Segeln Schweden: Revierinfo Kalmarsund/Småland/Öland

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Sönke hat 100.000 Seemeilen Erfahrung im Kielwasser und von 2007 bis 2010 zusammen mit seiner Frau Judith die Welt umsegelt. Er veranstaltet diverse Seminare auf Bootsmessen (siehe unter Termine) und ist Autor der Bücher "Blauwassersegeln kompakt", "1200 Tage Samstag" und "Auszeit unter Segeln". Sönke ist zudem der Gründer von BLAUWASSER.DE und regelmäßig mit seiner Frau Judith und seinen Kindern auf der Gib'Sea 106 - HIPPOPOTAMUS - unterwegs.

Das Seegebiet liegt zwischen Bergkvara und Loftahammar. Es bietet viele attraktive Ziele für Segler

Wer von einem Segeltörn im schwedischen Schärengarten träumt, denkt meist zuerst an die Schären rund um Stockholm. Die Anreise dorthin ist jedoch lang und für viele Crews mit begrenzter Urlaubszeit eine Herausforderung. Dabei muss man gar nicht bis in die schwedische Hauptstadt segeln, um Schärenluft zu schnuppern und eine Insel ganz für sich allein zu finden. Schon 200 Seemeilen südlich von Stockholm beginnt am Kalmarsund ein Revier, das sehr viele Qualitäten hat und eine attraktive Kombination aus Küsten- und Schärensegeln bietet.

Wer das Revier erkundet, findet immer wieder geschützte Naturhäfen. ©Sönke Roever

Gemeint ist der Revierabschnitt zwischen Bergkvara und Loftahammar an der schwedischen Ostküste von Småland. Auf rund 100 Seemeilen erwartet Segler hier eine reizvolle Mischung aus typisch schwedischer Sommerlandschaft mit bewaldeten Ufern, zahlreichen Inseln und Inselchen sowie charmanten Küstenstädten. Hinzu kommt eine ausgezeichnete maritime Infrastruktur mit modernen Gästehäfen und guten Versorgungsmöglichkeiten.

Rote Holzhäuser gehören in diesem Revier zum gewohnten Anblick. ©Sönke Roever

Besonders attraktiv macht das Revier Småland die überwiegend geschützte Lage. Auf etwa vier Fünfteln der Strecke verläuft die Route im Schutz der langgestreckten Insel Öland, die den Kalmarsund von der offenen Ostsee trennt. An seiner engsten Stelle misst der Kalmarsund bei der namensgebenden Stadt Kalmar gerade einmal vier Seemeilen Breite und bietet damit Segelbedingungen, die eher an ein geschütztes Binnenrevier als an die offene Ostsee erinnern.

©BLAUWASSER.DE

Unabhängig davon, ob die Region Småland und der zugehörige Kalmarsund als eigenständiges Urlaubsziel oder als entspannte Alternative auf dem Weg in den Stockholmer Schärengarten in den Törnplan eingebunden werden, hat das Revier zwischen Bergkvara und Loftahammar deutlich mehr zu bieten, als ihm häufig zugestanden wird. Grund genug, diesen oft unterschätzten Küstenabschnitt einmal näher vorzustellen.

Kalmar im Zentrum des Reviers vereint maritime Atmosphäre, historische Sehenswürdigkeiten und eine gute Infrastruktur für Wassersportler. ©Sönke Roever

Anreise mit dem Boot zum Kalmarsund

Die Anreise zum Kalmarsund gestaltet sich für deutsche Segler wie folgt: Vom Ausgang der Kieler Förde bleiben bis zum südlichen Eingang des Reviers rund 250 Seemeilen im Kielwasser. Von Rügen aus sind es nur etwa 130 Seemeilen. Damit lässt sich das Gebiet innerhalb eines längeren Sommerurlaubs gut erreichen, ohne dass wochenlange An- und Abreisen erforderlich wären.

Wer von Rügen startet, wird meist direkt Kurs auf Bornholm nehmen. Die dänische Ostseeinsel liegt nahezu ideal auf dem Weg und bietet mit ihren abwechslungsreichen Häfen attraktive Zwischenstopps. Insbesondere bei einer Rundung der Nordseite warten mehrere reizvolle Anlaufpunkte, die einen Törn bereits vor Erreichen Schwedens zu einem Erlebnis machen.

Die Anreise ins Revier ist auf unterschiedlichen Routen möglich. ©Sönke Roever

Von Kiel aus stehen verschiedene Routen zur Auswahl. Möglich ist der klassische Weg über Fehmarn, Rügen und Bornholm. Ebenso reizvoll ist die Passage durch das dänische Smålandsfahrwasser, bevor die schwedische Südküste angesteuert wird. Beide Varianten haben ihren eigenen Charme und lassen sich gut an Wetter, Zeitbudget und persönliche Vorlieben anpassen. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann zudem die Hanö-Bucht in die Törnplanung mit einbeziehen. Das alles sorgt dafür, dass sowohl die Hin- als auch die Rückreise abwechslungsreich bleiben und nicht nur als notwendige Überführung empfunden werden – im Gegenteil!

Am Ufer des Kalmarsunds gelegen, ist Påskallavik ein beliebter Stopp auf dem Weg nach Norden oder Süden. ©Sönke Roever

Grundsätzlich eignen sich der Kalmarsund und die Gewässer in Småland hervorragend als Ziel für einen mehrwöchigen Sommerurlaub. Wer Schweden mit seiner weitläufigen Küste nicht in einem einzigen Jahr erkunden möchte, findet in Nävekvarn weiter nördlich ein interessantes Winterlager, mit einem deutschsprachigen Ansprechpartner. Ich habe mein eigenes Boot bereits mehrfach für den Winter dort eingelagert.

Auch für Besitzer von Trailerbooten ist die Küste von Småland ein attraktives Revier. Wer den langen Seeweg vermeiden möchte, kann das Boot bequem auf dem Anhänger bis nach Västervik transportieren und dort slippen oder kranen. Von hier aus startet man direkt ins geschützte Schärengebiet, das sich hervorragend auch mit kleineren Segel- und Motorbooten erkunden lässt.

Verschiedene Fährverbindungen nach Schweden ermöglichen eine entspannte Anreise. ©Sönke Roever

Ein praktischer Tipp für die Anreise: Von Deutschland aus verkehren einige Autofähren nach Schweden. Das spart nicht nur viele Straßenkilometer, sondern macht die Anreise deutlich angenehmer und entspannter. Die gängigen Verbindungen sind: Kiel – Göteborg, Travemünde – Malmö, Travemünde – Trelleborg und Rostock – Trelleborg.

Småland bietet kurze Segeletappen und viele attraktive Ziele

Hat man den Kalmarsund erst einmal erreicht, beginnen die eigentlichen Vorzüge des Reviers. Die Distanzen zwischen über 30 Häfen, unzähligen Ankerbuchten und landschaftlich reizvollen Naturhäfen sind überwiegend kurz, sodass sich sehr entspannte Tagesetappen realisieren lassen. Gleichzeitig bietet die Küste eine bemerkenswerte Vielfalt an Zielen, die sich gut miteinander kombinieren lassen.

Wer die Natur liebt, findet im Revier zahlreiche außergewöhnliche Liegeplätze fernab großer Häfen. ©Sönke Roever

Im Südteil des Reviers locken zunächst die Marinas von Bergkvara, Mörbylånga und Kalmar. Letztere zählt mit ihrer historischen Altstadt, dem imposanten Schloss und der lebendigen Uferpromenade zu einem der Höhepunkte des Reviers. Nördlich von Kalmar beginnt die Landschaft zunehmend den Charakter eines Schärenreviers anzunehmen. Zwischen den zahlreichen Inseln mit geschützten Buchten finden sich erste reizvolle Naturhäfen und geschützte Ankerplätze.

Das Schloss von Kalmar ist eines der Wahrzeichen des Sunds. ©Sönke Roever

Zu den beliebten Stationen entlang der weiteren Route gehören unter anderem die Marinas von Stora Rör, Borgholm, Timmernabben, Sandvik, Påskallavik, Byxelkrok oder Figeholm. Jeder dieser Liegeplätze besitzt seinen eigenen Charakter und bietet gute Möglichkeiten für einen Zwischenstopp. Mal steht die unkomplizierte schwedisch-gelassene Sommer-Atmosphäre im Vordergrund, mal die Ruhe einer geschützten Schärenbucht samt der Nähe zur schwedischen Natur.

Figeholm ist ein lebhafter und reizvoller Küstenort mit typisch schwedischem Charme. ©Sönke Roever

An der Nordspitze Ölands befindet sich bei Nabbelund eine weitläufige Bucht, die rund zwei Seemeilen tief in die Insel einschneidet und selbst bei anspruchsvolleren Wetterbedingungen sehr guten Schutz bietet. Bei der Ansteuerung fällt auf Ölands Norra Udde der weithin sichtbare Leuchtturm Långe Erik ins Auge, der zu den bekanntesten Wahrzeichen der Insel zählt. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen seiner maritimen Geschichte, sondern auch aufgrund des Ausblicks über die Ostsee und die umliegende Küstenlandschaft.

Der Leuchtturm Långe Erik markiert die Nordspitze Ölands. ©Sönke Roever

Unmittelbar nördlich von Öland, etwa auf der Höhe von Oskarshamn, verändert sich der Charakter des Reviers erneut. Die Küste wird deutlich zerklüfteter und geht in ein weitläufiges Schärengebiet mit mehr als 11.000 Inseln über, das mit zahllosen Naturhäfen, Ankerbuchten und geschützten Passagen aufwartet. Hier beginnt für viele Segler das eigentliche Schärensegeln. Zwischen den Inseln finden sich immer wieder idyllische Liegeplätze, während größere Orte wie Oskarshamn, Västervik und Loftahammar für Abwechslung, Versorgung und kulturelle Höhepunkte sorgen.

Das Revier bietet eine große Auswahl an geschützten Ankerplätzen. ©Sönke Roever

Gerade in diesem Abschnitt der Küste von Småland wird schnell deutlich, wie groß die Dichte attraktiver Häfen und Ankerbuchten ist. Nicht wenige Skipper stellen fest, dass ihre ursprüngliche Törnplanung plötzlich an Bedeutung verliert. Zu verlockend sind die vielen Möglichkeiten, noch eine weitere Nacht in einer geschützten Schärenbucht zu verbringen oder einen Ort intensiver zu erkunden. Der Vollständigkeit halber sei daher erwähnt, dass so mancher Segler seinen ursprünglichen Törnplan hier angepasst hat, weil es schlicht zu schade gewesen wäre, dieses abwechslungsreiche Revier nur im Vorbeifahren zu erleben.

Das Segeln in Småland ist abwechslungsreich. ©Sönke Roever

Mit Loftahammar endet schließlich das hier vorgestellte Segelrevier von Småland. Von dort setzt sich die ostschwedische Küste mit weiteren ausgedehnten Schärenlandschaften in Richtung Norden fort. Wer seine Reise verlängern möchte, findet dort zahlreiche weitere attraktive Ziele, die ich in einem separaten Revierbericht vorgestellt habe.

Trässö zählt zu den schönsten Ankerplätzen im nördlichen Teil des Reviers. ©Sönke Roever

Navigation im Kalmarsund und an der Küste von Småland

Die Navigation im Kalmarsund ist trotz der teils felsigen Ufer unkompliziert und auch für Crews mit wenig Schärenerfahrung gut zu bewältigen. Insbesondere der Kalmarsund ist über weite Strecken tief und frei von navigatorischen Schwierigkeiten. Dort, wo Untiefen die Passage erschweren könnten, sind diese in der Regel mit zahlreichen Kardinaltonnen betonnt.

Die Fahrwasser selbst sind klassisch mit roten und grünen Tonnen gekennzeichnet. Dabei orientiert sich die Betonnung an der Fahrtrichtung von Süd nach Nord. Ergänzt wird die Navigation durch Leuchttürme an markanten Punkten.

Dank der zahlreichen Seezeichen ist die Navigation im Revier meist unkompliziert. ©Sönke Roever

Durch den gesamten Kalmarsund verläuft ein großzügig dimensioniertes Hauptfahrwasser, das vor allem für die Berufsschifffahrt mit größerem Tiefgang ausgelegt wurde. Für Segelcrews gibt es zudem viel Bewegungsfreiheit außerhalb des Fahrwassers. Selbst bei Gegenwind bleibt in den meisten Küstenabschnitten im Kalmarsund ausreichend Raum zum Kreuzen. Insbesondere entlang der Küste Ölands kann häufig bis dicht unter Land gesegelt werden.

Zwischen dem Festland und Öland erstreckt sich im Kalmarsund ein weitläufiges Segelrevier mit viel Bewegungsfreiheit. ©Sönke Roever

Etwas anders präsentiert sich die Festlandküste auf der Westseite des Kalmarsunds. Hier werden die Gewässer stellenweise flacher und stärker durch Inseln, Schären und Untiefen gegliedert. In diesen Bereichen empfiehlt es sich, den betonnten Fahrwassern zu den Häfen und Ankerplätzen zu folgen. Die Navigation bleibt jedoch auch dort übersichtlich und gut beherrschbar.

An Engstellen ist die Betonnung im Revier sehr gut. ©Sönke Roever

Das einzige echte Nadelöhr im Kalmarsund ist die Kalmarsundbrücke bei Kalmar, die offiziell Ölandsbron heißt. Für die allermeisten Fahrtensegler stellt sie jedoch kein Hindernis dar, da die Brücke eine Durchfahrtshöhe von 34,9 Metern bietet. Sie ist weithin sichtbar und eine sehr gute Orientierungsmarke.

Die Ölandsbron überspannt den Kalmarsund und verbindet die Insel Öland mit dem Festland. ©Sönke Roever

Nördlich von Öland verändert sich schließlich der Charakter des Reviers. Der offene Kalmarsund geht in ein weit verzweigtes Schärengebiet über, dessen geschützte Fahrwasser sich durch eine beeindruckende Inselwelt schlängeln. Dabei verläuft ein Hauptfahrwasser wie eine Hauptschlagader von Süd nach Nord und ermöglicht eine komfortable Passage durch die Schärenlandschaft. Von dieser „Hauptstraße“ zweigen zahlreiche Nebenfahrwasser ab, die tief in langgestreckte Buchten und Fjorde hineinführen. Manche dieser Einschnitte reichen mehr als zehn Seemeilen ins Landesinnere und bieten unterwegs eine Vielzahl reizvoller Naturhäfen, Ankerplätze und Marinas.

Reizvolle Naturhäfen mit der Möglichkeit, direkt an den Felsen festzumachen, sind typisch für das Revier. ©Sönke Roever

Innerhalb der Schärenfahrwasser nördlich von Öland empfiehlt es sich, die ausgewiesenen Routen konsequent zu nutzen und auf Abkürzungen außerhalb der betonnten Fahrwasser zu verzichten. Zwar ist gelegentlich zu beobachten, dass einheimische Boote auch abseits der offiziellen Routen unterwegs sind, dabei handelt es sich jedoch meist um ortskundige Skipper, die die örtlichen Gegebenheiten bestens kennen.

Das Hauptfahrwasser durchzieht das Revier in Nord-Süd-Richtung. ©Sönke Roever

Häufig haben Segler in die eine Richtung günstigen Wind, während Crews auf Gegenkurs mit Gegenwind konfrontiert werden und den Motor bemühen müssen. Hier zahlt sich eine flexible Törnplanung aus. Wer nicht unter Zeitdruck steht, wartet einfach auf günstigere Windverhältnisse oder nutzt einen Tag mit Gegenwind für einen Abstecher in eines der zahlreichen Nebenfahrwasser. Da diese oft in unterschiedliche Richtungen verlaufen, findet sich dort nicht selten ein deutlich günstigerer Segelwinkel.

In der Praxis hat sich außerdem gezeigt, dass im Schärenrevier häufig weniger mehr ist. Viele Einheimische fahren deshalb lediglich mit dem Vorsegel und nehmen bewusst eine etwas geringere Geschwindigkeit in Kauf. Da die Fahrwasser fortlaufend ihre Richtung ändern, vereinfacht dies das Segelhandling erheblich. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit für die Navigation – und vor allem für das, was dieses Revier so besonders macht: den Blick auf die zahllosen glatt geschliffenen Granitfelsen, roten Holzhäuser und die beeindruckende Landschaft, die hinter jeder Kurve anders aussieht und auf die Crew wartet.

Holzhäuser gehören in Småland ebenso zum Landschaftsbild wie Schären, Felsen und Kiefern. ©Sönke Roever

Als Seekarten eignen sich die schwedischen Papier-Seekarten, die sehr hoch aufgelöst sind und damit auch kleinere Fahrwasser preisgeben. Alternativ gibt es vom Delius Klasing Verlag die Kartensätze 11 und 12. Eine sehr gute Hilfe sind auch die Karten in der Boating-App von Navionics. Insbesondere an engeren Stellen beziehungsweise Durchfahrten kann der Wechsel auf die integrierten Sonar-Charts helfen, die einen detaillierten Aufschluss über den Verlauf der Tiefenlinien geben.

Viele der Schären sind bewaldet und verleihen dem Revier einen grünen Charakter. ©Sönke Roever

Doch Vorsicht! Auch wenn die Navigation mit den elektronischen Seekarten einfacher geworden ist, weil man stets zu sehen scheint, wo man sich befindet, muss weiterhin aufgepasst werden. Das eigene Schiffssymbol in der Seekarte zu sehen, suggeriert eine trügerische Sicherheit und es gilt, stets Kartenbild und Realität in Einklang zu bringen.

Häfen und Ankerplätze rund um Småland, den Kalmarsund und Öland

Wer zum ersten Mal im Kalmarsund und Småland unterwegs ist, wird schnell feststellen, dass in den meisten der 32 Häfen nach einem einheitlichen Prinzip festgemacht wird. Üblicherweise liegen die Yachten mit dem Bug am Steg und werden nach achtern mit einer Heckboje fixiert. Es empfiehlt sich daher, einen Bojenhaken an Bord zu haben. Mit ihm lässt sich die Bojenleine schnell und sicher aufnehmen, ohne dass Crewmitglieder sich weit über die Heckreling lehnen müssen. Gerade bei Wind erleichtert dies das Hafenmanöver erheblich und sorgt für ein einfacheres Handling beim Anlegen. Man kann die Haken übrigens sehr gut beim hervorragend sortierten Schiffsausrüster in Kalmar erwerben – daher stammt meiner auch. 🙂

In vielen Häfen wird an Heckbojen festgemacht – eine in Schweden weit verbreitete Liegeplatzform. ©Sönke Roever

Die Alternative zu den Marinas mit Infrastruktur sind die Naturhäfen oder die selbstgesuchten Liegeplätze an Schären. Mir hilft es bei der Auswahl der Plätze, Luftaufnahmen zu sehen. Vielen anderen Seglern geht es wohl auch so. Nahezu alle haben das Handbuch Hamnguiden 7 an Bord, um sich inspirieren zu lassen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es bisher keine deutsche oder englische Übersetzung gibt und das Buch nur auf Schwedisch erhältlich ist. Mit dem Smartphone lässt sich jedoch gut der Text scannen und übersetzen, beispielsweise mit der App Google Übersetzer. Darüber hinaus sind auf der schwedischen Webseite für Gästehäfen brauchbare Infos zu finden.

An Schären wird mit dem Bug zum Fels festgemacht, während achtern ein Heckanker ausgebracht wird. ©Sönke Roever

Für das Festmachen an den Schären sollten neben dem klassischen Setup zum Vertäuen der eigenen Yacht zwei Leinen von 20 bis 30 Metern Länge sowie mindestens vier Schärennägel mitgeführt werden. Ein kräftiger Hammer zum Einschlagen in die Felsspalten gehört ebenfalls zur Ausrüstung. Wie das Festmachen in einem Naturhafen funktioniert, habe ich ausführlich hier beschrieben.

Mit Schärennägeln lassen sich Leinen auch dort befestigen, wo natürliche Anschlagpunkte fehlen. ©Sönke Roever

Darüber hinaus gibt es auf BLAUWASSER.DE eine interaktive Karte mit diversen Einträgen zu schönen oder relevanten Orten im Revier der ostschwedischen Schären.

Infrastruktur und Versorgung im Revier Småland

Wer im Kalmarsund und den angrenzenden Schärengebieten unterwegs ist, darf sich auf einen hohen Standard bei Infrastruktur und Versorgung freuen. Das Niveau ist mit dem in Deutschland vergleichbar und vielerorts sogar darüber hinausgehend. Nahezu alle Marinas auf dem Festland verfügen über Strom- und Trinkwasseranschlüsse direkt an den Stegen samt moderner Sanitäranlagen und Waschmöglichkeiten. Bei kleineren Inselhäfen kann die Ausstattung etwas einfacher ausfallen, während in den Naturhäfen üblicherweise keinerlei Versorgungseinrichtungen vorhanden sind.

Dank der umfassenden Möglichkeiten ist Kalmar ein beliebter Stopp im Revier. ©Sönke Roever

Zur klassischen Hafenausstattung zählt in Schweden häufig auch ein WLAN-Zugang. Für die meisten Gastsegler hat dieser jedoch an Bedeutung verloren, denn die Mobilfunkabdeckung entlang der Küste und selbst in weiten Teilen der Schären ist ausgezeichnet. Dank der EU-Roaming-Regelungen können deutsche Segler ihre Mobilfunkverträge in der Regel ohne zusätzliche Kosten nutzen und sind nicht auf ein Hafen-WLAN angewiesen.

Bergkvara markiert das südliche Ende Smålands und ist ein beliebter Anlaufpunkt bei Fahrtenseglern. ©Sönke Roever

Eine etwas größere logistische Rolle kann die Proviantplanung spielen. Wer sich längere Zeit im Revier aufhält, wird feststellen, dass größere Supermärkte oftmals nicht direkt am Hauptfahrwasser liegen, sondern sich etwas weiter im Landesinneren befinden. Dies gilt insbesondere für die stark zerklüfteten Schärengebiete nördlich von Öland. Für größere Einkäufe bieten sich grundsätzlich die Städte Kalmar, Borgholm, Oskarshamn und Västervik an. Aber auch Orte wie Påskallavik, Loftahammar oder Figeholm verfügen über gute Versorgungsmöglichkeiten und eignen sich hervorragend zum Auffüllen der Bordvorräte.

Die Supermärkte in Schweden haben in der Regel täglich geöffnet. ©Marga Keyl

Die schwedische Segelsaison dauert in der Regel von Mitte Mai bis Ende August. Während dieser Zeit machen viele Schweden Urlaub und verbringen ihre Freizeit in den Schären. Zahlreiche kleinere Inseln werden dann zusätzlich belebt, und vielerorts öffnen saisonale Geschäfte oder Kioske. Immer wieder überrascht dabei, wie umfangreich das Angebot dann selbst an abgelegenen Orten ausfällt. Oft finden sich dort deutlich mehr Waren des täglichen Bedarfs, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Im Sommer entdeckt man überraschend oft kleine Geschäfte für die Versorgung. ©Sönke Roever

Erwähnt sei in dem Zusammenhang auch, dass Schweden nahezu bargeldlos funktioniert. Die Einheimischen nutzen überwiegend den Bezahldienst Swish, der allerdings ausschließlich Personen mit schwedischem Bankkonto zur Verfügung steht. Für Besucher stellt dies jedoch kein Problem dar, denn praktisch überall werden Kredit- und Debitkarten akzeptiert. Ob Visa oder Mastercard – größere Bargeldbeträge werden während eines Törns im Kalmarsund in der Regel nicht benötigt.

Eine Runde Minigolf gehört in vielen schwedischen Ferienorten zum Freizeitangebot. ©Sönke Roever

Segel-Wetter in der Region Småland

Während der Sommermonate dominieren im Kalmarsund und den nördlich angrenzenden Schärengebieten Winde aus dem westlichen oder südwestlichen Sektor. Größere lokale Abweichungen sind eher selten, da die Schäreninseln überwiegend niedrig sind und den Wind nur geringfügig beeinflussen. Lediglich in unmittelbarer Landabdeckung kann es gelegentlich zu kurzzeitigen Windlöchern oder -drehern kommen.

Während der Sommermonate präsentiert sich Småland oft von einer sonnigen Seite. ©Sönke Roever

Besonders angenehm sind Winde aus südwestlichen, westlichen oder nordwestlichen Richtungen. Da sie über das schwedische Festland heranwehen, erwärmen sie sich auf ihrem Weg und sorgen häufig für etwas wärmere Temperaturen. Gleichzeitig handelt es sich dann im Kalmarsund um ablandige Winde, sodass kaum nennenswerter Seegang entsteht. Weiter nördlich reduzieren die zahlreichen Inseln und Schären den Wellengang sowieso, sodass Seegang in weiten Teilen des Reviers ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielt. Hierzu trägt auch die mehr als 80 Seemeilen lange Insel Öland bei. Sie wirkt wie ein natürlicher Schutzschild gegen die offene Ostsee und dämpft den Einfluss östlicher Winde erheblich.

Ganz ausschließen lässt sich Seegang allerdings nicht. Der Kalmarsund verfügt über große freie Wasserflächen und damit über einen entsprechenden Fetch. Hält starker Wind über längere Zeit aus nördlicher oder südlicher Richtung dem Sund folgend an, kann sich durchaus eine unangenehme See aufbauen. In den Sommermonaten kommt dies jedoch äußerst selten vor.

Im Kalmarsund können Strömungen von ein bis zwei Knoten entstehen. Treffen Gegenstrom und Gegenwind zusammen, kann das Vorankommen beim Kreuzen sehr mühsam werden. Umgekehrt kann es aber auch eine sehr schnelle Reise werden, wenn die Strömung mit läuft und der Wind mit weht.

Die Sommermonate erlauben häufig entspanntes Segeln in leichter Kleidung. ©Sönke Roever

Die Temperaturen sind während der Segelsaison von Mitte Juni bis Mitte August meist angenehm sommerlich. Tageshöchstwerte von über 20 Grad Celsius sind keine Seltenheit, insbesondere wenn sich ein stabiles Skandinavienhoch etabliert. Dann profitieren Segler von vielen Sonnenstunden und einer insgesamt recht beständigen Wetterlage.

Die hellen Sommernächte lassen den Horizont oft bis weit nach Sonnenuntergang in warmen Sonnenfarben erstrahlen. ©Sönke Roever

Für die Wetterplanung stehen ausgezeichnete Vorhersagemöglichkeiten zur Verfügung. Dank der sehr guten Mobilfunkabdeckung lassen sich Wetterdaten nahezu überall im Revier abrufen. Gute Erfahrungen habe ich insbesondere mit der App Windy und dem Wettermodell ECMWF gemacht, das die Verhältnisse in diesem Küstenabschnitt häufig sehr zuverlässig abbildet.

Auch die Wassertemperaturen erreichen im Hochsommer angenehme Werte. In geschützten Schärenbuchten werden regelmäßig mehr als 20 Grad Celsius gemessen, während das Wasser an der offenen Küste meist etwas kühler bleibt.

Die Wassertemperatur ist skandinavisch frisch, lädt an warmen Tagen aber durchaus zum Baden ein. ©Sönke Roever

Gezeiten spielen im Revier praktisch keine Rolle. Deutlich wichtiger sind wetterbedingte Wasserstandsschwankungen. Tiefdruckgebiete führen zu steigenden Wasserständen, Hochdrucklagen zu sinkenden. Ebenso kann starker auflandiger Wind das Wasser aufstauen, während kräftiger ablandiger Wind für fallende Pegel sorgt. Die aktuellen Wasserstände lassen sich jederzeit über die Webseite des SMHI abrufen.

Beim Segeln in Småland hält jeder Tag neue Eindrücke bereit – abwechslungsreicher geht es kaum. ©Sönke Roever

Fazit

Der Kalmarsund und die Küsten von Småland und Öland zählen für mich zu einem unterschätzten Segelrevier an der Ostsee. Kurze Etappen, zahlreiche Häfen, geschützte Schärenfahrwasser und eine hervorragende Infrastruktur machen das Gebiet sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Fahrtensegler attraktiv. Wer schwedisches Sommerflair und Schärenlandschaften erleben möchte, ohne gleich bis Stockholm segeln zu müssen, findet hier eine hervorragende Alternative.

Mehr zum Kalmarsund, Öland und Småland findest du auf dieser Webseite.

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Walter
Walter
1 Monat her

Vielen Dank für den tollen Bericht. Wir haben dieses Gebiet gerade erkundet und sind jetzt in Söderköping auf dem Weg durch den Götakanal. Hierzu auch ein großes Dankeschön für das Seminar und den Rabatt für den Kanal. Gute Fahrt und schöne Grüße von Bord der „Festina Lente“ (OEX 3690)