Hafen/Marina Pāvilosta (Lettland/Baltikum)

Von Michael Amme

Michael ist seit über 20 Jahren als Journalist und Fotograf auf dem Wasser tätig. Der studierte Geograf hat weltweit Reisereportagen in mehr als 100 Charter- und Blauwasserrevieren produziert. Zudem haben den Hamburger viele Segelreisen und seine frühere Tätigkeit als Charter- und Überführungsskipper rund um den Globus geführt. Zusammen mit Sönke Roever ist er die treibende Kraft von BLAUWASSER.DE und ein beliebter Referent auf Bootsmessen und diversen Seminaren (siehe Termine).

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Titelfoto: ©Michael Amme

Allgemeine Infos zum Hafen von Pāvilosta

Pāvilosta ist einer der drei lettischen Häfen an der offenen Ostseeküste von Lettland, dem baltischen Land zwischen Litauen und Estland. Damit ist es auch einer der lettischen Häfen, die alleine schon wegen der geografischen Lage von ausländischen Besuchern am meisten besucht werden.

Der Hafen im idyllischen Flusslauf bietet mehrere mögliche Liegeplätze ist schöner Umgebung. ©Michael Amme

Von den drei Häfen an der Westküste ist Pāvilosta der mit dem größten Urlaubsflair. Im Gegensatz zu den städtisch geprägten Hafenorten Liepāja und Ventspils nebenan – die auch großen kommerziellen Hafenanlagen Platz bieten – ist Pāvilosta die ruhige und naturnahe Option an diesem Küstenabschnitt.

Im Sommer allerdings ist hier ganz schön was los, Pāvilosta ist so etwas wie der heimliche Star unter den Urlaubsorten Lettlands. In den letzten Jahren ist der nicht einmal 1.000 Einwohner zählende Ort zu einer Art In-Treff der Letten geworden. Vor vielen Jahren schon hat sich hier wegen der guten Wellen und dem schönen Strand die Surferszene des Landes getroffen, der Trendsport und lässige Flair haben in der Folge immer mehr Künstler und städtisches Szenepublikum angezogen. Heute gibt es hier Surfschulen, coole Cafés und Restaurants, Sternehotels und entlang der zum Teil immer noch sandigen Straßen des Ortes parken große SUVs mit Surfbrettern auf dem Dach.

Vor dem 4-Sterne-Hotel OTTO parkt heute das städtische In-Publikum. ©Michael Amme

Eine andere Attraktion – gerade für deutschsprachige Besucher – ist der Hafenmeister Girts Vagotins-Vagulis. Der vierfache Familienvater mit Elbsegler-Mütze spricht perfekt Deutsch. „Ich habe mal ein halbes Jahr in Hildesheim studiert und immer auch deutsches Fernsehen gesehen“, sagt der stets freundlich strahlende Hafenmeister mit BWL-Diplom. Er ist es auch, der jedem segelnden Besucher den Hafen erklärt und daraufhin den jeweils richtigen Platz zuweist. Denn auch wenn der idyllisch am Flusslauf gelegene ehemalige Fischerort überschaubar ist, Anlegeoptionen gibt es gleich mehrere.

Der gemütliche Hafen bietet an beiden Flussufern gleich mehrere Möglichkeiten zum Festmachen. ©Michael Amme

Die Liegeplätze in Pāvilosta

Das Hafenhandbuch weist für Pāvilosta gleich drei verschiedene Liegeplatzmöglichkeiten aus, die alle nah beieinander und ganz nah am Zentrum des Ortes sind. Alle Plätze sind auch für größere und tiefgehende Kielyachten erreichbar. Der Hafenmeister versichert, dass er bisher immer alle untergebracht hat und noch nie jemanden abweisen musste. Eine Tankstelle (täglich von 08.00 bis 20.00 Uhr geöffnet) ist ebenfalls vorhanden.

Pāvilosta Port

Dieser Hafen ist der einzige auf der Uferseite des Ortes und deshalb für die meisten die vermeintlich erste Wahl. Von hier aus kann man zu Fuß die Cafés und Restaurants, das Museum, den Ort, die Geschäfte und den Surfstrand besuchen, hier liegt auch das Hafenbüro.

Die kleine Schwimmsteganlage mit Fingerstegen hat Platz für zwei Dutzend Schiffe, an der Pier dahinter gibt es neben den Fischern weitere Liegeplätze, alle mit Strom und Wasser. Die ganze Hafenanlage wurden gerade mit Hilfe eines EU-Programms erneuert und der Platz bietet ein gepflegtes und charmantes Ambiente.

Die neue Schwimmsteganlage von Port Pāvilosta wurde auch mit EU-Mitteln realisiert. ©Michael Amme

Pāvilosta Marina

Auf dem gegenüberliegenden Ufer, keine 100 Meter vom Pāvilosta Port entfernt, bietet die Pāvilosta Marina weitere Liegeplätze an einer langen Pier. Entweder längsseits oder an den vier Fingerstegen. Auch hier gibt es sanitäre Anlagen sowie Wasser und Strom. Nebenan gibt es am grünen Flussufer einen Stellplatz für Wohnmobile, der genauso wie der Hafen selbst vom stets fröhlichen Hafenmeister Girts Vagotins-Vagulis betreut wird.

Gegenüber vom Ort befinden sich die ruhigen Liegeplätze der Marina Pāvilosta. ©Michael Amme

Am nahen Strandabschnitt auf dieser Seite ist es fast immer leer und der Aussichtsturm auf dieser Seite bietet einen tollen Überblick über den Ort, die Hafeneinfahrt und die weite Ostsee. Hier liegt es sich nochmal ruhiger und für den kurzen Weg über den Fluss zum Ort braucht es nicht einmal den Außenbordmotor.

Vom Aussichtsturm aus gibt es eine tolle Sicht über die weite und flache Küstenlandschaft. ©Michael Amme

Boat Park Pāvilosta

Die dritte Möglichkeit festzumachen befindet sich ebenfalls an der dem Ort gegenüberliegenden Flussseite. Einige der Liegeplätze befinden sich direkt vor einer Reihe von modernen Ferienhäusern, die hübsch am grünen Ufer auf einer schwimmenden Pier stehen. Die andere Hälfte der Pier ist noch unbebaut und reicht direkt bis zum Werftgelände von Boat Park Pāvilosta.

Die Liegeplätze von Boat Park Pāvilosta liegen direkt am Werftgelände. ©Michael Amme

Die moderne Werft wird von den Brüdern Edgar und Richard Liepins gemanagt, die für Lettland als Finn-Class-Segler an Regatten teilgenommen haben und heute mit ihrer Werft einen Rundumservice anbieten.

Edgar Liepins managt die Werft Boat Park Pāvilosta. ©Michael Amme

Das aufgeräumte Werfgelände mit Stellplätzen, der neue 20-Tonnen-Kran, die beheizte Werkshalle und die fünf festen Mitarbeiter – alles hier macht einen sehr professionellen Eindruck. Damit ist Pāvilosta definitiv auch ein geeigneter Winterliegeplatz für alle, die ihre Ostseerunde unterbrechen möchten. Dazu können hier viele Arbeiten zu deutlich günstigeren Preisen als in Deutschland oder Skandinavien in Auftrag gegeben werden.

Einfahrt in den Hafen von Pāvilosta

Von den drei Häfen an der offenen Ostseeküste von Lettland ist Pāvilosta der mit der geringsten Wassertiefe. Die beiden Molenköpfe sind mit rot und grün befeuert und ein Richtfeuer führt sicher durch den langen Hafenkanal. Die beiden Außenmolen wurden verlängert, seitdem scheint es etwas Probleme mit der Versandung zu geben und die Zufahrtstiefe hat sich von etwa vier auf drei Meter verringert. Die Ursache ist noch unklar, „vielleicht spült der nächste Wintersturm auch alles wieder frei“, sagt Hafenmeister Girts.

Die langen Molen schützen die Hafeneinfahrt von Pāvilosta. ©Michael Amme

Wer also mit über zwei Meter Tiefgang und einer auflandigen Welle von einem Meter den Hafen ansteuert, sollte zuvor den Hafenmeister kontaktieren und die aktuelle Tiefe abfragen (UKW-Seefunk-Kanal 12). Kommt der Seegang aus Südwest, ist man wegen der längeren Südmole bei der Einfahrt schneller in der sicheren Abdeckung. Kommt der Seegang aus Nordwest, entstehen durch den reflektierenden Seegang an der Südmole leichte Kreuzseen in der Einfahrt. Mit Strömungen im Hafenkanal ist nicht zu rechnen.

Mit seinem Tuckerboot ist der Hafenmeister Girts Vagotins-Vagulis stets zur Stelle. ©Michael Amme

Der Flair von Pāvilosta: Umgebung, Versorgung, Aktivitäten

Dass Pāvilosta einen tollen Sommer-Spirit versprüht, haben mittlerweile auch die ausländischen Segler mitbekommen. Sind um die Jahrtausendwende gerade mal 50 Yachten pro Jahr gekommen, steuern jetzt in normalen Jahren fast 400 Yachten den kleinen, idyllisch am grünen Flussufer gelegenen Hafen an. Fast drei Viertel der Besucheryachten kommen aus Deutschland und die durchschnittliche Verweildauer beträgt dabei 2,5 Tage.

Gerade die Hafenanlagen direkt am Ort sind im Sommer immer gut belegt. ©Michael Amme

Auch wenn die Immobilienpreise im Ort explodieren und im Sommer oft bis zu 3.000 Tagesgäste den kleinen Ort fast überrollen: Die Surfer kommen immer noch gerne hierher und campen mit ihren Familien in den Dünen. Auch deshalb, weil der Küstenverlauf bei den häufigen Südwestwinden einfach die besten Wellen des Landes garantiert.

Vom Liegeplatz zum Strand braucht es zu Fuß keine zehn Minuten. ©Michael Amme

Das gehobene Szene-Publikum quartiert sich dagegen eher im neuen Hotel OTTO ein, das erste Vier-Sterne-Haus des Ortes. Die sehr gute Küche bleibt trotz des gehobenen Ambientes preislich überschaubar und der kleine Sauna- und Spa-Bereich des Hauses steht auch segelnden Gästen offen.

Der kleine Pool- und Spa-Bereich im Hotel OTTO darf gegen Eintritt besucht werden. ©Michael Amme

Wer vom Hafen die kleine Promenade entlang des Flussufers die paar hundert Meter zum Strand läuft, findet weitere Cafés und Restaurants, es gibt Surf- und Standup-Bretter zu mieten, auch Fahrräder und Kanus. Hier liegt auch das kleine Museum des Ortes, das die Geschichte des deutschen Baron Otto Friedrich von Lilienfeld erzählt, der als Ziegelfabrikant 1879 den Hafenort Pāvilosta gegründet hat.

Auch die kleine Promenade von Pāvilosta wurde ganz neu gestaltet. ©Michael Amme

Unbedingt empfehlenswert ist eine Schlauchboot- oder Kanutour flussaufwärts. Kilometerlang windet sich der Fluss Saka durch grüne Landschaften, vorbei an kleinen Anlegern, alten Häusern, Fischerhütten, Wäldern und Schilflandschaften. Nach vier Kilometern kommt der alte Hafenort Saka, in dem im Vergleich zu Pāvilosta aber nicht so viel los ist, viel mehr als eine Bäckerei findet sich hier nicht.

Der Flusslauf Saka ist idyllisch und neun (!) Meter tief. ©Michael Amme

Die Fischräucherei in Pāvilosta ist unbedingt auch einen Besuch wert. Hier kann man fast täglich (sofern die Fischer frischen Fisch angelandet haben) für neun Euro ein Kilo Räucherfisch kaufen. Wer möchte, kann Salate und Getränke mitbringen und auf den rustikalen Holztischen gleich neben dem Räucherofen sein Picknick machen.

Rustikal, ehrlich und lecker: die Fischräucherei von Pāvilosta. ©Michael Amme

Kontakt und mehr Info

Telefon Hafen: +371 29 125 521
Email: info@pavilostaport.lv

Einen Hafenplan, alle Adressen, Webseiten und Telefonnummern der einzelnen kleinen Häfen sowie ein Video von der Hafeneinfahrt bis zu den verschiedenen Hafenanlagen findet ihr hier in dem kostenlosen Hafenhandbuch von Lettland und Estland.

Alle Infos zum Ort, den Unterkünften, Restaurants und möglichen Aktivitäten gibt es auf der Website von Pāvilosta.

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Hinweis: Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder. Die Verwaltungsbehörde des Programms haftet nicht dafür, wie diese Informationen verwendet werden.

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