, zum Beispiel in Clifton auf Union Island oder in der Blue Lagoon auf St. Vincent.

Der Anchorage Yachtclub auf Union Island bietet Anlegemöglichkeiten und kleine Serviceleistungen.

Die Anzahl der Buchten, in denen kostenpflichtige Murings ausgelegt sind, hat in der Vergangenheit stetig zugenommen, das Handbuch bezeichnet nicht alle als sicher. Das freie Ankern ist aber weiterhin überall problemlos möglich, der sichere Umgang mit dem Ankergeschirr sollte also gewährleistet sein. Alle Buchten und Häfen liegen gut geschützt an den Westküsten der Inseln, im Schutz von hohen Küsten ist dann auch der kräftige Passatwind deutlich schwächer.

Manche Ankerplätze wie hier in Clifton auf Union Island sind eng und voll, da muss das Manöver sitzen.

Die Charterbasen der Windward Islands

Martinique

Im Hafen von Le Marin auf Martinique liegen die meisten Charterschiffe der Windward Islands.

Le Marin auf Martinique ist eines der ganz großen Charterzentren der Karibik. Im Angebot sind überwiegend Yachten zwischen 35 und 55 Fuß, viele davon sind Katamarane.

St. Lucia

In der Rodney Bay Marina auf St. Lucia kommen jedes Jahr auch die Segler der Transatlantikrallye ARC an.

Das nautische Zentrum von St. Lucia liegt in der Rodney Bay Marina, ein moderner Yachthafen mit allen notwendigen Einrichtungen. Das Charterangebot wächst auch hier stetig, erreicht aber nicht die Größe von Martinique.

Grenada

Im Süden der Insel, ganz nah am Flughafen und am lebhaften Hauptort St. George’s mit guten Versorgungsmöglichkeiten, gibt es mehrere Charterstützpunkte.

Diese Charter-Agenturen helfen dir weiter

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten in den Windward Islands können diese Firmen behilflich sein:

Anreise

Die Flugverbindungen zu den Charterdestinationen Martinique, St. Lucia und Grenada sind auch von Deutschland aus gut. Mit einer Direktverbindung müssen zehn Stunden einkalkuliert werden, eine Verbindung mit Stopover dauert etwa 15 Stunden. Die Preise liegen je nach Saison und Ziel zwischen 600 und 1.100 Euro für Hin- und Rückflug.

Unter anderen bieten folgende Airlines passende Flüge an:
• Air France nach Martinique
• Condor nach St. Lucia und Grenada
• British Airways nach St. Lucia und Grenada

Der Transfer zur Basis auf Martinique dauert etwa 40 Minuten, der zur Rodney Bay Marina auf St. Lucia etwa 80 Minuten, der zu den Stützpunkten auf Grenada zwischen zehn und 20 Minuten und der zur Blue Lagoon Marina auf St. Vincent 15 Minuten.

Auch wenn die Aussicht auf Mayreau schön ist: Mit der Propellermaschine muss niemand mehr anreisen.

Gut zu wissen – weitere Revierinfos

Geld

Die Karibik ist kein billiges Reiseland und erreicht europäisches Niveau, manches ist sogar teurer, weniges billiger. Auf Martinique gilt der Euro, im Rest des Reviers der Ostkaribische Dollar (EC-Dollar), auch der US-Dollar ist häufig im Umlauf. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte bei Preisabsprachen immer die lokale Währung EC-Dollar gelten.

Boat Boys

Die Einheimischen preschen den Yachten oft schon Meilen vor dem Erreichen einer Bucht in ihren kleinen Booten entgegen. Ein Phänomen, das es so in keiner anderen Karibikdestination gibt. Angeboten werden zum Beispiel das Festmachen von Muringleinen, Müllentsorgen, das Erledigen von Einkäufen oder Landausflüge. Es hilft, klare Ansagen zu machen und eindeutige Preisabsprachen in EC-Dollar zu treffen.

Die Boat Boys in den Tobago Cays haben viel Kundschaft und sind sehr entspannt.

Einkaufen

Die vermutlich besten und günstigsten Einkaufsmöglichkeiten, auch wenn es um die Auswahl von westlichen Produkten geht, gibt es auf Martinique (der Leader-Price-Supermarkt in Le Marin hat einen eigenen Bootssteg, sodass mit dem Dingi zum Einkaufen gefahren werden kann).

Selbstverständlich bekommen auch Crews mit Start auf St. Lucia und Grenada problemlos alles Notwendige für ihren Törn. Auf den kleineren Inseln wie Bequia oder Union Island können die Bestände ebenfalls aufgefüllt werden, die Auswahl ist allerdings geringer und die Preise höher. In vielen der Ankerbuchten kommen Boat Boys vorbei und bieten direkt an der Bordwand frisches Obst, Gemüse, Lobster oder Brot an.

Auf den kleinen Inseln wie hier auf Bequia gibt es statt Supermarktketten lokale Marktstände.

Sicherheit

Immer wieder wird von Übergriffen auf Yachten und Touristen berichtet, vor allem auf St. Lucia und St. Vincent. In den meisten Fällen handelt es sich um Kleinkriminalität wie Diebstahl, doch vereinzelt haben auch Gewaltverbrechen für Aufsehen gesorgt. Bei zurückhaltendem Auftreten und normalen Sicherheitsvorkehrungen sollten keine Probleme auftreten. Einen ausführlichen Beitrag mit Tipps zur Sicherheit für Segler in der Karibik gibt es hier.

Sonstiges

Die klassischen Charterwochen von Samstag bis Samstag gelten hier meist nicht, die Schiffe können an jedem Tag übernommen werden, auch Oneway-Optionen sind möglich. In den Yachthäfen und auf Union Island in den Grenadinen kann Wasser gebunkert werden. Regenkleidung ist ratsam, zumindest Jacken für einen Teil der Crew. Überall wird Englisch gesprochen, selbst im ansonsten französischsprachigen Martinique.

Das Klischee von der Karibik erfüllt sich spätestens in den Tobago Cays.

Literatur – Bücher und Seekarten

Der Klassiker unter den Revierführern wird laufend aktualisiert, darf auf keinem Törn fehlen und hilft auch bei der Vorbereitung. Man darf davon ausgehen, dass er auf jeder Charteryacht vorhanden ist: Chris Doyle, Windward Islands, Cruising Guide Publications.

Seekarten: An Bord befinden sich häufig die auf DIN A4 zusammenfaltbaren und wasserabweisenden Seekartenblätter von Imray, die auch Detailkarten zu den wichtigen Häfen und Ankerplätzen haben. Je nach Törn werden fünf bis sieben Karten benötigt, die jeweils um die 25 Euro kosten. Beispielsweise die Karte B1 für St. Lucia.

Der Sportbootkartensatz NV Atlas Caribbean 12.3 (Windward Island, Martinique to Grenada) vom Verlag Nautische Veröffentlichung deckt das ganze Revier ab und hat Übersegler-, Revier- und viele Detailkarten zu allen wichtigen Häfen und Ankerplätzen.

Weitere Informationen zu diesem Revier

Karibik-Törnbericht Windward-Islands: Martinique, St. Lucia, St. Vincent, Bequia, Mustique, Mayreau und Tobago Keys.

Der Klassiker unter den Karibikreisen ist ein Törn in die Inselwelt zwischen Martinique und Grenada. Sehnsuchtsziele wie die Tobago Keys, Bequia, Mustique oder St. Lucia stehen auf dem Törnplan. Passatsegeln pur mit vielen Überraschungen und reichlich Karibikflair.

Gefahr im Paradies?! Die aktuelle Sicherheitslage in der Karibik

Die Karibik ist ein beliebtes Revier. Aber bietet ein Törn in dieser Region wirklich nur Palmen, Wind und Sonnenschein oder muss man auch Gefahren, wie zum Beispiel Piraterie, einkalkulieren? Das CSSN (Caribbean Safety and Security Net) veröffentlicht jedes Jahr einen Report zur aktuellen Sicherheitslage im Karibischen Meer.

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